Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Paranormale Heilmethoden auf den Philippinen (1)


   

1. Einführung

Von alters her gibt es bei Naturvölkern und Kulturvölkern Heilkundige, die bei Mensch und Tier Krankheiten auf eine Art und Weise behandeln, die von unserer Schulmedizin und auch der bei uns gebräuchlichen Naturheilkunde sehr weit entfernt ist. Sie bedienen sich dabei paranormaler Heilmethoden. Man spricht auch von der sog. "Geistigen Heilung". Bei ihr treten Vorgänge zutage, wie sie auch bei anderen paranormalen Geschehnissen beobachtet werden können, teils experimentell ausgelöst, teils spontan auftretend. Man ordnet diese Vorgänge heutzutage der Wissenschaft der Parapsychologie und ihrer Unterdisziplin der Parapsychophysik zu.

Die Parapsychologie ist für den Naturwissenschaftler dadurch besonders interessant, daß in ihrem Erscheinungsbereich Übertragungsformen von Energie und Umwandlung von Materie beobachtet werden, die in der normalen Physik nicht vorkommen. Die paranormale Wandelbarkeit der Materie tritt auch bei extremen Formen der sog. "Geistigen Heilung" sichtbar in Erscheinung, wie sie beispielsweise im religiösen Bereich, gelegentlich in Lourdes (-1-) und anderswo beobachtet werden kann. Es gibt gut untersuchte Fälle, bei denen größere fehlende Knochen- oder Gewebestücke innerhalb von Sekunden ersetzt wurden und große Wunden sich schlossen.

Die in dieser Arbeit beschriebenen und im Film gezeigten Vorgänge setzen zu ihrem vollen Verständnis umfassende Vorkenntnisse der physikalischen Phänomene der Parapsychologie, der Geistigen Heilung in ihren verschiedenen Varianten und der sog. spiritistischen Hypothese (-2-) zur Erklärung gewisser parapsychologischer Vorgänge voraus. Wer diese nicht hat oder das ganze Gebiet sowieso für Unsinn hält, wird möglicherweise dem Inhalt dieser Abhandlung und der Filme verständnislos gegenüberstehen oder die gezeigten Vorgänge schlicht für Schwindel und Trick halten. Diese Betrachter und Leser mögen dann das Dargebotene als ein seltsames ethnologisches Geschehen ansehen, das seit Jahrtausenden in ähnlicher Form bei vielen Naturvölkern zu beobachten war und ist.

Bevor die Heiler auf den Philippinen näher behandelt werden, zunächst noch einige allgemeine Betrachtungen zur sog. Geistigen Heilung. Wir wollen im folgenden unter der Geistigen Heilung eine Heilung von Körperschäden oder Krankheiten verstehen, bei der keine der üblichen Heilmethoden angewendet wird, die nicht nach bekannter medizinischer Erfahrung verläuft und die auch nicht nur durch Suggestion oder Autosuggestion erklärbar ist. Statt dessen tritt bei einer solchen Heilung der Geist eines menschlichen Heilers oder des Patienten oder einer nicht irdischen Persönlichkeit aktiv in Tätigkeit und bewirkt bei erfolgreichen Fällen oft in kurzer Zeit eine vollständige oder teilweise Heilung der Krankheit. Wie diese Einwirkung physikalisch stattfindet, ist unbekannt, ebenso ob weitere Faktoren von Bedeutung und Wichtigkeit sind. Nach den bisherigen Erfahrungen scheint es jedoch von Vorteil wenn auch nicht unbedingt erforderlich zu sein, wenn der Patient der Geistigen Heilung aufgeschlossen gegenübersteht, wenn er sie für möglich hält, wenn er selbst mitarbeitet, wenn er also durch Autosuggestion ein zusätzliches Heilungsgeschehen in Gang setzt. Grundsätzlich ist das aber nicht erforderlich.

