– 4 – Aufgrund des heute vorliegenden Erfahrungsmaterials bin ich der Meinung, dass der Tod nicht das schrecklichste Ereignis ist, als das er vielfach angesehen wird. Er ist auch nicht die totale Auslöschung der menschlichen Existenz durch Gott, wie es moderne Theologen manchmal behaupten. Stattdessen ist er die Beendigung eines Lebensabschnittes und der Beginn eines neuen Lebensabschnittes, das Hinübergehen in eine andere Welt und das Betrautwerden mit neuen Aufgaben. Wer sich auf diesen Übergang schon jetzt vorbereiten und bereits heute nach den möglicherweise auf ihn zukommenden Aufgaben Ausschau halten will, wer diese Dinge womöglich erforschen und die Ergebnisse anderen mitteilen will, muss sich auf die größten Schwierigkeiten gefasst machen. Das ist nicht verwunderlich. Dinge, die für die Menschen neu und ungewöhnlich sind, stoßen meist auf Unglauben und Unverständnis. Das hat sich bei den meisten bedeutenden Entdeckungen der Wissenschaften und den Erfindungen der Technik gezeigt. Die Mehrheit der Zeitgenossen, darunter auch oft bedeutende Wissenschaftler, ist meist mit Hohn und Spott gegen neue Erkenntnisse zu Felde gezogen. Dabei können neue Erkenntnisse zuerst durchaus noch mit Fehlern behaftet sein. Sie vermögen aber trotzdem später zu einer bedeutenden Erweiterung des menschlichen Wissens führen. Als ein Beispiel sollen die Überlegungen und Erkenntnisse des Genuesen Christoph Kolumbus (1451–1506) angeführt werden, die zur Entdeckung eines neuen Kontinentes geführt haben. Im Mittelalter suchten italienische Kaufleute von der Levante aus, den Ländern um das östliche Mittelmeer, nämlich Kleinasien, Syrien und Ägypten, einen unmittelbaren Zugang zum fernen Asien, zu China und Indien, aus denen die Gewürze und die begehrten Luxusgüter des Orients kamen. Besonders bekannt geworden ist unter diesen Kaufleuten der Venezianer Marco Polo, der sich von 1271–1295 in China aufhielt. Dieser Reiseverkehr nach dem Fernen Osten wurde Ende des 14. Jahrhunderts durch die Eroberungen des grausamen mongolischen Sultans Tamerlan (oder Timur)4, der Persien und Kaukasien in Besitz nahm, wieder gesperrt. Später kam das Vordringen der Türken durch die Eroberung Konstantinopels 1453 erschwerend hinzu. Zu dieser Zeit war die orientalische Welt für Europäer auf dem Landweg unerreichbar geworden. Auf dem Seeweg um Afrika herum waren die Portugiesen mit dem Seefahrer Bartholomëu Diaz 1488 aber erst bis zur Südspitze Afrikas gelangt. Da kam der Genuese Kolumbus auf den Gedanken, ob man Indien und China nicht viel einfacher auf dem Seewege in westlicher Richtung erreichen könnte. Das setzte jedoch voraus, dass ein solcher Seeweg überhaupt bestand, dass die Erde Kugelgestalt hatte. Diese Auffassung war aber damals nicht selbstverständlich. Der Grieche Eratosthenes hatte zwar bereits 200 vor Chr. in Alexandrien von der Kugelgestalt der Erde ausgehend nach selbst vorgenommenen Messungen den Erdumfang zu 250.000 Stadien5 gleich 41.000 km errechnet. Das war ein erstaunlich genauer Wert für die damalige Zeit, denn der wirkliche Erdumfang beträgt 40.000 km. Das Wissen darüber ging jedoch in der breiten Öffentlichkeit im Mittelalter verloren, denn die kirchlich maßgebenden Kreise kehrten zu 4 Tamerlan, 1336–1405, ab 1388 Sultanstitel. 5 Ein griechisches (ägäisches oder attisches) Stadion = 164 m.
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