Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 143 – Dazu muss man sagen, dass es reine Willkür ist, die spiritistische Hypothese, die in sich folgerichtig und schlüssig ist und sich auf gewichtige Indizien stützt, einfach aus der Wissenschaft auszuschließen. Ein solches Vorgehen vereinfacht aber das Verfahren, weil man dann die Erfahrungsbeweise, die für die spiritistische Hypothese sprechen, nicht mehr ernsthaft zu erörtern braucht. Der bekannteste Vertreter der animistischen Auffassung im deutschsprachigen Raum war der verstorbene Freiburger Psychologe und Parapsychologe Prof. Hans Bender (1907-1991). Er schreibt (9, S. 96): "Der Streit zwischen 'Animismus' und 'Spiritismus' – Rückführung der Phänomene auf Fähigkeiten Lebender contra Verbindung mit Jenseitigen – wird seit bald hundert Jahren unter dem genannten Stichwort ausgetragen. Das Bemühen um Vorurteilslosigkeit gebietet zuzugeben, dass der Unbeweisbarkeit der spiritistischen Hypothese auch die Unbeweisbarkeit gegenübersteht, dass sie nicht richtig sein kann. Nach allem, was die Parapsychologie bisher erarbeitet hat, ist aber die animistische Deutung viel näherliegender und wahrscheinlicher, doch ist andererseits die Unrichtigkeit der spiritistischen Hypothese nicht zwingend beweisbar." Die Ansichten darüber, was wahrscheinlicher ist, gehen unter Fachleuten sehr auseinander. Der katholische Theologe Prof. Gebhard Frei, Mitbegründer und erster Präsident von IMAGO MUNDI, stellt jedenfalls fest (30, S. 104): "Das Resultat der bisherigen Überlegungen ist, dass sicher der weitaus größere Teil derer, die sich überhaupt ernstlich und eingehend mit parapsychologischen Fragen beschäftigt haben, oft nach langem Ringen, zum Schluss kamen, eine gewisse Summe von Phänomenen könne nur durch das Hereinwirken Jenseitiger erklärt werden. Also könne die Parapsychologie empirisch das Überleben des Todes, was begrifflich mit 'Unsterblichkeit' im strengeren Sinne noch nicht identisch ist, beweisen". In ähnlicher Weise äußert sich der britische Physiker George Tyrrell (1879–1952), der von 1944–46 Präsident der Society for Psychical Research war. Er schreibt (90, S. 228): "Alles läuft darauf hinaus, dass die parapsychischen Phänomene sehr dafür sprechen, dass es Kommunikationen mit Verstorbenen wirklich gibt. Natürlich ist es möglich, diese Schlussfolgerung zu umgehen, aber nur, wenn man eine noch ungewöhnlichere Hypothese einführt. Die Tatsachen sind ganz klar. Man kann sich ihrer nicht entledigen, indem man sich schweigend darüber hinwegsetzt, seinen Blick abwendet oder verfälschend darüber berichtet. Früher oder später wird man sich mit ihnen auseinandersetzen müssen." Prof. Bender hält solchen Auffassungen entgegen (8, S. 8): "Persönlich möchte ich bemerken, dass ich durchaus bereit bin, mich von einem zwingenden Beweis überzeugen zu lassen und keine Vorurteile gegen die Hypothese des Überlebens habe. Doch fühle ich mich als Wissenschaftler an den alten scholastischen Grundsatz verpflichtet 'Entia non sunt numeranda praeter necessitatem' – Prinzipien sollen nicht über das notwendige Maß hinaus erweitert werden. Auf die Kontroverse Animismus – Spiritismus angewandt, heißt das: Wir machen als Parapsychologen bei spontanen Phänomenen und im Laboratorium ständig die Erfahrung von den Raum und die Zeit transzendierenden Fähigkeiten der leibgebundenen Psyche. Wir verfügen aber über keine unmittelbare Erfahrung, dass die Psyche als personale Entität leibfrei existieren kann." Ebenso sagt Bender (22, S. 186):

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3