Politik für wen? - Nachtrag

- 48 - • Der Mensch stammt auch keinesfalls vom Affen ab, sondern ist einen eigenen Entwicklungsweg gegangen. Übrigens hat die Wissenschaft heute schon ganz neue Erkenntnisse gewonnen, die sich mit dem Dialektischen Materialismus oder mit der Darwin'schen Lehre nicht vereinbaren lassen. Mai 1969 Frage : Studenten wollen die Gesellschaft verändern. Ist dieses Bemühen richtig? ELIAS : Dazu sind sie noch zu unreif. Die Studenten wissen eigentlich nicht recht, was sie wollen. Sie denken an eine weltweite Revolution. Aber leider können sie noch nicht weiter denken und daher sehen sie die Konsequenzen nicht richtig. Sie züchten sich gegenseitig zu Psychopathen heran. Wer längere Zeit mit Psychopathen zu tun hat nimmt oft das gleiche Getue und Gehabe an. Ihr seht an diesem Wirrwarr, wie tief ihr schon in der HARMAGEDON-SCHLACHT drin steckt. • Wenn die Studenten in der ganzen Welt gemeinsam gegen den Wahnsinn der Kriege protestieren, haben sie unsere volle Unterstützung. Gegen die Berliner Mauer zu protestieren fiel ihnen noch nicht ein. Auch in einer Demokratie muß es Paragraphen geben, welche derartige Auswüchse, wie sie zur Zeit vorkommen, unterbinden. Demokratie bedeutet keine Narrenfreiheit! Frage : Könnten die Studentenunruhen in aller Welt eine Weltrevolution zur Folge haben? ELIAS : Diese Gefahr sehe ich noch nicht als akut an. Im Gegenteil - seltsamerweise brachte das alles etwas Gutes mit sich. Man kann davon lernen. Die meisten Studenten sind trotz der Anstiftung zu feige. Einwand : Wir erblicken in diesen Vorgängen trotzdem eine Gefahr, denn der Atheismus spielt eine große Rolle dabei. ELIAS : Ein einzelner Atheist oder Negativer kann kaum etwas ausrichten. Aber das Negative wird in der Gemeinschaft stark. Die Masse ist immer eine gewisse Gefahr. Auch die negative Politik braucht die Masse. Einzeln steht selten einer seinen Mann. Man kommt den Studenten heute schon etwas entgegen und ist zu Reformierungen bereit. Aber man sollte dabei stark aufpassen, daß nicht nur die Interessen der Studenten berücksichtigt werden, sondern die Interessen der Allgemeinheit. Frage : Demonstrativ haben sich Studenten öffentlich selbst verbrannt. Wie ist deine Meinung dazu? ELIAS : Ich bin gegen jede Selbstverstümmelung, gegen jede Gewalt, auch gegen Hungerstreiks. Aber ich bin für den gewaltlosen Widerstand, wie er in Indien einmal praktiziert wurde. Juli 1969 Frage : Viele Briefe erreichen uns, die hinsichtlich der momentanen Weltsituation einen großen Pessimismus ausdrücken. Ist diese Schwarzmalerei berechtigt? ELIAS : Was erwartet ihr von einer HARMAGEDON-SCHLACHT? Es wird leider immer noch vergessen, daß dieser Planet Erde ein Läuterungsplanet ist. Doch die Erde ist nicht dazu ausersehen, für immer ein solcher Läuterungsplanet zu bleiben.

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