– 127 – Kerry Woodward (23). Während seiner Anwesenheit erschien vor dem geistigen Auge von Mrs. Brown ein ihr unbekanntes Wesen, das sich als Viktor Ullmann vorstellte und auf einen Stoß zerlesener Musikpartituren zeigte, die er in der Hand hielt. Zugleich mit diesem Wesen erschien Franz Liszt im Hintergrund, da er dolmetschen musste. Dieser Ullmann sprach nämlich nur deutsch, das Mrs. Brown nicht verstand. Er erklärte, dass er ein Komponist und Dirigent gewesen und 1898 in Teschen (Ostoberschlesien) geboren worden sei. Im zweiten Weltkrieg sei er als Jude in das Konzentrationslager Theresienstadt eingeliefert worden. Dort habe er 1943 eine Oper komponiert mit dem Titel "Der Kaiser von Atlantis oder: Die Verweigerung". Das Libretto zu dieser Oper habe der ebenfalls in Theresienstadt inhaftierte Schriftsteller Peter Kien (geb. 1919) verfasst. Partitur und Libretto wurden auf die Rückseite von Formularen der SS geschrieben. Die Oper sei 1944 in Prinzip von ihm fertiggestellt worden. Auch die Proben für die Aufführung durch das Lagertheater hätten bereits begonnen gehabt. Doch sei es zu keiner regulären Aufführung mehr gekommen, da er und Peter Kien im September 1944 in das Konzentrationslager Auschwitz transportiert und dort vergast worden seien. Die meisten Insassen von Theresienstadt wurden dort umgebracht. Das Manuskript der Oper, so sagte Ullmann, sei aber nicht untergegangen oder vernichtet, sondern befinde sich bei einem Dr. Adler in London. Woodward kenne ihn ja (seit 1974) und möge sich des Manuskriptes annehmen. Er, Ullmann, habe im Jenseits eine Vielzahl von Korrekturen, Änderungen und Ergänzungen ausgearbeitet, so dass die Oper eigentlich erst jetzt aufführungsreif geworden sei. Diese Änderungen wolle er durch Mrs. Brown medial durchgeben. Es stellte sich heraus, dass Dr. Adler ein Mithäftling von Ullmann und Kien in Theresienstadt gewesen war. Er überlebte jedoch und konnte noch vor Kriegsende das Manuskript aus dem Lager schmuggeln und es nach dem Kriege mit sich nach London nehmen. Mrs. Brown bekam dann von Ullmann bei sprachlicher Übersetzungshilfe von Franz Liszt in vier Sitzungen zu je etwa zwei Stunden eine Vielzahl von Änderungen diktiert mit genauer Seiten– und Taktangabe der Originalpartitur. Dabei lag Mrs. Brown die Originalpartitur aber nicht vor. Auch Kerry Woodward war nicht zugegen. Die Anzahl der Änderungen belief sich auf schätzungsweise fünfzig. Woodward übernahm alle diese Änderungsmitteilungen und fügte sie in das Originalmanuskript ein. Die Oper ist seitdem einige Male unter Leitung von Kerry Woodward in England und am 22. 11. 1978 im Ersten Deutschen Fernseh-Programm aufgeführt worden. Die Ergänzung dieses verbesserungsbedürftigen und für die Allgemeinheit völlig unbekannten Opernmanuskriptes auf medialem Wege stellt ein weiteres wichtiges Indiz für den nachtodlichen Fortbestand eines menschlichen Wesens dar. Diesen Fall allein durch Telepathie oder andere außersinnliche Wahrnehmung erklären zu wollen, erscheint hier als wesentlich verwickelter und damit unwahrscheinlicher. Rosemary Brown ist, wie alle Medien, natürlich erheblicher Kritik ausgesetzt. Nun kann man zwar die Musik nicht als Täuschung erklären, denn sie ist ja für jedermann vorzeigbar. Aber die jenseitige Quelle wird angezweifelt. Dazu äußert sich Mrs. Brown folgendermaßen (17, S. 45)
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