– 139 – Hier muss ich eine Bemerkung einschieben. Einige meiner Leser werden vielleicht denken: 'In einer solchen Begebenheit hast du den Beweis, dass ihr mit bösen Geistern oder Teufeln in Verbindung gewesen seid.' Aber ich bin ganz anderer Meinung. Im Grunde bekommt man eine ganz falsche Vorstellung von dieser Art Phänomene, wenn das, was die Intelligenzen erzählen, aus dem Bericht weggelassen wird. Deshalb finde ich, dass ich in aller Kürze mitteilen muss, was die Friedensstörer selbst sagten, teils was die Kontrollen uns von ihnen erzählten. Einer von ihnen wurde der Kapitän genannt, denn er war – nach dem, was sie meinten – Führer eines Fischkutters gewesen und vor kurzem mit der ganzen Besatzung beim Untergang des Schiffes umgekommen. Nach dem, was sie uns erklärten, waren sie ins Boot gekommen und hatten sich mit Branntwein gestärkt. Nach langem Kampf mit dem furchtbaren Wetter waren sie doch in der Brandung dicht am Land umgekommen. Derjenige von Indridasons Kontrollen, der am deutlichsten Bescheid gab, behauptete, dass sie sowohl böse wie betrunken gewesen seien, und in diesem Zustand waren sie ertrunken. Und er fügte hinzu, dass es gefährlich wäre, direkt vor dem Übergang ins Jenseits in diesem Zustand zu sein. Ein solcher Gemütszustand würde unvermeidlich eine Weile auf der anderen Seite fortdauern, und er glaubte, sie wären auch nicht ganz über die Situation orientiert. Nach einiger Zeit hörten alle Unruhen auf. Und eines Abends manifestierten diese Intelligenzen sich außerhalb des Mediums nochmals als direkte Stimmen. Nun waren sie vollkommen ruhig und baten uns um Verzeihung für das, was sie getan hatten. Und der Kapitän fügte hinzu: 'Wir wussten tatsächlich nicht, was wir taten, wir waren wie im Rausch.' Der skeptische Arzt, der nun Professor an der Universität Reykjavik ist, wurde im Laufe des Winters von der Realität der Phänomene vollständig überzeugt und meldete sich bei unserer Gesellschaft98 an. Im Jahre darauf schrieb er eine Reihe von Artikeln in einem der Blätter über seine Untersuchungen und bringt darin die Erklärung, dass, obwohl er bei jeder Sitzung den ganzen Winter über versucht hätte, Betrug oder Tricks zu entdecken, er doch nie einen solchen hätte finden können. Dagegen war er davon überzeugt worden, dass die Phänomene echt waren. Und er ist noch derselben Meinung. Ehe ich Island diesmal verließ, hatte ich ein Gespräch mit ihm, und u. a. erklärte er: 'Du kannst als meine feste Überzeugung erzählen, dass die Phänomene unzweifelhafte Tatsachen sind.'" Die Versuche mit Indridi Indridason fanden ihr Ende, als er im Juni 1909 an Typhus erkrankte, später außerdem Lungentuberkulose bekam und daran im Sommer 1912 starb. Schlussfolgerungen aus dem Erfahrungsmaterial Welche Schlüsse lassen sich nun aus dem vorgetragenen und dem zahlreichen sonstigen in der Literatur berichteten Erfahrungsmaterial ziehen, wenn man es als wahr annimmt? Die Informationen einzelner Verstorbener bestehen offenbar weiter, aber nicht "leblos" wie in einem Buch abgedruckt, sondern kommunikations- und aufnahmefähig mit allen Merkmalen der früheren Persönlichkeit. Nach Definition im physikalisch–nachrichtentechnischen Sinn ist das dann Fortleben, ganz gleich, wo man die Fortexistenz annimmt. Diese Auffassung ist unter dem Namen "Spiritistische Hypothese" oder "Spiritistische Theorie" bekannt geworden. Manch einen mag eine solch einfache Beweisführung nicht überzeugen. Hier werden ja auch keine mathematischen Beweise vorgelegt, sondern nur sog. Erfahrungsbeweise, wie sie im täglichen Leben und auch vor Gericht als Indizienbeweise ständig verwendet werden. Viele Menschen 98 Gemeint ist die Gesellschaft für Psychische Forschung auf Island.
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