Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 130 – Es ist so, als wollte ich über einen alltäglichen Durchschnittsmenschen sprechen, den ich bloß von einem fahrenden Bus aus gesehen habe. Die Antwort auf die Frage 'Warum gerade Sie?' ist etwas verwickelter, aber Liszt hat mir das erklärt. Ich legte ihm dieselbe Frage vor – 'Warum gerade ich?' –, und er sagte: 'Weil du dafür bereit warst, und zwar schon lange, ehe du geboren wurdest.' Zunächst war ich verblüfft, aber nachdem ich über das Gesagte nachgedacht hatte, sagte ich mir: Wenn man an ein Leben nach dem Tode glauben kann, warum sollte man da nicht auch an ein Leben vor der Geburt glauben? Liszt sagte: 'Du hast dich in einer anderen Form deiner Existenz bereit erklärt, als Bindeglied zwischen uns und der Welt zu dienen.' Das sind natürlich Dinge, die man niemals wird beweisen können, aber wenn ich zurückblicke, dann kommt es mir vor, als wäre mein ganzes Leben nur eine Vorbereitung für das gewesen, was mir in den letzten Jahren widerfahren ist, und dass mich jedes Stück meines Lebenswegs der Entwicklung meiner Fähigkeit nähergebracht hat, diese Musik niederzuschreiben." Die mediale Durchgabe dichterischer Werke Nicht nur Werke der Tonkunst können durch medial veranlagte Menschen empfangen und ihrer Umgebung mitgeteilt werden, sondern auch bei Werken der Dichtkunst ist das möglich. Bei dem Beispiel, welches nun behandelt werden soll, war das Medium schriftstellerisch völlig unbegabt, verfügte nur über einfachste Bildung und lieferte trotzdem hochstehende literarische Werke. Das erfolgte außerdem in einer Sprachform, die es zuvor nie gehört und demzufolge auch nie gelernt hatte. Es handelt sich um eine Amerikanerin namens Pearl Leonore Curran, geb. Pollard aus St. Louis im Staate Missouri (Bild 16). Sie wurde am 15. Februar 1883 als Kind britischer Eltern im Mound City im Staate Illinois geboren (70, S. 11). Ihr Vater George Pollard war Angestellter verschiedener Eisenbahngesellschaften und zeitweise auch bei einer Tageszeitung beschäftigt gewesen. Mrs. Curran war ein durchschnittlich begabtes Kind. Nach einer oberflächlichen Ausbildung verließ sie die Schule als Vierzehnjährige. Mit 31 Jahren, zu einer Zeit, als ihre medialen, dichterischen Durchgaben schon in vollem Fluss waren, hatte sie die Staaten des Mittelwestens noch nie verlassen und noch nie das Meer gesehen. Sie besaß nur eine sehr beschränkte Allgemeinbildung und sprach lediglich das amerikanische Slang–Englisch der örtlichen Umgebung. Diese Tatsachen hat der Executive Research Officer der Boston Society for Psychic Research Dr. Walter Franklin Prince äußerst genau nachgeprüft, als Mrs. Curran durch ihre mediale literarische "Produktion" sehr bekannt und berühmt geworden war. Im Februar 1926 veranstaltete er mit ihr eine ausführliche Befragung (70, S. 15) über den Stand dessen, was sie bislang an Gedichten und Schriftstellern gelesen und gelernt hatte und was sie sonst an geschichtlichen Kenntnissen aufweisen konnte. Es war nicht viel und wird von Dr. Prince einzeln aufgeführt. Auch enge Freunde und Verwandte wurden von Dr. Prince als Zeugen vernommen (70, S. 21). Sie alle bestätigen, dass Mrs. Curran keine nennenswerten literarischen Vorkenntnisse und Interessen gehabt hatte und dass sie auch nicht religiös eingestellt war. Sie gehörte zwar formal der Episkopalkirche an, nahm aber an Gottesdiensten höchst selten teil und las nicht in der Bibel. Auch ihre Eltern gingen nicht zur Kirche. Mrs. Curran war ausschließlich den Dingen des täglichen Lebens zugewandt. Zeitweise hatte sie den Wunsch gehabt, Sängerin zu werden.

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