– 94 – Zur Erklärung sei gesagt, dass ein Sohn (Carl) der Familie, in deren Wohnung die Sitzungen stattfanden, Gesangunterricht nahm in der Absicht, Sänger zu werden. Tomfohrde, der aus Ohlhavers Buch 'Die Toten leben' bekannt ist, war in den Sitzungen der 'Kontrollgeist', was durch die Beziehungen eines früheren Zirkelmitgliedes zum Hause Ohlhaver zu erklären ist. Dienstag, den 26. Januar 1926. Das Medium sieht heute keine 'Geistwesen', aber als erster meldet sich durch den Tisch Rochlitz und sagt: 'Hier Johann Friedrich Rochlitz. Ich bin geboren in Leipzig und auch ebendaselbst gestorben. Mein Geburtstag fiel am64 12. Februar, mein Heimgang am 16. Dezember. Geburtsjahr 1770, gestorben 1842. Mein Vater war Schneidermeister, er hieß Carl Ludwig. Meine herzige Mutter hieß Susanne Magdalene, geborene Häcker. Dieses alles findet ihr im Kirchbuch St. Tomae. Dieses nur, damit ihr überzeugt seid. Ich kam als Externus in der Tomasschule. Später kam ich in das Alumneum. (Dieses Wort machte Rochlitz etwas Mühe.) Hier wurde [ich]65 erster Sopranist. (Es wurde hier bemerkt, dass Carl das interessiert hätte.) Deshalb sage ich es. – Leider wechselte meine Stimme, und ich wurde erster Tenor. Meine herrliche Stimme bekam ich auch nie wieder. Ich fing in meinem 18. Lebensjahr zu komponieren [an]. Dann lief die Wissenschaft mit mir fort. Nächstens mehr. (Es wurde gefragt, ob Rochlitz Brüder gehabt habe.) Zwei. Wir hatten aber nicht solchen Wohlstand als wie dieser Schneidermeister; bei uns ging es bös arm her.' (Der Inhaber der Wohnung, in der die Sitzungen stattfanden, war Schneidermeister.) Während der Zeit bis zur nächsten Sitzung hatte ich im Konversationslexikon gesehen, dass der in Frage kommende Rochlitz tatsächlich gelebt hatte, dass es sich um einen zeitweiligen Herausgeber der 'Allgemeinen Musikalischen Zeitung', die in Leipzig herauskam, handelte, dass er aber im Jahre 1769 geboren sei(!), während das in der Sitzung angegebene Monatsdatum stimmte. Die weiteren kurzen Ausführungen im Lexikon wurden absichtlich nicht gelesen! Dienstag, den 2. Februar 1926. Wir unterhielten uns während der Vorbereitung zur Sitzung über die oben erwähnte Unstimmigkeit. – Bei Beginn der Sitzung zeigt sich Rochlitz dem Medium sehr deutlich und meldet sich als erster durch den 'Zeigertisch': 'Ihr meint wegen meines Geburtsjahrs. Ich habe immer gesagt: siebenzig, aber die haben es mir abgestritten. Im Kirchenbuch, sagen die Menschen, steht neunundsechzig. Aber da ist schon viel um gestritten worden. Aber ich muss es doch wissen. Ihr könnt es ja mit erwähnen, wenn ihr schreibt. – Also: Ich hing ja zuletzt den Gesang an [den] Nagel und ging zur Wissenschaft. Siebenzehnhundertneunundachtzig (so diktiert!) verließ ich das Alumneum. (Das Wort machte wieder Schwierigkeiten; erst wurde Aleneum buchstabiert.) Ich studierte dann zwei Jahre Theologie, konnte aber meiner Armut wegen den Kursus nicht zu Ende führen. Nun dachte ich, mit meinem Fleiß würde es gelingen und nahm einen Platz als Hauslehrer bei einem Landskammerath, aber musste diese Stellung gesundheitswegen nach anderthalb Jahren wieder verlassen. Nun war ich noch viel ärmer als zuvor. Für heute Schluss!' Dienstag, den 9. Februar 1926. Rochlitz zeigt sich heute, ebenso wie andere 'Geistwesen', weniger deutlich. Er meldet sich wieder zuerst: 'Also hier Rochlitz. Siebenzehnhundertzweiundneunzig verließ ich meine Stellung bei dem Landkammerrath Oeler in Crimmerschau66 und fuhr nach Leipzig zurück. Dank meines Freundes Beethoven, der für Mittel sorgte, konnte ich wieder mein Studium der Theologie aufnehmen. Ich hielt zuweilen auch Kanzelreden in den Hauptkirchen ab, aber ich hatte das Gefühl, es auf diesem Gebiete nicht genug wirken zu 64 Der hier gebrauchte Dativ war, wie sich später herausgestellt hat, zu R's Zeiten gebräuchlich. 65 Augenscheinlich vergessene Worte oder Buchstaben stehen in eckigen Klammern. 66 Beispiel für Fehler in der Durchgabe. Die Stadt heißt "Crimmitschau".
RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3