Ich kenne z. B. eine Ärztin aus dem Rheinland, die bei schwierigen Fällen, in denen sie mit ihrer eigenen Therapie nicht recht voran kam, ohne Wissen der Patienten telefonisch den englischen Heiler Harry Edwards (-3-) einschaltete und dann oftmals eine ganz plötzliche Wende im Krankheitsgeschehen feststellen konnte. Ich weiß natürlich, daß man sehr viel gegen diese subjektiven Beobachtungen der Ärztin einwenden kann. Aber diese Einwendungen lassen sich, wenn keine Reihenversuche und vergleichenden Versuche vorliegen, auch gegen jedes Medikament vorbringen. Daher sollte man die Beobachtungen der Ärztin nicht kommentarlos vom Tisch wischen, sondern sie höchstens zum Anlaß nehmen, das Phänomen genauer zu untersuchen.

Die Geistige Heilung ist so gut wie ausschließlich im religiösen Bereich angesiedelt, also dort, wo man das Hereinwirken außerirdischer oder göttlicher Kräfte annimmt oder zumindest für möglich hält. Bei antiken Völkern oder heutigen Naturvölkern (-4-) befaßt sich der Priester oft zugleich auch mit der Krankenbehandlung auf naturheilkundliche und paranormale Weise. Besonders ausgeprägt ist das bei den Völkern, die der Religionsform des sog. Schamanismus angehören. Der Schamanismus ist eine betont spiritistische Religion, die ein unmittelbares Fortleben des Menschen nach dem irdischen Tode annimmt und den Verkehr mit verstorbenen Stammesangehörigen, Naturgeistern und Stammesgottheiten praktiziert. Der Mittler ist dabei der Schamane, ein durch Berufung Auserwählter, der Zutritt zu einem Bereich des Heiligen hat, der für die übrigen Mitglieder der Gemeinschaft unzugänglich ist. In unserer europäischen Terminologie müssen wir heute sagen, daß der Schamane paranormal begabt ist. Parapsychologisch nicht vorgebildete Völkerkundler haben dagegen häufig von Neuropathie, arktischer Hysterie, Epilepsie usw. gesprochen. (-5-)

Der Schamane, aber auch der Medizinmann und Priester nichtschamanischer Religion z. B. in Afrika, bedient sich bei der Krankenbehandlung paranormaler Praktiken, im Volksmund gemeinhin Magie genannt. Das befähigt ihn oft, eine Heilung herbeizuführen, wie es der westliche Mediziner manchmal gar nicht oder nicht so schnell oder nur mit Medikamenten kann. So gelingt z. B. gelegentlich das unmittelbare sofortige Zusammenheilen gebrochener Gliedmaßen ohne Schienung. (-6-) Oder die sofortige Heilung bei Biß durch tödlich wirkende Giftschlangen (-7-), selbstverständlich ohne Serumbehandlung. Parallelfälle dazu gibt es aber auch im christlichen (-8-) und mohammedanischen Bereich. (-9-)

Im Urchristentum ist die Krankenbehandlung noch als religiöse Betätigung angesiedelt. So heißt es im Brief des Jakobus:

Jakobus 4, 14:
"Ist Jemand unter Euch krank, so lasse er die ältesten der Gemeinde zu sich kommen; diese sollen dann über ihm beten, nachdem sie ihn im Namen des Herrn mit Öl gesalbt haben. Alsdann wird das gläubige Gebet den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm Vergebung zuteil werden."

Die katholische Kirche hat diese Anweisung zum Sakrament der letzten Ölung umgewandelt, zu der ein Lexikon der katholischen Religion sagt: "In der letzten Ölung wird der dem Tode nahe Christ dazu geweiht, daß er in der freiwilligen Darbringung seines Lebens das häufig in der Eucharistie vollzogene Mitopfer mit Christus im eigenen Tod endgültig wahr mache. Wird in diesem Sakrament u. U. auch leibliche Gesundung bewirkt, so hat auch dann Gott das Opfer angenommen, in dem ja das Leben der Entscheidung Gottes überantwortet worden ist." Erst in neuer Zeit hat die katholische Kirche aus diesem geistlichen Beistand für Sterbende durch Umbenennung der Bezeichnung in Krankensalbung auch eine Hilfe für nicht unbedingt Sterbende gemacht.

