Zeilen aus dem Jenseits

vorhanden. Aber – halt! – Da gibt es doch noch etwas. Der tote Vater hat etwas mit der noch lebenden Mutter zu klären. Er wartet auf sie, ist bereits in ihrer Nähe. Das bedeutet, der Heimgang der Mutter ist bereits eine beschlossene Situation aus der geistigen Welt. Jedoch sie will noch nicht, sie klammert sich an das Leben. Von Gerlinde weiß ich, dass es ihrer Mutter bereits nicht mehr gut geht, ihre Lebensqualität verschlechtert sich zusehends. Mit ihrem Starrsinn und ihrer ewig nörgelnden Art macht sie der Tochter das Leben zunehmend schwerer. Gerlinde ist oft verzweifelt und verunsichert, weil sie der Mutter nichts mehr recht machen kann. Heimhilfe, Krankenhilfe lehnt sie vehement ab, die Tochter wird mit ungerechtfertigten Vorwürfen überschüttet. Ich kenne ähnliche Situationen aus den Berichten meiner Klienten und ich weiß, dass hier auch der beste „Rat“ nichts hilft. Das sind Lebensumstände, die die gesunden Familienangehörigen unter schwersten Druck setzen. Nun gehört Gerlinde auch zu diesen „Opfern“ und sie sucht Rat bei ihrem Vater. Dieser bittet sie um Verständnis für die Mutter, um das Verstehen ihrer Situation – mehr kann er nicht tun. Seine Worte sind bereits ein großer Trost für die Tochter. Sie wird die Zähne zusammenbeißen und den Kopf hochhalten – komme, was da wolle. Zurzeit geht es Gerlinde gut. Die Angelegenheit mit der hinfälligen Mutter hat sie gut geregelt und im Augenblick ist Ruhe eingekehrt. Sie freut sie über einen neuerlichen Brief ihres Vaters. Sie lacht und erzählt mir ein wenig aus ihrer eigenen Vergangenheit. Aus ihren Worten spüre ich immer wieder die große Sehnsucht nach einem liebevollen Zuhause. Diese Sehnsucht zieht sich wie ein roter Faden durch ihr Leben. Sie ist jetzt glücklich, weil sie sich und ihr bereits gelebtes Leben besser versteht. Sie hofft, dass ihre Zukunft nun schön vor ihr liegt, denn ihr größter Wunsch ist endlich in Erfüllung gegangen. Sie hat eine neue Art „Lieblingsbeschäftigung“ entdeckt. Sie liest immer und immer wieder die Briefe ihres Vaters und stellt sich vor, wie es wohl gewesen wäre, wenn sie beide zusammengelebt hätten. Gerlinde träumt von einer Vergangenheit mit dem geliebten Vater: Ein wunderbares Erlebnis ohne bitteres Erwachen, ein Traum erfüllt mit Freude, Frieden, Liebe und Lachen. Gerlinde kann herzhaft lachen, wenn sie mir Teile ihres Traumes erzählt. Ja, sie kichert wie ein kleines Mädchen, das an der Hand des Vaters die Welt entdeckt. Ich freue mich mit ihr und bin unendlich dankbar, dass sie durch mich und mein Tun diesen Traum hat lebendig werden lassen können. Es ist doch ein gutes Gefühl, wenn man Schritte in der anderen Welt unternehmen kann. Oh ja, das ist

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