Leben nach dem irdischen Tod

- 12 - Tatsächlich ist Jakob Lorber (1800 - 1864) zwar katholisch, aber niemals Pfarrer gewesen. Er war dagegen Musiker und ab 1840 Schreibmedium über religiöse Themen. Unter anderem schrieb er ein elfbändiges Werk "Das Große Evangelium Johannes". Auf meinen Brief schrieb mir Frau M. u. a., daß sie meine ablehnende Stellungnahme nicht übelnehme. Ich könne ja gar nicht anders denken. Aber sie wäre imstande, in Sekunden jeden Toten herbeizurufen und kenne sich im Jenseits so gut aus wie in ihrer eigenen Wohnung. Im Juli 1987 hat mir diese Dame ihre neueste Werbeschrift zugesandt, worin sie sich wiederum als "Jenseitsforscherin" bezeichnet und Sitzungen zur Rückführung in frühere Leben oder in die Zukunft des jetzigen Lebens zum Preis von 200,- DM anbietet. Außerdem preist sie ihr Buch zu 33,80 DM mit folgenden Worten an: "Mein zweites Buch 'Jenseitsgespräche', Beweise aus der anderen Dimension, endlich die Wahrheit, in Funk und Presse erwähnt, das z. Zt. brisanteste Buch, läßt keine Frage über das Jenseits offen. Beinhaltet auch Rückführungen und Tonbandstimmen." Die Frau M. aus Köln ist bei weitem nicht die Einzige, die so großsprecherisch ihre Dienste anbietet. In einschlägigen Kiosk-Zeitschriften kann man spaltenweise entsprechende Anzeigen finden. In dem Buch "Aus der jenseitigen Welt" (18) habe ich bereits vor derartigen Medien und ihren "jenseitigen Informanten" eindringlich gewarnt und erläutert, daß es nicht möglich ist, jeden Verstorbenen zu beliebiger Zeit herbeizuzitieren. Bei der Sichtung von "Jenseitsdurchgaben" ist es also die erste Aufgabe, Schilderungen wie die oben angeführten auszusondern. Als Maßstab dienen unter anderem vorhandene Eigenschaften der Medien (z. B. Geltungssucht und Überheblichkeit), das Niveau der Durchgaben, falsche Behauptungen (siehe Lorber) und Widersprüche gegenüber dem, was bereits als halbwegs gesichert gelten kann. Dazu gehört z. B. die Behauptung der Frau M., jeden beliebigen Verstorbenen (sofern er nicht schon wieder auf diese Erde als neugeborener Mensch zurückgekommen ist) in kürzester Zeit herbeiholen zu können. Man darf allerdings nicht erwarten oder verlangen, daß alle Berichte aus der jenseitigen Welt deckungsgleich und ohne scheinbare oder wirkliche innere Widersprüche sein müssen. Das gilt selbst dann, wenn man davon ausgeht, daß weder das Medium noch die jenseitigen Informanten bewußt die Unwahrheit sagen. Machen wir uns die Sachlage an folgendem gedachten Beispiel klar: Nehmen wir an, daß vor 120 Jahren oder früher "Bewohner" eines anderen Sternes die Möglichkeit gehabt hätten, mittels eines besonderen Verfahrens (etwa telepathieähnlicher Art) mit einzelnen Bewohnern unserer Erde in Verbindung zu treten und sie über ihr Leben, ihre Ansichten, ihre Umgebung und die Verhältnisse auf dieser Erde auszufragen. Nehmen wir weiter an, daß sich unter den Befragten Mitteleuropäer, grönländische Eskimos, kanadische Indianer, Brasilianer, Feuerländer, afrikanische Pygmäen und australische Ureinwohner befunden hätten, so kann man sich vorstellen, wie unterschiedlich die erhaltenen Berichte ausgefallen wären, selbst dann, wenn alle Befragten subjektiv ehrlich berichtet hätten. Wenn diese ausgewählten Erdbewohner nun außerdem noch nach ihrem Wissen und ihren Anschauungen über Gott und ihre Religion ausgefragt worden wären, so hätte man wieder sehr unterschiedliche Antworten bekommen und jedesmal mit der Beteuerung, daß dies wirklich die Wahrheit sei. Man hätte es den Fragestellern von einem "anderen Stern" bei diesen unterschiedlichen und widersprüchlichen Auskünften nicht übelnehmen können, wenn sie zunächst einmal den Verdacht gehabt hätten, nur beschwindelt zu werden. - In ähnlicher Lage befinden wir Menschen uns, die die Verbindung zu jenseitigen Welt suchen. Wir können uns dieses "Land" nicht einfach selbst ansehen und darin herumreisen. Wir können uns nur mit einzelnen Bewohnern des Jenseits über eine Art "Telefonverbindung" (nämlich über ein Medium) unterhalten, wobei wir aber den anderen Gesprächsteilnehmer in der Regel nicht sehen können und dann oft nicht wissen, ob es wirklich der ist, der er zu sein behauptet. Und die Frage, ob er die Wahrheit sagt und nicht absichtlich lügt, muß auch erst, so gut es geht, mühsam geprüft werden. Nach dem, was wir bislang aus den Berichten und Befragungen verstorbener Menschen schließen können, führt der Akt des irdischen Todes nicht dazu, daß das hinübergegangene Wesen sofort allwissend oder ein "Heiliger" wird, sondern daß es seine bisherigen Charaktereigenschaften, Überzeugungen (auch religiöser Art) und sein irdisches Wissen bestenfalls beibehält, keineswegs aber sprunghaft

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