– 111 – niemand besser als sie in der Lage, sich über das vorliegende Beweismaterial ein gültiges Urteil zu bilden." Für das englische Wort "Cross-Correspondences" ist im Deutschen die Bezeichnung "Kreuzkorrespondenzen" üblich. Dieses Wort kann missdeutet werden, da man im Deutschen unter "Korrespondenz" gewöhnlich "Briefwechsel" versteht. Das ist hier aber nicht gemeint, denn das englische Wort "correspondence" bedeutet in zweiter Linie zwar auch "Schriftverkehr, Briefwechsel", in erster Linie aber "Übereinstimmung, Entsprechung". Und letzteres ist hier gemeint. Unter "Cross-Correspondence" ist also auf deutsch "Quer-Entsprechung" zu verstehen, das Entsprechen oder Aufeinander-Bezugnehmen von medialen Durchgaben verschiedener Medien. Sie sind in ihrem Ablauf sehr verwickelt, erst nach einer gewissen Zeit erkennbar und nun sehr zeitraubend und umständlich darstellbar. Sie füllen mehrere Bände von fast 2000 Seiten der Proceedings of the Society for Psychical Research aus den Jahren 1906–1912. Um dem Leser einen kleinen Eindruck von der Art der Übermittlungen zu geben, sollen hier zwei Beispiele folgen. Das erste stammt aus der Anfangszeit, aus dem Jahre 1904, wird von der Untersuchungsbeamtin der S.P.R. Miss Alice Johnson berichtet (44) und bezieht sich auf den Empfang einer medialen Durchgabe mittels "automatischer Schrift" an das damals in Indien lebende englische Medium Mrs. Holland. Diese hatte erstmals 1893 (44, S. 171) "automatisch" geschrieben, diese Praxis aber mehrfach für Monate und Jahre unterbrochen. An sie wurden oft Briefe von ihr unbekannten Verstorbenen "durchgegeben", die an deren irdische Verwandte und Freunde gerichtet waren. Den ersten Brief dieser Art hat sie jedoch nicht an den Empfänger weitergeleitet, sondern vernichtet (44, S. 173). Dafür bekam Mrs. Holland quälendes Kopfweh. Der Brief wurde dann wiederholt, und sie musste ihn abliefern. Derartige Durchgaben kamen für sie ungewollt und unerwartet. Ihre Aufmerksamkeit wurde immer durch starkes Kopfweh erregt. Es verschwand erst, wenn sie die Mitteilung an den ihr meist unbekannten Empfänger abgeliefert hatte. Zum Auftakt der "Kreuzkorrespondenzen" erhielt Mrs. Holland am 2. Februar 1904 eine Durchgabe in gemischt lateinisch–griechischer Schrift. Darin sind einige Ausdrücke nicht ganz korrekt zu Papier gebracht worden. Einzelne Buchstaben sind verändert oder fehlen, gewisse Worte wurden nicht richtig gebildet. Dabei ist zu bedenken, dass das Medium die benutzte Sprache nicht gelernt hatte und der jenseitige Durchgebende möglicherweise Schwierigkeiten hatte, seinen Text durch das Medium hindurchzuleiten. Zu diesem Punkt äußert sich der am 17. Jan. 1901 verstorbene Altphilologe Prof. Frederic W. H. Myers am 26. Nov. 1903 durch die Hand von Mrs. Holland folgendermaßen (44, S. 230): "Den treffendsten Vergleich, den ich finden kann, um die Schwierigkeiten bei der Übermittlung einer Botschaft auszudrücken, ist, dass ich hinter einem gefrorenen Glas zu stehen scheine – das die Sicht versperrt und die Geräusche dämpft – und dass ich mit schwacher Stimme einer widerstrebenden und etwas beschränkten Sekretärin diktiere. Ein Gefühl schrecklichen Nichtkönnens belastet mich – ich bin machtlos zu sagen, was soviel bedeutet – ich kann mit denen nicht in Verbindung treten, die mich verstehen und mir glauben würden." Am 2. Febr. 1904 erhielt nun Mrs. Holland folgende "automatische" Mitteilung, deren vermutlicher Urheber F.W.H. Myers ist (44, S. 227): Cum desidero non possum tibi exprimere quae dicere velim. Jedes Mal, wenn ich es wünsche, kann ich dir nicht deutlich wiedergeben, was ich sagen möchte. Erwarte das Krachen. Alsdann wirst du
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