An sog. Wunderstätten, z. B. in Lourdes in Südfrankreich, treten im katholisch-christlichen Bereich ebenfalls paranormale Heilungen auf, ohne daß hier allerdings ein bestimmter menschlicher Heiler anwesend oder erkennbar ist. Der Anteil der körperlich Geheilten unter den vielen Heilungssuchenden ist zwar gering, aber doch nicht zu vernachlässigen. Interessant ist dabei aber, daß unter den Heilungen ganz bestimmte Krankheiten ausgespart bleiben wie Zuckerkrankheit, schwere Nierenleiden und Krankheiten des Blutsystems. Zuckerkrankheit und Nierenleiden sind aber Krankheiten, die bei philippinischen Heilern relativ häufig geheilt werden.

Sind also in der katholischen Kirche noch Reste einer Geistigen Heilung vorhanden, z. B. auch bei sog. Charismatischen Gemeinschaften, so haben alle evangelischen und reformierten Kirchen nur in Sonderfällen derartiges aufzuweisen.

Dagegen ist die Geistige Heilung in einigen christlichen Sekten und anderen christlichen Randgemeinschaften sehr stark vertreten, z. B. bei der Christlichen Wissenschaft und bei allen christlichen spiritistischen oder spiritualistischen Gemeinschaften, die es auf der ganzen Welt gibt. In Europa sind sie sehr stark in England vertreten. Allein London hatte bereits 1965 über 50 spiritualistische Gemeinden. Kleinere Gemeinschaften dieser Art gibt es auch in der Schweiz und in Deutschland. Weiterhin gibt es in Deutschland die christlich geprägte Deutsche Vereinigung für Geistheilung e.V. mit Sitz in Bonn am Rhein. Sie verfügt über ein großes Netz von Gebetsheilern und veranstaltet jährlich Seminare zur Entwicklung der Heilfähigkeit.

Die von philippinischen Heilern hervorgerufenen Erscheinungen und Heilungen, die durch die chirurgieähnlichen Vorgänge besonderes Aufsehen erregen, halte ich für echtes paranormales Naturgeschehen und bin der Überzeugung, daß sie in der Regel nicht durch tricktechnische Täuschung hervorgebracht werden. Zu dieser Auffassung bin ich durch drei Reisen auf die Philippinen ( 1972, 1973 und 1980) gelangt, in deren Verlauf ich eine Vielzahl von sog. Eingriffen und anderen Behandlungsmethoden bei 16 verschiedenen Heilern gesehen habe. Dabei habe ich 16 mm-Filmaufnahmen von über 2000 m Länge gemacht und etwa 200 Dias aufgenommen. Die Filmaufnahmen habe ich eingehend (auch im Standbild) analysiert und auch durch einen schweizerischen Trickexperten begutachten lassen. Weder dieser Trickexperte noch ich konnten Hinweise auf Täuschung entdecken. Das bedeutet natürlich nicht, daß gelegentlich Heiler, wenn sie in Bedrängnis geraten und Phänomene zeigen sollen, die sich gerade nicht einstellen, auch einmal zur Täuschung Zuflucht nehmen. Nur werden sie das nicht gerade vor der laufenden Filmkamera tun. Ich habe es jedenfalls nicht beobachten können.

Weiter habe ich mit vielen Patienten gesprochen, die in einigen Fällen sogar von schweren langjährigen Leiden geheilt wurden.

Eine Reihe von Ärzten und Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen, welche die Heilvorgänge mit eigenen Augen gesehen haben, bestätigten mir ebenfalls, daß sie das Geschehen für echt und nicht für getrickst ansehen.

Trotzdem darf man die "Eingriffe" der philippinischen Heiler, die ja nur in seltenen Fällen echte Eingriffe (z. B. Durchdringung der Bauchdecke) im Sinne unserer westlichen Chirurgie sind, nicht als eine erweiterte Schulmedizin ansehen. Ich halte sie dagegen für Teile einer archaischen Heilkunde, die aus einer anderen Wirkungsebene in unsere Welt hineinwirkt und die nach uns noch unbekannten Naturgesetzen abläuft.

