Der Mensch und seine Bindung an Gott

- 135 - bessere und glücklichere Menschen werden und sich Gott und Christus zuwenden, sollte sie dafür niemand tadeln. Welche Kirche ist schon imstande, die absolute Wahrheit zu bieten? Sicherlich keine. Dazu hat Menschenhand die Lehre Christi zu sehr gemäß dem jeweiligen Zeitverständnis und den politischen Erfordernissen abgewandelt. Ein Blick in die christliche Kirchengeschichte zeigt das deutlich. Für bedauerlich halte ich nur, daß die besprochenen und andere Gruppierungen durch die Leichtgläubigkeit und Spendenfreudigkeit ihre Anhänger auch an größere Geldbeträge gelangen, die dann in Grundstücken und geschäftlichen Unternehmungen angelegt werden. Das geschieht gelegentlich über Drittpersonen, um nach außen den Schein der Besitzlosigkeit zu wahren. Leider ist es so, daß dort, wo viel Geld zusammenkommt und die Kontrolle wegen der göttlichen Autorität gering ist, sich häufig auch Menschen finden, die für das Geld eine private Verwendung haben. Das war schon bei den Söhnen des Propheten Samuel so (1. Samuel 8,1), kommt bei den großen Kirchen vor, und gilt in starkem Maß für religiöse Sondergruppen. Ich habe einen sehr traurigen Fall von nahem miterlebt. Zum Schluß dieses Abschnittes ziehe ich die Folgerung, daß ich alle die sogenannten "Vatermedien", durch die sich "Gott" oder "Christus" persönlich kundgeben und die es schon im vorigen Jahrhundert reichlich gab, nicht für echte Propheten im biblischen Sinn halte. Es sind Medien, deren Geistführer vielleicht das Beste wollen, die aber nicht über höheres Wissen verfügen, sondern ihrer blühenden Phantasie freien Lauf lassen und sich damit wichtig tun wollen. Für Durchgaben, die möglicherweise aus höheren Jenseitsbereichen stammen und die zusätzliches Wissen vermitteln, halte ich lediglich die Mitteilungen, die der bereits mehrfach erwähnte Pfarrer Johannes Greber erhalten hat. Bei ihm wurden keine phantastisch-utopische Zukunftsbehauptungen aufgestellt, kein Weltuntergang vorausgesagt, keine Entrückung seiner Anhänger in Aussicht gestellt, dafür aber eine sachliche, ernsthafte und logisch folgerichtige Sprache geführt. Dabei werden Fragen beantwortet, auf die viele nachdenkliche Christen in den herkömmlichen Kirchen keine Antwort erhalten. Daher bilden diese Durchgaben für viele Menschen eine wertvolle Ergänzung ihres christlichen Glaubens, ohne daß gleich behauptet wird, Gott sei hier unmittelbar persönlich in Erscheinung getreten. Der Wißbegierige, der nicht alles auf sich beruhen läßt und den einfachsten Weg geht, sich irgendeiner Religion, Lehre oder Auffassung anzuschließen, die ihm am bequemsten erscheint, hat einen schwierigen und oft enttäuschenden Weg bei dem Verkehr mit der jenseitigen Welt vor sich. Wenn er die Wahrheit schon jetzt bruchstückweise erkennen will, muß er mühsam wie ein Archäologe Steinchen für Steinchen sammeln, immer wieder neu zusammensetzen, prüfen, wieder verwerfen, erneut graben, um dann vielleicht endlich neue, gesicherte Erkenntnisse zu gewinnen, aus denen sich ein halbwegs haltbares Gedanken-Gebäude konstruieren läßt. Der Jenseitsforscher muß versuchen, die vielen unterschiedlichen medialen Mitteilungen, deren Wahrheitsgehalt er nicht absolut prüfen kann, zwischen den Zeilen zu lesen, und muß immer wieder neue Prüfmethoden ersinnen. Er kann sich nicht blindergeben irgendeiner Heilslehre anschließen, um dabei vielleicht ins Verderben zu laufen. Er muß immer daran denken, daß dem Menschen nur sehr selten etwas in den Schoß geworfen wird, das meiste aber nur durch große Mühe zu erreichen ist.

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