Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 75 – aufzusuchen, die äußerst erstaunt war, so unerwartet einen wohlhabenden Vater zu sehen. Nach vielen Erklärungen bewog er sie, die Hilfe anzunehmen, die er brachte. Nach allen diesen Erlebnissen kam er wieder zu mir, und wir bekamen noch eine Sitzung, bei der seine Frau wieder erschien! Sie war ihm gefolgt, hatte ihn am Grabe auf dem kleinen Kirchhof gesehen, seine Bitte zu Gott gehört und war zusammen mit ihm bei der Tochter gewesen, wo sie über seine Hilfe froh wurde. Als sie so mit ihm gesprochen hatte, knieten sie nieder, sie, der Geist, und er, der Mensch, auf dem Boden mitten im Sitzungsraum und baten Gott für sie beide. In einem solchen Augenblick ist es, als würde uns Menschen etwas von dem himmlischen Licht zuteil! Ich weiß, dass alle, die an dem Abend zugegen waren, ihn nie vergessen werden. Er wird immer mit leuchtender Schrift im Buch ihrer Erinnerungen stehen!" Lässt sich dieses alles mit dem Unterbewusstsein und Außersinnlicher Wahrnehmung befriedigend erklären? Wohl kaum. Als letztes Beispiel für die sichtbare Erscheinung Verstorbener trage ich hier den Bericht einer Engländerin vor, die eine zehn Tage alte Tochter durch den Tod verlor und diese danach über mehrere Jahre hinweg vielmals voll ausgebildet auf dieser Erde wiedersehen konnte. Da hierbei die verschiedenartigsten paranormalen Vorgänge in Erscheinung traten und die Berichterstatterin ihre Erlebnisse eingehend beobachtet und sehr genau aufgezeichnet hat, ist die Schilderung besonders eindrucksvoll und soll hier fast vollständig wiedergegeben werden. Die Berichterstatterin Florence Marryat43 lebte 1860 mit ihrem Mann und Kindern in Indien. Das Ehepaar war mit einem in der britisch-indischen Armee dienenden jungen Offizier John Powles eng befreundet. Unter tragischen Umständen starb dieser am 4. April 1860. Mrs. Marryat sagt dazu (53, S. 64): "Sein Tod und die Art, wie er starb, riefen in mir eine große Erschütterung hervor. Er war mir und meinem Mann über Jahre hinweg ein echter Freund gewesen, so dass wir seinen Tod sehr betrauerten." Weiterer Kummer kam hinzu und beeinträchtigte ihre Gesundheit. Die folgenden Begebenheiten werden nun durchgehend mit Mrs. Marryats Worten (aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt) wiedergegeben (53, S. 73): "In demselben Jahr 1860, in dem John Powles starb, hatte ich den größten Kummer meines Lebens. Es ist für meinen Bericht unwesentlich, worin der Kummer bestand, aber ich litt schrecklich, sowohl geistig als auch körperlich. Hauptsächlich wegen des Rates meiner Ärzte kehrte ich nach England zurück, wo ich am 14. Dezember ankam. Am 30. Dezember 1860 gebar ich eine Tochter, die ihre Geburt nur zehn Tage überlebte. Das Kind wurde mit einer seltsamen Missbildung geboren, die sehr wesentlich für das ist, was ich zu schildern vorhabe. Auf der linken Seite der Oberlippe befand sich ein Mal, als ob ein halbkugelförmiges Stück Fleisch mit einer Gewehrkugelgießform herausgeschnitten worden sei. Dadurch wurde ein Teil des Zahnfleisches freigelegt. Auch war der Schlund44 im Hals versenkt45, so dass das Kind während seines kurzen Lebens künstlich ernährt werden musste. Der Kiefer seinerseits war so deformiert, dass die Backenzähne nach vorne gestanden hätten, wenn das Kind bis zum Zahnen am Leben geblieben wäre. Die Missbildung wurde als so bemerkenswert angesehen, dass Dr. Frederick Butler von Winchester, der mich behandelte, mehrere Kollegen aus Southampton und anderen Orten einlud, um zusammen mit ihm das Kind genau zu untersuchen. Sie stimmten alle darin überein, dass sie einen ähnlichen Fall vorher noch nicht gesehen hatten. Das ist ein sehr wichtiger Punkt in meinem folgenden Bericht. 43 Florence Marryat, 1837–1899, verh. in erster Ehe "Ross–Church", in zweiter Ehe "Lean", englische Verfasserin mehrerer parapsychologischer Bücher. Sie kannte die meisten bedeutenden Medien des ausgehenden 19ten Jahrhunderts. 44 Schlund = hinter dem weichen Gaumen und dem Gaumensegel liegende Höhle, die als Verbindungsstück zwischen Mundhöhle, Nasenhöhle, Speiseröhre dient. 45 Also nach unten verschoben.

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