– 123 – würde glücklicher werden, wenn die Menschen wüssten, dass es nur eine Vorstufe zu einem schöneren Leben nach dem Tod ist.' Die Hölle, meint Liszt, macht sich jeder selbst. 'Wenn Menschen in ihrem Leben absichtlich zersetzend wirkten oder wenn sie durch Teilnahmslosigkeit oder bewusste Taten anderen Leid zugefügt haben, dann werden sie damit konfrontiert, sobald sie auf unsere Ebene gelangen. Die Stimme ihres Gewissens kann dann nicht mehr unterdrückt werden, denn dann steht nichts mehr zwischen ihnen und ihrem Gewissen, wie das auf Erden der Fall ist.' Er sagte, auf Erden können sich die Menschen weigern, auf ihr Gewissen zu hören, aber in der anderen Welt ist es unmöglich, diese Gedanken zu unterdrücken, und das kann natürlich der Hölle gleichkommen. Die Menschen beginnen schließlich zu bereuen und wünschen, dass sie sich anders verhalten hätten. Wenn sie aber durch diese Gefühle veranlasst werden, die Fehler der Vergangenheit zu überwinden, sie wieder gutzumachen und jenen Menschen zu helfen, denen sie geschadet haben, dann kann diese Reue schließlich doch noch zur Glückseligkeit führen. Eines der wunderbarsten Dinge, die mir Liszt erzählt hat, ist dies: Wenn wir sterben, um im Jenseits unser neues Leben zu beginnen, dann werden wir dort stets von anderen empfangen, so dass wir nicht allein und ängstlich sein müssen. Gewöhnlich werden wir von unseren eigenen lieben Verwandten und engen Freunden begrüßt, die uns mit allem vertraut machen, bis wir uns eingewöhnt haben und verstehen, wo wir sind. Ich meine, das ist wunderbar. Schließlich fürchten sich viele von uns vor dem 'großen Unbekannten', aber sobald wir wissen und glauben, dass jeder einzelne von vertrauten und lieben Wesen erwartet wird, kann die Furcht von uns fallen." Die Entstehung und der Verlauf zweier musikalischer Durchgaben an Rosemary Brown soll genauer geschildert werden. Im Jahre 1969 trat das Dritte Programm der Londoner BBC an Mrs. Brown mit der Frage heran, ob sie wohl bereit sei, bei einer Dokumentarsendung über ihre Arbeit mitzuwirken. Sie zögerte zunächst, weil sie befürchtete, dass man es darauf abgesehen haben könnte, sie lächerlich zu machen. Aber als sie Liszt fragte, was sie tun solle, riet er ihr: "Du musst das machen. Auf so etwas haben wir alle schon lange gewartet. Es wird uns einen Schritt weiterbringen." Mrs. Brown willigte also ein und erlebte, dass das Thema mit großem Takt behandelt wurde. Im Verlauf der Aufnahmen wurde sie auch gefragt, ob sie bereit oder imstande sei, während der Sendung mit einem der Komponisten in Verbindung zu treten. Mrs. Brown war über diesen Vorschlag zuerst erschrocken, weil es Tage gibt, an denen überhaupt keine Verbindung zu den verstorbenen Komponisten erfolgt. Sie willigte aber doch ein und berichtet (17, S. 104): "'Ich will es versuchen', sagte ich, 'aber ich kann nichts garantieren. Es ist möglich, dass überhaupt nichts geschieht. Ich kann es nur versuchen.' Die Leute von der BBC waren damit einverstanden, und so fuhren wir alle miteinander nach Balham, Geoffrey Skelton und Daniel Showman, die die Sendung gestalteten, sowie der Tonmeister mit seinen Aufnahmegeräten. Wir versammelten uns in dem Zimmer, wo ich arbeite. Ich brachte Tee und wartete, ob etwas geschehen würde. Schon nach wenigen Minuten erschien Liszt, verlässlich wie immer. Er sah sehr ruhig und gefasst aus und sagte in seiner ein wenig viktorianisch und pedantisch wirkenden Art, er wolle versuchen, mir ein neues Musikstück zu übermitteln.
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