– 22 – Loose hätte ihm eben mitgeteilt, dass er auf diese Weise gekleidet sei, zugleich aber, er sei den ganzen Tag zu Hause gewesen. Nun war es an Cousins, verblüfft zu sein. Er erinnerte sich nun, dass er den Mann gar nicht hereinkommen gesehen hatte, als er aufsah, stand er auf einmal da, er sprach langsam, als falle es ihm schwer, wie jemand, der fürchtet, sein Gebiss zu verlieren! Seine Worten waren: "Sagen – Sie – Herrn – Sherman – Mr. Loose – erwarte – ihn – am – Sonntag –." Er fragte noch, ob der Portier alles richtig verstanden habe. Eine Dame, die dabei zugegen war, sagte nachher, es sei ein sonderbarer Mann gewesen. (Sie hatte ihn also auch gesehen!) Er verschwand dann, ohne dass der Portier wie sonst die sich entfernenden Schritte und das Öffnen und Schließen der Eingangstüre gehört hätte. "Wenn das nicht Herr Loose war", schloss der erstaunte Cousins, "wer war es dann?" Sherman rief Loose abermals an und berichtete ihm das Ganze. Nun schien Loose etwas bestürzt, er bat Sherman, die Sache dem Portier gegenüber auf sich beruhen zu lassen und versprach, sie am kommenden Sonntag aufzuklären. Anlässlich seines Besuches vertraute er dann Sherman an, dass er die Fähigkeit besitze, seinen Körper zu verlassen, und zwar absichtlich, voll bewusst und mit völliger Erinnerung an das Erlebte bei der Rückkehr. Er pflege auf diese Weise einige ihm nahestehende Personen zu "besuchen", nach vorheriger telepathischer Vereinbarung, so dass er erwartet werde. Seine Frau passe inzwischen auf seinen Körper im Schlafzimmer auf, da es einen Nervenschock auslösen könnte, wenn er unzeitig geweckt werde. Frau Loose pflege, wenn Besuche kämen, zu sagen, ihr Mann habe sich niedergelegt und dürfe nicht gestört werden. Ein Freund von Loose, John Carlos, ein katholischer Geistlicher in Südamerika (Loose selbst war nicht Katholik, doch sei das von der Konfession unabhängig), pflege seinerseits Loose auch auf diese Weise zu besuchen, es geschehe dies meist auf einer bestimmten stillen Gartenbank. Sollte jemand zufällig vorbeigehen, würde er wohl kaum merken, dass es sich nicht um einen Menschen in seiner fleischlichen Körperlichkeit (in the flesh) handle. Was Loose nun beunruhigte, war, dass er diese Fälle von Ausscheiden des Doppelgängers immer voll bewusst und absichtlich vollzogen hatte, im vorliegenden Fall aber nichts davon merkte. Er war offenbar eingenickt, nachdem er kurz vorher an Sherman und sein freundliches Geschenk gedacht und sich auf seinen bevorstehenden Besuch am Sonntag gefreut hatte. Wie lange er geschlafen hatte, wusste er nicht, vielleicht war der Schlaf in Bewusstlosigkeit übergegangen, und ein Teil seiner selbst hatte sich selbständig gemacht. Seine Tochter und ihre Familie hatten sich nach dem Essen verabschiedet, seine Frau und deren Schwester hatten sich zu einem Mittagsschläfchen zurückgezogen, während er selbst über ein Buch gebeugt, das er lesen wollte, in dem Zimmer am Eingang saß (die Tochter sah ihn, als sie wegfuhr, noch kurz nach 13.30 Uhr). Frau Loose und ihre Schwester wurden kurz vor 14.30 Uhr durch den Schlafzimmerwecker (der etwas vorging) aufgescheucht und begaben sich nach kurzer Unterhaltung wieder in das Vorzimmer, wo sie Herrn Loose über sein Buch gebeugt vorfanden. (Frau R.A. Burkhart, geborene Loose, ihr Mann, Frau Emily H. Loose und ihre Schwester Dorothy Hesse, bestätigten dies alles an Eides Statt in einer Erklärung vom 20. Dezember 1941). Sein unbewusst sich ablösendes Selbst wusste offenbar, dass Sherman nicht zu Hause war, da "es" gar nicht nach ihm fragte, sondern nur die Botschaft hinterließ. Loose wollte sich nun versichern, dass der Portier Cousins ihn wirklich gesehen habe. Am folgenden Dienstag fuhr er nach vorheriger Vereinbarung nach Hollywood, wo er Sherman traf. Sie begaben sich an einen Seiteneingang des Hauses in der Yuca Street. Dort blieb Sherman an einer Stelle stehen, von der aus man die Eingangshalle überblicken konnte, während Loose – in seiner Gartenkleidung – auf die Portierloge zuschritt. Dort blieb er stehen, ohne etwas zu äußern. Plötzlich rief Cousins voller Überraschung und Bestürzung:
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