Der Tod, die Brücke zu neuem Leben

– 95 – können. Es war mir alles zu eng, mein Genius wies mir den Weg zu schriftstellern an. Mozahrt kam dann nochmal nach Leipzig, und wir konnten dann für unsere Zeitgenossen wirken. Gute Nacht.' Ich sagte, ich würde mich freuen, das alles bald bestätigt zu finden. Darauf Rochlitz: 'Mein Tauftag fiel am 15. Februar.' Darauf wurde Rochlitz gefragt, ob er mit seinem Bericht bald fertig sei. Die Antwort lautete: 'Lange nicht!' Dienstag, den 23. Februar 1926. Das Medium sieht u. a. auch Rochlitz besonders deutlich. Er berichtet weiter: 'Rochlitz. – Mit den gediegensten Kenntnissen und (hier lange Pause, etwa 2 Minuten) klar über die Richtung, die ich einzuschlagen... (Nun wieder von vorne anfangend:) Mit den gediegensten Kenntnissen ausgerüstet und klar über die Richtung, klar über das Ziel, das ich einzuschlagen hatte... (Der Satz blieb unvollendet!) Meine äußere Lebensweise traf keine Störung und Beeinträchtigung mehr, alles glückte, was ich vornahm. Im Jahre achtzehnhundertzehn verheiratete ich mich mit der Tochter des Bauraths Hansen zu Leipzig. Sie war eine verwitwete Daniel Winkler. Unsere Ehe war sehr glücklich, aber leider ohne Nachkommenschaft. Von meinem ferneren Leben wäre wohl nicht viel mehr zu erwähnen, nur dass ich im Jahre einunddreißig das Ritterkreuz und (den) Hausorden vom weißen Falken erhielt. Die letzten zwölf Jahre widmete ich mich ganz meinem Gott und Heiland. Mein Gesangbuch wurde erst nach meinem Heimgang eingeführt. Geschrieben und Melodien. Am Morgen des sechzehnten Dezember mit Sonnenaufgang schied sich meine irdische Hülle vom Geist. Am neunzehnten begruben sie mein Kleid. Ich litt vier Wochen an Nervenfieber. Es war an einem Montag, als sie mich begruben. – Ich sage dieses nur, damit ihr forschen könnt.' Die Sitzungsteilnehmer unterhalten sich über die Unwahrscheinlichkeit, dass Rochlitz' Frau tatsächlich eine geborene Hansen sein könne, da das doch ein typisch nordischer Name sei. 'Hansen hieß meine Frau', erklärt darauf unerwartet Rochlitz. Ich dankte Rochlitz für seine Ausführungen und sagte, dass wir jetzt forschen wollten. 'Ich habe auch geforscht', war die Antwort. Nun zu den Nachforschungen nach der Richtigkeit der gemachten Angaben: Ich wandte mich zunächst an das Pfarramt der Thomaskirche in Leipzig und erfuhr, dass Name und Beruf des Vaters und der Name, auch Mädchenname, der Mutter genau stimmten und dass auch Rochlitz' eigener Name ganz richtig angegeben war. Die Daten der Geburt und der Taufe waren aber nicht der 12. und 15. Februar 1770, sondern der 12. und 15. Februar 1769. In einer Sitzung vom 16. März 1926 erzählte ich Rochlitz von seiner offenbaren Fehlangabe. Er antwortete: 'In der Kirche haben sie sich schon um mein Geburtsjahr gestritten. Zu der Zeit meiner Verheiratung war schon nicht alles in Ordnung. (Diese Angaben sind leider unkontrollierbar.) Wie es zugeht, weiß ich nicht. Meine Erinnerung verlässt mich nicht.' Nun ist es außerordentlich interessant, dass Rochlitz schon 'zu Lebzeiten' das Jahr 1770 als sein Geburtsjahr angegeben hat! In 'Gerbers Neuem Musiklexikon', Leipzig 1830, ist auch eine kurze Biographie des damals noch lebenden Rochlitz enthalten, die, wie dort erwähnt ist, dieser dem Herausgeber auf dessen Bitten im Dezember 1829 eigenhändig mitgeteilt hat. Sie beginnt: 'Ich bin in Leipzig 1770 geboren...' Das schreibt Rochlitz als ein reifer, hochgebildeter Mann von 61 Jahren! Dass er als Schüler genauer Bescheid gewusst haben sollte, ist nicht zu erwarten. Tatsächlich hat er als 12–jähriger Quartaner im September 1781 ins Album Alumneorum der Thomasschule eigenhändig eingetragen: Ego Johannes Fridericus Rochlitzius Lipsiensis natus sum anno Chr. MDCCLXVIII patre Carolo Ludovico Rochlitzitio sartore. (Genaue Abschrift durch Kirchenmusikdirektor a. D. Bernhard Friedrich Richter in Leipzig). Hier gibt Rochlitz also das Jahr 1768 als sein Geburtsjahr an. In Bezug auf Daten ist er also schon während seines Erdenlebens nicht zuverlässig gewesen. Hierzu passt auch der Nachweis des Herrn Prof. B. Richter im Bach–Jahrbuch 1906, dass Rochlitz in musikgeschichtlichen Dingen nur bedingte Glaubwürdigkeit beanspruchen

RkJQdWJsaXNoZXIy MjI1MzY3