– 38 – "Im folgenden Fall brachte die Erscheinung eines Verstorbenen deutlich eine diesseitsbezogene Absicht zum Ausdruck. Der Patient war ein 7-jähriger Junge mit einer Brustinfektion in äußerst kritischem Zustand. Er war widerspenstig und weigerte sich, seine Medikamente zu nehmen. Dann sah er plötzlich seinen verstorbenen Onkel, der als Arzt in eben dieser Station des betreffenden Krankenhauses gearbeitet hatte. Er (der Arzt) war mit der ganzen Familie eng verbunden gewesen. Der Junge beschwor, dass Onkel Charlie gekommen wäre, sich neben ihn gesetzt und ihn geheißen hätte, seine Medizin zu nehmen. Er hatte dem Jungen auch mitgeteilt, dass er wieder gesund werden würde. Der Junge war absolut sicher, dass Onkel Charlie auf dem Stuhl neben ihm gesessen und ihm diese Dinge gesagt hatte. Nach diesem Erlebnis war der Patient willig. Er war nicht aufgeregt und nahm den 'Besuch' des verstorbenen Arztes als die natürlichste Sache der Welt. Am nächsten Morgen ging es dem Jungen viel besser. In seinem Gesundheitszustand war eine entscheidende Wende eingetreten. Im nächsten Fall handelt es sich um einen etwa 50–jährigen Ingenieur, mit einer Koronarthrombose. Sein Arzt berichtete: Er sah einen 'bärtigen Mann', der am Eingang eines langen, goldenen Ganges stand. Der schüttelte den Kopf und bewog ihn, zurückzugehen, indem er sagte: 'Nicht jetzt, später.' Das machte den Patienten sehr glücklich. Er sagte, dass ich ihm keine Medikamente mehr zu geben brauchte: 'Man will mich dort nicht.' Unmittelbar nach diesem Erlebnis begann es ihm besser zu gehen. Man beachte, dass der Ingenieur in diesem Fall die Erscheinung als einen 'bärtigen Mann' beschrieb und sich nicht um den Namen kümmerte, zum Beispiel 'Gott', 'Jesus' usw. Gefühlvollere Patienten hätten in diesem Fall impulsiv geschlossen, dass der Mann vor dem goldenen Licht eine Gestalt aus ihrem religiösen Glauben darstellte. Das ist der Grund, warum ausführliche Untersuchungen notwendig sind, um hinter die äußere Erscheinungsform dieser Fälle zu kommen." Gleichartige Beobachtungen wie Dr. Osis in Bezug auf Patienten, die dem Tod nahe waren, veröffentlichte 1975 der amerikanische Arzt Dr. Raymond A. Moody. Es handelte sich um 150 Patienten, die klinisch tot waren, die also einen vorübergehenden Herz– und Atemstillstand aufwiesen und daraus wiederbelebt wurden (57, 58). Moody erhielt teilweise Berichte, die der schon vorgetragenen Schilderung des Architekten Stefan v. Jankovich ähnelten. Andere entsprachen den hier aufgeführten Berichten von Dr. Osis. Das Vorwort zu dem Buch von Dr. Moody schrieb die schweizerisch–amerikanische Ärztin Dr. Elisabeth Kübler–Ross18. Im Vergleich zu ihren eigenen Sterbebettuntersuchungen beurteilt sie Moodys Forschungen folgendermaßen (57, S. 10): "Diese Patienten haben alle die Erfahrung gemacht, aus ihrer stofflichen Körperhülle hinausgetragen zu werden, und haben dabei ein tiefes Gefühl von Frieden und Ganzheit gehabt. Die meisten haben eine andere Person wahrgenommen, die ihnen behilflich war bei ihrem Übergang auf eine andere Seinsebene. Die meisten wurden begrüßt von früher Verstorbenen, die ihnen nahegestanden hatten, oder von einer religiösen Gestalt, die in ihrem Leben eine wichtige Rolle gespielt hatte und die natürlich ihren Glaubensüberzeugungen entsprach. Es war für mich erhellend, Dr. Moodys Buch zu lesen in einer Zeit, in der ich daranging, meine eigenen Forschungsergebnisse zu Papier zu bringen. Dr. Moody wird sich auf eine Menge Kritik gefasst machen müssen, die hauptsächlich von zwei Seiten erhoben werden wird. Auf der einen Seite 18 Geb. 1926. In den U.S.A. und Europa bekannt geworden durch ihre Bücher "Interviews mit Sterbenden" und "Was können wir noch tun?", Kreuz–Verlag.
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