Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 57 – das wahr ist, dass Sie gestorben sind, so bin ich aufrichtig betrübt darüber; ich will nach Ihren Kindern sehen.' – Wünscher schritt auf mich zu, streckte seine Arme aus und bewegte seine Lippen, als ob er mich umarmen (und küssen) wollte; deshalb sagte ich in einem drohenden Tone und mit gerunzelter Stirne ihn fest anblickend: – 'Kommen Sie nicht so nahe, es ist mir unangenehm', und erhob meinen rechten Arm, um ihn abzuwehren; aber bevor mein Arm ihn erreichte, war die Erscheinung verschwunden. Mein erster Blick richtete sich auf meine Frau, um zu sehen, ob sie noch immer schliefe. Sie schlief. Ich stand auf und blickte auf meine Uhr, es war sieben Minuten über zwölf. Meine Frau erwachte und fragte mich: – 'Zu wem sprachst du denn eben jetzt so laut?' – 'Hast du etwas davon verstanden?' – fragte ich sie zurück. 'Nein', lautete ihre Antwort, und sie begann wieder einzuschlummern. Ich teile dieses Erlebnis der 'Society for Psychical Research' in dem Glauben mit, dass es ihr als ein neuer Beweis für die wirkliche Existenz der Telepathie dienen möge. Ich muss des Weiteren bemerken, dass der Brauer an diesem Nachmittag um fünf Uhr wirklich gestorben war und am darauffolgenden Dienstag um zwei Uhr beerdigt wurde. – Mit hoher Achtung, Dober und Pause, Schlesien, den 12. Dezember 1889. Karl Dignowity, Landbesitzer Die gewöhnliche Zeit für ein Begräbnis in Deutschland, fügt Fräulein Schneller hinzu, ist drei Tage nach dem Tode. Diese Zeit kann jedoch auf Ansuchen hinausgezögert werden. Bestimmte Stunden sind nicht festgesetzt. In der Unterhaltung beschrieb Fräulein Schneller ihren Schwager als einen Mann von streng praktischem Sinne und von überaus tätigen Gewohnheiten. Wir haben die 'Sterbeurkunde' vom 'Standesbeamten' Siegismund, Kreis Sagan, erhalten, welche bestätigt, dass Karl Wünscher am Samstag, dem 15. September 1888, um 4. Uhr 30 Minuten nachmittags starb und am Dienstag, dem 18. September 1888, um 2 Uhr nachmittags begraben wurde. Herr Dignowity schreibt ferner unter dem 18. Januar 1890: – 'Frau Wünscher erzählte mir, dass die Zeit des Begräbnisses im Totenzimmer unmittelbar nach Wünschers Tode festgestellt wurde, weil entfernte Verwandte durch Telegramm einzuladen waren. Wünscher hatte an Lungenentzündung gelitten, welche in Herzkrampf endete.'" Die folgenden Begebenheiten berichtet ein ehemaliger ukrainischer Kosakenoffizier namens I. Poltawetz von Ostranitza, geb. 8.10.1892 in Subotow in der Ukraine, gest. 17.1.1957. Er entstammt einer angesehenen altadeligen Kosakenfamilie und war 1917 Rittmeister in kaiserlich russischen Diensten. Nach der Revolution wechselte er zu den Truppen des damals freien ukrainischen Staates und wurde während der kurzen Zeit seiner Selbständigkeit 1918 zum Großsiegelbewahrer gewählt und zum Oberst befördert. Nach 1919 lebte er als Emigrant in München. Der Offizier berichtet (69, S. 6): "Durch ihre besondere geographische Lage in Verbindung mit ihrer alten geistigen Überlieferung war es der Ukraine möglich, die Zivilisation des Westens anzunehmen, ohne die Kultur des Ostens preiszugeben, die beide in ihr zusammentrafen. So hat die Bevölkerung der Ukraine trotz der Aneignung mancher Güter der materiellen Zivilisation des Westens ihre Verbindung mit dem Göttlichen und den geheimnisvoll webenden Kräften der Natur nicht verloren.

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3