– 73 – können sie auch noch nicht "vollmaterialisiert" sein. Die äußere Form ist dann schon vorhanden, aber sie ist noch durchsichtig. Die Photoaufnahme eines solchen Zustandes ist in Bild 9 wiedergegeben. Es handelt sich um eine kräftige männliche Gestalt, die sich 1950 bei Einer Nielsen materialisierte (35, S. 69). Dieses Phantom schwebt zwischen der ersten und zweiten Sitzreihe der Zuschauer, die dem Photographen den Rücken zukehren. Rechts und links vom Phantom sieht man die weißen Kragen von Zuschauerinnen der ersten Sitzreihe. Das Medium Einer Nielsen ist in Trance (daher mit geschlossenen Augen und ohne Bewusstsein) von seinem Stuhl aufgestanden und befindet sich vor dem Vorhang des Kabinetts und hinter dem Phantom. Bei diesem Bild ist zweierlei wichtig: 1. Phantom und Medium sind gleichzeitig auf derselben Photoaufnahme sichtbar. Das Phantom ist also nicht etwa das verkleidete Medium. 2. Das Phantom ist in seiner linken Körperhälfte noch durchsichtig. Das hinter ihm stehende Medium scheint nämlich mit seinem weißen Hemdärmel durch das Phantom hindurch. Besondere Aufmerksamkeit widerfuhr bei Einer Nielsen einem Phantom, das behauptete, die am 29. 8. 1935 bei einem Autounfall ums Leben gekommene Königin Astrid von Belgien zu sein (34, S. 103). Sie war eine Prinzessin aus dem schwedischen Königshaus und Frau König Leopolds III. von Belgien. Erstmals materialisierte sie sich in Kopenhagen am 31. 5. 1938. Danach erschien sie wiederholt zu lebhafter Unterhaltung mit den ihr bekannten Teilnehmern, dabei in gewisser Sorge für ihre lebenden Angehörigen. Sie übte sich zum Aushalten für eine photographische Blitzlichtaufnahme. Der starke Lichteinfall einer solchen Aufnahme bringt die Phantome in kürzester Zeit zur Auflösung und belastet dadurch Phantom und Medium. Eine Blitzlichtaufnahme fand daher immer am Ende einer Sitzung statt. Am 9. Juni 1939 machte der schwedische Geistliche Martin Liljeblad eine photographische Aufnahme des Phantoms der Königin Astrid (35, S. 67). Bild 10 zeigt diese Aufnahme und Bild 11 eine Vergrößerung des Kopfes neben Bildern aus Lebzeiten. Astrid erschien in Kopenhagen letztmals am 11. 6. 1939. Man hat aus verständlichen Gründen nicht versucht, König Leopold zu veranlassen, seine Frau in Kopenhagen zu identifizieren. Doch hat Pastor Liljeblad ihm davon in Brüssel erzählt, und Leopold hat nicht ablehnend reagiert. Die Frage, die sich hier stellt, ist die: Sind die bei Materialisationssitzungen gebildeten Gestalten Geister aus einem Jenseits, also etwa die Astralleiber von Verstorbenen, die als Form wieder mit irdischer Materie aufgefüllt werden? Oder sind sie nur lebendig gewordene Träume des Mediums oder der Teilnehmer, die sie in wachem Zustand erleben? Die Phantome sprechen und handeln jedoch wie zu Lebzeiten und werden von ihren irdischen Bekannten vollständig erkannt. Kritiker und Skeptiker haben derartige Berichte nie überzeugt, überzeugt in dem Sinne, dass hier etwa ein Beweis für die persönliche Fortexistenz nach dem irdischen Tode vorläge. Sie haben stets behauptet, wenn sie diese Berichte überhaupt als wahr und nicht als erfunden ansahen, dass alles nur Schöpfungen des Mediums und der anwesenden Teilnehmer oder anderer noch lebender Menschen gewesen wären, dass insbesondere die zutage tretenden Informationen einfach dem Unterbewusstsein der lebenden Menschen abgezapft seien und keineswegs etwas mit einem Fortleben nach dem Tode und einer jenseitigen Welt zu tun hätten. Nun treten aber bei solchen Materialisationssitzungen, wie auch bei anderen medialen Kundgaben, oft Informationen zutage, die keiner der anwesenden Teilnehmer, noch das Medium wussten. Gelegentlich sind es auch Dinge, die Anwesenden unangenehm sind. Einer Nielsen berichtet selbst solch ein Beispiel (34, S. 149):
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3