Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 27 – Während er selbst mit gelbem Kohinoor nur ganz feine Striche gezeichnet hatte, waren die des Phantoms breit, aber nicht kräftig geführt, da sie sich leicht ausradieren ließen. Die Lösung hatte das Phantom in einer richtig konstruierten und, soweit dies aus der freien Hand möglich ist, auch richtig gezeichneten Kuppel gefunden, an die der Ingenieur selbst nicht gedacht hatte. Die Zeichnung, die übrigens später aus anderen Gründen nicht ausgeführt wurde, reichte der Doktor im Original der Firma Wilke in Hannover ein, wo sie vielleicht heute noch im Archiv liegt." Die Begebenheit ist aus folgendem Grund so überaus merkwürdig: In der Regel liegt, wie wir sahen, der Mensch nahezu leblos da, während der Doppelgänger ihn verlässt. Was dieser außerhalb seines Körpers tat oder sah, das muss er sich mühsam nach Wiedererwachen ins Gedächtnis zurückrufen. Es besteht also zur selben Zeit nur ein Bewusstsein. Hier aber handelt es sich um gleichzeitig zwei Intelligenzen. Die eine – das Phantom – arbeitet, während der Mensch ihn beobachtet. Die Erscheinung trat völlig spontan auf, ohne dass der Ingenieur, wie er überzeugt war, überhaupt an seine Arbeit dachte. Da er sich mit paranormalen Dingen niemals vorher beschäftigt hatte, war ihm auch die Möglichkeit solcher Vorgänge völlig unbekannt. Er erlebte nach dieser Begebenheit nur noch einmal eine Verdoppelung seiner Person, als er nämlich beim Eintreten in sein Zimmer sich auf dem Sofa sitzen sah. In diesem Fall war jedoch die Dichtigkeit des Doppelgängers weit geringer als beim ersten Mal. Er löste sich bald auf, ohne etwas getan zu haben. Diese Erscheinung geschah wie die erste bei vollem Tageslicht. Bei den Vorkommnissen dieses Ingenieurs wie auch der Emilie Sagée und anderen hier nicht erwähnten Personen hat man den Eindruck, dass der "Doppelgänger" seinen materiellen Körper gelegentlich ein wenig unterstützen will. Es scheint mir unberechtigt, die vielen von den unterschiedlichsten Autoren berichteten Erlebnisse als reine Halluzinationen, gekoppelt mit außersinnlicher Wahrnehmung und Psychokinese abzutun und ihnen einen tatsächlichen Hintergrund abzusprechen. Man muss diese Erlebnisse als Indiz für die Hypothese ansehen, dass es parallel zu unserem irdischen, materiellen Körper einen zweiten Leib aus einer noch unerforschten Substanz gibt, in dem auch das menschliche Bewusstsein lokalisiert sein kann und in dem auch Informationsverarbeitungsvorgänge stattfinden können. Normalerweise besteht eine Bewusstseinssperre zwischen diesem zweiten Leib und unserem normalen Körper. In den geschilderten Sonderfällen kann diese Bewusstseinssperre jedoch gelegentlich aufgehoben sein. Wir haben in diesem zweiten Leib, dem sog. Astralleib, den zunächst spekulativ geforderten weiteren Informationsspeicher vor uns, in dem auch die Persönlichkeitsstruktur gespeichert sein kann. Dieser Astralleib braucht nicht unbedingt dem materiellen Tod des physischen Körpers, in den er während des irdischen Lebens normalerweise eingeschachtelt ist, mitunterworfen zu sein. Da er offensichtlich aus einer anderen Substanz besteht, könnte er den materiellen Tod überdauern, d. h. überleben. Suchen wir also nach weiteren Indizien für diese Hypothese. Der Vorgang des irdischen Todes aus parapsychologischer Sicht In der parapsychologischen Literatur wird berichtet, dass beim Ablauf des irdischen Todes der Astralleib ebenfalls aus dem materiellen Körper austritt, sich von ihm löst, diesmal aber unter Zerreißung des Verbindungsbandes, der sog. silbernen Schnur. Der Tod oder das Ableben soll dann irreversibel geworden sein. Er soll dann nicht mehr wie beim klinischen Tod (d. h. bei nur vorübergehendem Kreislaufstillstand aber noch nicht irreversiblem Erlöschen der Gehirntätigkeit) durch Wiederbelebung rückgängig gemacht werden können (37, S. 336).

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