Weil diese Naturgesetze noch nicht Eingang in unsere heutigen Naturwissenschaften gefunden haben, erscheinen vielen Beobachtern diese paranormalen Vorgänge als nicht glaubwürdig. Sie übersehen aber dabei, daß die heute bekannten Naturgesetze nur einen Ausschnitt aus der gesamten Natur wiedergeben und daß nicht alles Schwindel sein muß, was heute noch nicht erklärt werden kann. Daher werden Schlußfolgerungen, die aus dem Vergleich mit der Schulmedizin gezogen werden, häufig falsch sein.

Die Naturwissenschaften aber sind aufgerufen zu erforschen, welche Gesetzmäßigkeiten hinter diesen Heilbehandlungen verborgen sind.

 

 

2. Der christliche Spiritismus auf den Philippinen

Die Philippinen sind ein tropischen Reich Südostasiens von mehr als 7.100 Inseln und fast 300.000 Quadratkilometer Fläche im Pazifischen Ozean. Etwa 60 Millionen Einwohner leben auf dem Inselreich und vermehren sich jährlich um eine Million Menschen.

Philippinen

 

Ureinwohner aus prähistorischer Zeit sind die Neritos, kleinwüchsige Waldbewohner und einfache Jäger. Seit der Neusteinzeit (vor etwa 8.000 Jahren) sind 6 Jahrtausende hindurch Indonesier mongolisch-kaukasischer Abstammung auf dem Seeweg eingewandert. Ihnen folgten ab 200 v. Chr. bis 1.500 n. Chr. malaiische Völkerschaften. Etwa 80 verschiedene Dialekte werden auf den Philippinen gesprochen, von denen sechs besondere Bedeutung haben. Die Bewohner der Philippinen stammen also größtenteils von Völkerschaften ab, die dem Religionskreis des Schamanismus angehören.

Als 1521 der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan die Philippinen im Dienste Spaniens entdeckte und der spanische Admiral Legaspi 1565 Cebu und 1571 Manila für seinen König Philipp II. eroberte, begann die Christianisierung des größten Teils der philippinischen Bevölkerung, die vorher schon weitgehend islamisiert war. In Manila wurde eine eindrucksvolle Kathedrale erbaut, und ein Denkmal, das Legaspi zusammen mit dem spanischen Missionar Urdaneta darstellt, steht heute noch in Manila.

Das Christentum wurde im Laufe der Jahrhunderte nicht etwa nur oberflächlich angenommen, sondern verwurzelte sich tief im religiösen Empfinden des Volkes. Ein Rest auf den südlichen Inseln blieb allerdings islamisch. Ende des 19. Jahrhunderts fand durch die Bücher des Franzosen Allan Karadec der christliche Spiritismus Eingang in die Kreise der philippinischen Intelligenz. Die Lehren Kardecs besagen u. a., daß der Mensch im Anschluß an seinen irdischen Tod unmittelbar in einer anderen, feinstofflichen Welt weiterlebt und daß zwischen unserer grobstofflichen und dieser feinstofflichen Welt vielfältige Wechselwirkungen und insbesondere ein Nachrichtenaustausch möglich sind.

Die christlich-spiritistischen Gruppen bildeten sich unter der spanischen Herrschaft mangels Religionsfreiheit nur im Geheimen. Erst nach Einführung der Religionsfreiheit durch die Amerikaner wurde 1905 eine gemeinsame Gesellschaft, die Union Esperitista Cristiana de Filipinas gegründet. Sie umfaßt heute mehr als 500 Gemeinden im ganzen Land, die ihre Gottesdienste in teils sehr kleinen und bescheidenen Kapellen abhalten, teils aber auch schon über ansehnliche kirchenähnliche Gebäude verfügen. Die sonntäglichen Gottesdienste sind oft von feierlichem Gesang umrahmt. Die religiösen Ansprachen werden teils von leitenden Gemeindemitgliedern gehalten, teils erfolgen sie aber auch als Trance-Rede durch Medien, also durch Menschen, die unter dem Einfluß jenseitiger Wesenheiten sprechen und handeln.

