– 122 – dann der sprachkundige Liszt übersetzen. Ihm gegenüber beklagte Mrs. Brown auch einmal ihre mangelhafte musikalische Ausbildung. Sie schreibt (17, S. 61): "Wenn man mich schon als Mittlerin auserkoren und für diese Aufgabe vorgesehen hat, fragte ich Liszt, warum hat man mich dann nicht in einer Familie auf die Welt kommen lassen, in der ich eine bessere Musikerziehung bekommen hätte? 'Du hast für unsere Zwecke genügend Ausbildung', sagte er. 'Wenn du eine wirklich umfassende musikalische Ausbildung erhalten hättest, dann würde uns dies überhaupt nichts nützen. Eine umfassende Musikausbildung hätte es dir erstens noch schwerer gemacht zu beweisen, dass du unsere Musik nicht selbst komponieren konntest. Zweitens hättest du aufgrund eines gründlichen Musikverständnisses eigene Gedanken und Theorien entwickeln können, und dies wäre wiederum uns hinderlich gewesen.' Er hob auch hervor, dass ein voll ausgebildeter Musiker wahrscheinlich viel zu sehr mit seiner Berufskarriere beschäftigt und kaum bereit sein würde, seine Zeit für die Zusammenarbeit mit körperlosen Komponisten zu verwenden. Ich meinte, vielleicht ein wenig ärgerlich, dass man mein Leben wohl ein wenig hätte erleichtern können, wenn man schon Pläne mit mir hatte. Mein Leben sei so schwer gewesen, dass es mich gebrochen habe, was sicherlich der Arbeit nicht förderlich sei. 'Ich weiß, es gibt Leute, die viel mehr als ich gelitten haben', sagte ich zu ihm, 'aber für meinen Bedarf war das mehr als reichlich. War das wirklich notwendig?' Er blickte mich mit seinen hellen blauen Augen an und sagte: 'Ehe du geboren wurdest und als du dich einverstanden erklärtest, unsere Mittlerin zu werden, hast du dich auch bereit erklärt, ein gewisses Maß an Leiden auf dich zu nehmen, um dadurch sensibler zu werden. Die Leiden, die du hast ertragen müssen, fördern das Wirken deiner Kräfte. Menschen, die ein leichtes und angenehmes Leben führen, sind nicht genügend sensibel, um leicht mit uns in Kontakt zu kommen.' Ich muss wohl nicht sehr überzeugt ausgesehen haben, denn er setzte mit gütiger Stimme fort: 'Dein Leben ist nicht leicht gewesen. Du leidest seelisch, weil es dir so vorbestimmt wurde. Es ist auch vorbestimmt, dass du lernen wirst, deine Sorgen zu beherrschen und zu überwinden, was immer dir auch widerfahren mag. Die Fähigkeit und die Willenskraft, dies zu erreichen, gibt dir die Festigkeit, die wir brauchen, um durch dich wirken zu können.' Ich dachte noch lange darüber nach und kam zu der Einsicht, dass alles, was mir im Leben schiefgegangen ist, meine Bereitschaft verstärkt hat, auch das Schlimmste gelassen hinzunehmen, obwohl ich schon von Natur aus ein ruhiger Mensch bin. Ich kämpfe kaum gegen Dinge an, wenn es sich nur um persönliche Probleme handelt, und es ist wohl meine passive Einstellung, die mich zu einem brauchbaren Medium macht." Als Beweggrund, warum die verstorbenen Komponisten uns Menschen hier auf dieser Erde ihr Fortleben beweisen wollen, gab Liszt Rosemary Brown gegenüber folgendes an (17, S. 129): "'Das Leben auf eurer Erde ist etwa so wie ein Kindergarten. Wenn Menschen sterben und es so aussieht, als hätten sie ihr Leben vergeudet, haben sie noch immer die Chance, das Versäumte nachzuholen. Der Grund für unsere Zusammenarbeit mit dir ist ja ein Versuch, den Menschen zu dieser Erkenntnis zu verhelfen und damit Hoffnung zu geben. Euer Erdenleben
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3