Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 39 – wird es Theologen geben, die scharf gegen jeden Front machen werden, der die Stirn hat, auf einem Gebiet wissenschaftliche Forschungen anzustellen, das für tabu erklärt ist. In einigen kirchlichen Kreisen hat man derartige Vorwürfe gegen solche Untersuchungen bereits laut geäußert. Ein Priester sprach polemisch davon, hier werde 'billiger Trost verhökert'. Andere hatten einfach das Gefühl, die Frage, ob es ein Leben nach dem Tode gibt, solle eine reine Glaubensfrage bleiben und von niemandem ausgeforscht werden. Die zweite Gruppe, die Dr. Moodys Buch angreifen wird, bilden Naturwissenschaftler und Mediziner, die eine Studie wie diese als 'unwissenschaftlich' ansehen. Ich glaube, unsere Gesellschaft ist in eine Übergangszeit eingetreten. Wir müssen den Mut aufbringen, neue Tore aufzustoßen und zuzugeben, dass unsere heutigen wissenschaftlichen Methoden nicht ausreichen für eine Vielzahl dieser neuen Forschungen. Ich glaube, dieses Buch wird solche neuen Tore öffnen für Menschen, die geistig offen sein können, und wird ihnen Hoffnung und Mut machen, neue Forschungsgebiete auszuloten." Ebenso wie Dr. Osis erörtert auch Frau Dr. Kübler-Ross die Frage, ob nicht alle "Erlebnisse" Sterbender nur Schöpfungen ihres Unterbewusstseins und eigener Wünsche sein könnten, die durch die Weltanschauung und die bisherigen Lebenserfahrungen geprägt wurden. Sie berichtet darüber in ihrem Buch "Über den Tod und das Leben danach"19, S. 65: "Für mich als Psychiaterin war es interessant, dass Tausende von Menschen überall auf dieser Erde vor ihrem Tod die gleichen Halluzinationen haben sollten, in denen sie sich der Anwesenheit einiger ihrer Verwandten und Freunde bewusst wurden, die schon vor ihnen verstorben waren. Man müsste doch einmal der Frage nachgehen, ob vielleicht hinter diesen Behauptungen der Sterbenden nicht doch etwas Wahres verborgen ist. Und so machten wir uns daran, herauszufinden, wie man Wege und Mittel finden könnte, um diese Behauptungen zu überprüfen, sie dann entweder als richtig zu beweisen, oder sie einfach als Projektionen von Wunschgedanken zu entlarven. Wir glaubten, dieses Problem vielleicht am besten studieren zu können, wenn wir uns an die Betten von sterbenden Kindern setzten, die nach einem Autounfall der Familie eingeliefert worden waren. Diese Untersuchungen führten wir meist nach dem 4. Juli, dem Memorial Day, dem Labor Day und an Wochenenden durch, wenn ganze Familien mit ihrem großen Wagen unterwegs zu sein pflegen und allzu oft Frontalzusammenstöße verursachen, bei denen einige Familienmitglieder sofort getötet, andere aber verletzt in verschiedene Krankenhäuser eingeliefert werden. Ich habe mir die Aufgabe auferlegt, mich an das Bett der kritisch verletzten Kinder zu setzen, da ich mich ja im besonderen Maß der Kinder annehme. Ich wusste jeweils ganz sicher, da jene Sterbenden noch nicht über die Anzahl und die Namen ihrer übrigen Verwandten informiert worden waren, die bereits aufgrund des Unfalls gestorben waren. Es war für mich faszinierend zu hören, dass sie immer ganz genau wussten, wer von den übrigen schon verstorben war. Ich sitze bei ihnen, beobachte sie in aller Stille, vielleicht halte ich auch ihre Hand. So wird mir auch jede bei ihnen aufkommende Unruhe sofort erkenntlich. Kurz vor dem Tod stellt sich bei ihnen oft eine friedliche Feierlichkeit ein, was immer auf ein bedeutsames Anzeichen hinweist. In diesem Moment frage ich sie, ob sie bereit und fähig seien, ihre augenblicklichen Erlebnisse mit mir zu teilen. Und sie antworten mir oft in ähnlichen Worten wie jenes Kind, das sagte: 'Alles ist jetzt in Ordnung. Meine Mutter und Peter warten schon auf mich.' Ich wusste bereits zu dieser Zeit, dass seine Mutter schon am Unfallort gestorben war, aber nicht, dass sein Bruder Peter bereits gestorben sein sollte. Davon war mir noch nicht berichtet worden. 19 Verlag die Silberschnur, 8. Aufl, Melsbach 1988.

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