- 11 - Was uns AREDOS sagt April 1960 Stellt euch einmal vor, ihr habt ein Verbrechen begangen und nun sollt ihr vor ein Gericht gestellt werden. Natürlich ist der Angeklagte in Nöten und möchte gern freigesprochen werden. Je größer das Verbrechen, um so größer ist die Angst vor der Strafe. Die Menschheit hat sich eine Justiz geschaffen, damit möglichst Ordnung herrscht und die Verbrechen und Vergehen nicht überhand nehmen. Schön wäre es aber für die Sünder, wenn es Gerichte gäbe, die so milde urteilen, daß sie immer straffrei davon kämen. Nun gebt einmal acht, was für eine merkwürdige juristische Auffassung von Recht und Unrecht ihr habt, wenn es um die Sünden der ganzen Menschheit geht, wenn es um das GERICHT GOTTES geht: Die gesamte Menschheit ist nicht frei von irgendeiner Schuld. Diese Vergehen gegen das GUTE, gegen die LIEBE sind Euch nicht unbekannt, denn jeder weiß ganz genau, was er tun darf und was verboten ist. Es wäre aber zu schrecklich, wenn nun jeder Mensch nach seinem Tode, nach seiner Entkörperung, vor ein HÖCHSTES GERICHT gestellt wird, welches zwar milde urteilt, aber dennoch absolut gerecht ist. Mag dieses GERICHT noch so tolerant sein, ihr könnt nicht entkommen. Ihr könnt diesem GERICHT nichts vormachen, nichts vorlügen, noch eine faule Ausrede anwenden oder eine Entlassung erkaufen. Diese Aussichten sind für einen Schuldigen nicht gerade rosig, werdet Ihr sagen. Da kommt GOTT zu Hilfe: ER, der VATER, schickt uns einen ERLÖSER. Nun war und ist es nicht so, daß CHRISTUS uns einfach freispricht. Das wäre ein schlechter Richter und ein vertrauensloses GERICHT. Aber CHRISTUS belehrte uns darüber, wie wir Recht von Unrecht unterscheiden können und warnt uns alle vor diesem HÖCHSTEN GERICHT. Doch die meisten Menschen, die sich in der Sünde wohler fühlen, als in einem schweren, aber rechtschaffenen Leben, fühlen sich dadurch weder erlöst noch gebessert. Nur die Kirchenväter, ihre Handlanger und allzu dummen Schäfchen glauben an die Dogmen eines tatenlosen und barmherzigen RICHTERS, der über jeden Sünder weint, aber nicht den Mut hat, ihn zu verurteilen und obendrein das Böse schließlich aus Gnade belohnt. Aber da sind noch die Gewaltigen dieser Erde, die Politiker, die Großindustriellen und die vielen Geschäftsleute von Superformat. Alle diese Großverdiener und Großsünder fühlen sich nie ganz wohl, wenn sie an die Warnungen des ERLÖSERS denken. Für sie ist jedes GERICHT etwas unangenehmes, wenn die Strafe bis ins Jenseits reichen soll. Sie kamen daher auf einen grandiosen Einfall, der ihnen alle Sorgen dieser Art vom Gewissen nahm. Sie prägten den Satz: "Religion ist Opium für das Volk!" - In Wirklichkeit brauchen sie jedoch selbst ein Opium als Ersatz für eine w a h r h a f t i g e RELIGION, mit so schrecklichen Aussichten für den Sünder. Nichts ist einfacher als das. Das jenseitige GERICHT wird einfach abgeschafft und der RICHTER als eine "Einbildung der Phantasie" bezeichnet. Damit das Ganze aber mehr Gültigkeit bekommt, muß die Nichtexistenz GOTTES als eine Religion ausgerufen werden. Diese Pseudoreligion wurde zum Opium für die Massen, zum Opium für die wenigen Führer. Eine selbstgedrehte Beruhigungspille mit völlig falscher Bezeichnung, denn die w a h r e RELIGION ist in dem Fall absolut kein Opium, kein Beruhigungsgift, sondern eine Frage des Gewissens. • Darum verfälschte man CHRISTUS als einen allgemeinen Menschheitserlöser, denn ein Erlöster, eine freigesprochene Seele, braucht im Jenseits nicht vor ein GERICHT gerufen zu werden. • Da aber diese Erlösungstheorie ein bißchen unsicher war für Leute mit schwerbelastetem Gewissen, so ist es viel angenehmer, wenn die WAHRHEIT zur Lüge erklärt wird.
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