Politik für wen? - Nachtrag

- 6 - Juni 1958 Der LICHTBOTE ARGUN zum Thema Frankreich ARGUN : Wenn es euch alle interessiert, möchte ich über Frankreich berichten, doch möchte ich mich in dieser Beziehung nicht aufdrängen. Leiter : Ich glaube, daß ARGUN an seinem Lande sehr interessiert ist. ARGUN : Vielen Dank für euer Verständnis. Ja, ich liebe es noch so wie einst. Nun, liebe Freunde, Frankreich ist schon immer ein großer Unruheherd gewesen, durch seine Besitztümer außerhalb seines eigenen Landes. Hiermit meine ich Afrika und Marokko. Ach, der Franzose hat eine Schwäche: Er möchte auch gern beherrschen und seine Gesetze geltend machen. Aber er vergißt die Mentalität des Orients, die Verschlossenheit und das Kultische des Orientalen. Der Orientale ist verschwiegen und fanatisch. Wenn er für eine Sache Feuer gefangen hat, dann bleibt das Feuer auch brennen und erlischt nicht so schnell wie bei euch. Nun hat sich der Orient ebenfalls geteilt und hat schon etwas von Demokratie vernommen und wünscht sich ebenfalls die Unabhängigkeit wie Indien und Ägypten. Jedoch der Franzose schickt seine Legionen hinaus, um zu töten und getötet zu werden. Es war von Anfang an ein großer Fehler. Sie glaubten, auf diese Art und Weise ihre Macht beweisen zu können. So floß nur unnötiges Blut unschuldiger Menschen. Die Unruhe begann nicht in Frankreich, sondern in Algerien, denn dort wurden die Einheimischen wie Leibeigene behandelt und betreut. Bitte erst lesen. ARGUN. (Anmerkung: Der bisher geschriebene Text wurde verlesen. Danach setzte ARGUN seine Rede fort.) ARGUN : Sie lebten derartig primitiv und in Verhältnissen, daß es nicht möglich war, Kinder aufwachsen zu lassen. Von 20 Kindern wurden vielleicht nur 5 Kinder groß, die anderen starben. Der Orientale ist nicht unintelligent, er braucht nicht geschult zu werden, wie ein Buschneger. Er ist äußerst intelligent und es fällt ihm leicht, sich an das Neue zu gewöhnen. Jedoch liebt er über alles hinaus die Gerechtigkeit und die Freiheit, die er nicht kennen durfte. Jetzt, nach vielen Jahrhunderten, dringt das Gefühl, die Freiheit zu erlangen, immer weiter hervor, denn er möchte nicht mehr nachgeben und nur Knecht sein, sondern er hat ebenfalls das Bedürfnis nach HÖHEREM, nach der Entwicklung. Das ist der Hauptgrund für die Unruhen. Doch der Franzose zeigte ihm nur die Schultern und gab Versprechungen, die er unmöglich einhalten konnte, weil er gar nicht in der Lage war, die notwendigen Mittel aufzubringen. Sie versuchten, sich anderweitig durch neue Versprechungen zu retten, aber das geht auch nur eine gewisse Zeit, denn der Mensch läßt sich nur eine kurze Zeit vertrösten und hält nicht viel von dem, was er bekommen soll, sondern nur von dem, was er hat. Es begann an verschiedenen Punkten zu schwelen, erst nur ein Funke, dann wurde dieser ein Feuer, das sehr bedrohlich und schließlich mit großem Blutverlust erstickt wurde. Doch unterirdisch schwelte es weiter. Nicht lange, da brannte es zum zweiten Male lichterloh und gefährdete Europa und die Welt. Es wurde hin und her debattiert. Die Welt wollte Frankreich nicht allein entscheiden lassen, weil es durch seine vielen Regierungsumstürze gar nicht in der Lage war, zu entscheiden. Es gab wieder einen Vergleich für ein paar Monate, um weiter überlegen zu können. Aber es kam nicht mehr dazu, denn Frankreich wurde durch ei-

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