Der Mensch und seine Bindung an Gott

- 196 - Wenn nun jemand sagt: "Das alles glaube ich nicht. Das sind menschliche Erfindungen und Täuschungen", so ist dem nicht zu helfen. Er muß dann zusehen, wie er durch das irdische und nachtodliche Leben kommt. Aber die anderen, die sich nicht nur oberflächlich, sondern intensiv mit den Erkenntnissen der Parapsychologie, sowie mit dem hier Dargebotenen und dem Fortleben nach dem Tode befassen, werden vielleicht erkennen, welche übergeordneten Prinzipien vielen Religionen zugrunde liegen. Sie werden dann nicht mehr jede Kleinigkeit einer kirchlichen Lehre wörtlich und wichtig nehmen und sich daran klammern, z. B. ob es nun sündhaft ist, die Hostie bei der Kommunion in die eigene Hand zu nehmen, anstatt sie sich durch den Priester in den Mund legen zu lassen. Dafür erlangen diese Suchenden eine tiefe innere Überzeugung der Grundwahrheiten des Christentums und dadurch vielleicht auch ein festes Verhältnis zu Gott. Sie können dann das Grundgebot des Christentums ernst nehmen: Liebe Gott über alle Dinge und deinen Nächsten wie dich selbst. Sicher können wir Gott nicht beweisen. Seine Existenz geht über unser Fassungsvermögen. Gelegentlich wird die Auffassung vertreten, daß Gottes Vorhandensein schon allein aus dem Bestehen unserer Erde und dem Leben darauf hervorgeht. Das alles muß doch einen Schöpfer haben; das kann nicht von allein entstanden sein! Aber wenn wir lediglich nach der Ursache fragen, wie wir Menschen das nur tun können, müssen wir sofort weiterfragen: Wer hat denn Gott erschaffen? Gibt es noch einen Übergott? Und wer hat den erschaffen? Auf diese Weise kommen wir nicht weiter. Für die Lösung dieser Frage ist unser Verstand offenbar nicht ausgerüstet. Ein Regenwurm versteht auch nichts von höherer Mathematik. Vielleicht ist unsere Erkenntnisfähigkeit zu den hier angeschnittenen Fragen vergleichbar derjenigen des Regenwurms zur Mathematik. Wir können Gott nicht unmittelbar betrachten, auch nicht im Fernsehen, und haben auch kein Photo von ihm. Es geht uns etwa wie den Bewohnern des russischen Reiches im vorletzten Jahrhundert. Ein Bauer im fernen Osten bekam den Zaren nie zu Gesicht. Er kannte auch kein Bild von ihm. Er hatte nur unmittelbare Verbindung zu seinen Boten und Unterboten, den Beamten und Offizieren. Die berichteten den Bauern vom Zaren, verkündeten seine Befehle und zogen Steuern für ihn ein. Nur hohe Beamte und Offiziere kannten den Zaren persönlich von Angesicht zu Angesicht. Die anderen mußten seine Existenz hinnehmen, an sie glauben, und die Befehle ausführen. Wenn sie es nicht taten, kamen sie ins Gefängnis oder in die Verbannung. Für die Juden zur Zeit Christi galt gleiches vom Kaiser in Rom. An dessen Existenz mußten sie auch glauben. So geht es uns heute in bezug auf Gott. Wir hören von ihm nur über die Propheten, über seinen Sohn Jesus Christus und durch gelegentliche Botschaften aus der jenseitigen Welt. Wir sind gehalten, diese Botschaften und die Befehle auf Echtheit und Glaubwürdigkeit zu prüfen, und können sie annehmen oder verwerfen. Bei letzterem müssen wir aber auch gewärtig sein, die Folgen dafür zu tragen, so, wie sie der aufbegehrende Bauer in Rußland auch tragen mußte. Der Inhalt dieses Buches soll für suchende Menschen eine geistige Brücke bauen zum Schreiten durch diese Welt und zum Hinübergehen in die jenseitige Welt. Wenn der Leser eine solche Brücke bereits hat, kann dieses Buch vielleicht als zusätzliches Geländer dienen, das den Gang etwas sicherer macht. Zur Tragfähigkeit dieser Brücke berichte ich ein Beispiel: Nach dem letzten Weltkrieg lernte ich in einem deutschen Lazarett einen ehemaligen Oberleutnant der Pioniertruppe kennen. Er erzählte mir folgende Begebenheit. Er hatte mit seiner Kompanie in Südrußland über einen großen Strom eine Kriegsbrücke gebaut. Bei einem späteren Rückzug der deutschen Truppen im Jahre 1944 wurde ihm der Auftrag zuteil, diese Brücke zu sprengen, wenn der letzte deutsche Soldat das östliche Ufer verlassen hatte. Als er an der Brücke stand, während die deutschen Kolonnen über sie hinwegzogen, trat ein Oberst an ihn heran und fragte ihn: "Sind Sie der Brückenkommandant hier, der nachher die Brücke sprengen soll?" "Jawohl, Herr Oberst."

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