- 60 - mir das mitteilte, sehr ruhig, während ich mich vorher gegen etwas Unbekanntes zu wehren versucht hatte. Als ich nun tot und doch nicht tot war, stand keiner um mich herum. Ich war ganz allein. Es war kein Verwandter zu sehen. In meinem jenseitigen Leib stand ich ziemlich betreten da und wußte gar nicht, was mit mir geschehen sollte. Meine Umgebung war neblig, was für mich aber nichts Neues war, da ich zu Lebzeiten oft im Nebel zur See gefahren war, wo wir tagelang nichts sehen konnten. So konnte ich auch jetzt nichts sehen und befand mich in einem schönen weißen Nebel, weißer, als ich ihn zu Lebzeiten gesehen hatte. In diesem Nebel ging ich ziellos für eine nicht bestimmbare Zeit umher. Es können Tage oder auch Monate gewesen sein. Eines "Tages" gelangte ich an den Rand eines finsteren Dorfes, wobei sich der Nebel lichtete. In diesem Dorf lebten 17 Verstorbene, wie ich einer war. Sie sprachen mich an und nahmen mich sehr freundlich auf, worüber ich überaus glücklich war, vor allem, weil ich jetzt wieder mit jemandem sprechen konnte. Ich hatte übrigens während der ganzen Zeit meiner Wanderschaft nie das Bedürfnis, wieder zur Erde zurückzukehren. Wir haben uns in dem Dorf dann über unsere jeweilige Vergangenheit und die Erlebnisse nach dem Sterben unterhalten. Bei allen war das Erwachen nach dem Tode ähnlich verlaufen wie bei mir. Auch die anderen irrten in einem weißen Nebel umher und landeten in diesem Dorf. Ich lebte hier schätzungsweise 35 Jahre. Es war rückblickend gesehen eine trostlose Zeit. Wir hatten keinerlei Beschäftigung und konnten uns nur ab und zu unterhalten. Hier erfolgte mit Heinrich eine lange Erörterung über die Zeitrechnung im Jenseits und den dortigen Zeitbegriff. Alle Zeitangaben sind ja sehr problematisch und mit großer Vorsicht zu genießen. Heinrich sagte, daß die Gruppe der jenseitigen Geistwesen, der er nun ebenfalls angehöre, sich unserer menschlichen Zeitrechnung mit Wochen und Jahren erst wieder angeschlossen habe, seitdem sie mit uns Menschen zusammenarbeite. Vorher hätte sie nicht in Jahren und Wochen gerechnet. - Heinrich fuhr dann fort: Heinrich: Während meiner Zeit in dem Dorf habe ich nie gebetet. Es gab dort auch kein Gespräch über Gott. Es trat aber auch die andere Seite, die ich erst später kennenlernte, nicht in Erscheinung. Es war ein In-den-Tag-Hineinleben. Nach 35 Jahren verspürte ich einen inneren Drang, das Dorf zu verlassen, und ging einfach weg. Auf die gleiche Weise waren schon vor mir und sind später auch nach mir Geistwesen aus diesem Dorf fortgegangen, einfach aus innerem Zwang heraus, und ohne Abschied zu nehmen. Auf meiner Wanderschaft von diesem Dorf weg mußte ich nicht wieder durch eine neblige, sondern jetzt schon farbige Gegend ziehen. Nach einer gewissen Zeit traf ich sechs Geistwesen, die mich ansprachen und mir sagten, daß sie wüßten, woher ich käme und daß sie die Aufgabe hätten, mich zu begrüßen. Gleiches machten sie auch bei den anderen Bewohnern des Dorfes, wenn sie es verließen. Das sagten sie mir und fragten mich zugleich, ob ich ihnen bei dieser Aufgabe nicht helfen wollte. Es stellte sich heraus, daß es das Ziel war, weitere Gruppen zu bilden, die andere Geistwesen zu empfangen hatten. Ich lebte von nun an in einer Gemeinschaft, die in zwei gebäudeartigen Behausungen wohnte. Die neue Tätigkeit, zu der ich mich bereiterklärt hatt, übte schätzungsweise 53 Jahre aus. Nach meinem vorher langweiligen Leben war das jetzt eine abwechlungsreiche Tätigkeit, da ich fast ständig Gelegenheit hatte, mit neuen Geistwesen zu sprechen. Die kamen alle aus solchen Dörfern, ähnlich dem, in dem ich auch gelebt hatte. Sie wurden in Gruppen zusammengeführt und mit ihnen neue kleine Dörfer in räumlichen Abständen gegründet. Die Bewohner konnten sich aber gegenseitig besuchen. Nach den etwa 53 Jahren kam zu uns ein bis dahin unbekanntes Geistwesen, das sehr bestimmt und wissend auftrat. Es berichtete uns, daß es viele andere große Dörfer gäbe, die viel farbiger seien als unser kleines Dorf, wo man auch Blumen und sogar die Sonne sehen könne und wo ein abwechslungsreiches Leben herrsche. Das Geistwesen fragte uns, ob einzelne bereit wären, mit ihm in ein solches Dorf zu gehen. Ich erklärte gleich meine Zustimmung, zumal mir meine bisherige Tätigkeit mittlerweile doch eintönig geworden war. Ich begleitete daher das Geistwesen und gelangte mit ihm in eine ansehnliche Stadt. Es herrschte dort eine gelöste Stimmung, doch gab es in dieser Stadt, wie auch in allen Dörfern, die ich vorher gesehen hatte, kein Gebäude, in dem man hätte beten können, also keine Kirche, wie ich es doch aus Lebzeiten her von jedem Dorf kannte. Da es mir in dieser Stadt nicht schlecht ging, habe ich das Gebet dort nicht vermißt. Früher auf Erden hatte ich ja nur gebetet, wenn es mir schlecht ging, was jetzt aber nicht der Fall war. Nach einigen Wochen wurde ich von einigen Geistwesen sehr freundlich angesprochen. Sie erzählten mir, daß es in dieser Stadt andere Geistwesen gäbe, die Streit suchten, welche die Eintracht in der Stadt nicht duldeten und widerspenstig seien. Sie fragten mich, ob ich nicht bereit sei mitzuhel-
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