 

 

3. Die paranormale Heilung auf den Philippinen (Film Nr. 1)

Manche Glieder der spiritistischen Gemeinden betreiben in großem Maße die Geistige Heilung, d. h. die paranormale Heilung von Körperschäden und Krankheiten. Diese erfolgt sowohl als Bestandteil der Gottesdienste als auch als normale Krankenbehandlung, und zwar im Sinne des Dienstes am Nächsten. Aus dieser Auffassung resultiert auch die Einstellung der Leitung der Union Esperitista Cristiana de Filipinas, daß diese Behandlung grundsätzlich kostenlos zu erfolgen habe nach dem Gebot des Neuen Testamentes, wo es heißt:

Matthäus 10, 8:
"Heilt Kranke, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus: Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst sollt ihr's auch weitergeben!"

Prof. Tolentino, Bildhauer von Beruf und langjähriger Präsident der Union Esperitista Cristiana, wachte, solange er lebte (gest. 1976), streng darüber, daß Heiler kein Geld verlangten, sondern höchstens freiwillige Gaben zur Bestreitung des Lebensunterhaltes annahmen. Er scheute sich auch nicht, Heiler, die gegen dieses Gebot verstießen, aus der Union auszuschließen. Das führte dann allerdings dazu, daß solche Heiler ihre eigenen Kirchen gründeten.

Bei der auf den Philippinen ausgeübten Geistigen Heilung handelt es sich um Gebetsheilung, Auflegen der Hände und, von einem bestimmten Zeitraum an, um quasichirurgische, d. h. chirurgieähnliche Behandlungsmethoden, die manchmal in blutigen Eingriffen in den vorher äußerlich intakten Körper des Patienten bestehen. Hierbei wird der Körper aber nicht wie in der normalen Chirurgie mit dem Messer eröffnet, sondern diese Eröffnung geschieht entweder durch knetende Bewegungen der bloßen Hände oder bei einem Heiler nur mittels einer Fingerbewegung durch die Luft. Selbst bei tiefgehenden Eingriffen wird der Patient nicht narkotisiert und hat trotzdem nur erträgliche oder gar keine Schmerzen. Es erfolgt keinerlei nennenswerte Desinfektion. Trotzdem werden keine Entzündungen beobachtet. Blutgefäße werden zwar bei den Eingriffen eröffnet, aber nicht durch eine Naht geschlossen oder abgebunden. Trotzdem erfolgen keine erheblichen Blutungen, selbst dann nicht, wenn der Eindruck entsteht, daß stark durchblutete Gewebeteile aus dem Körper des Patienten entfernt werden. Die durch die Hände des Heilers erzeugte Wunde wird nach dem Eingriff nicht vernäht, sondern schließt sich im allgemeinen nach Entfernung der Hände von selbst, ohne daß eine Narbe sichtbar bleibt. Auch während des Eingriffs ist im allgemeinen kein Wundrand im Sinne der normalen Chirurgie wahrnehmbar, weil die Haut und die Gewebeteile des Patienten an den Händen des Heilers eng anliegen und sich sofort schließen, sobald die Hände entfernt werden.

Bild 1:
Der Heiler Tony Agpaoa 1971 bei der Entfernung eines Gewebeteils aus dem Leib einer Patientin. Man beachte den kleinen Krümmungsradius der Bauchhaut am Zeigefinger der rechten Hand (Pfeil). Wenn die Haut nur eingedrückt wäre, müßte der Krümmungsradius größer sein. Aufnahme der Heilpraktikerin Sigrun Seutemann.
Heiler Tony Agpaoa 1971 bei der Entfernung eines Gewebeteils aus dem Leib einer Patientin.

Bei den Eingriffen wird oft blutiges organisches Gewebe zutage gefördert, und blutige Flüssigkeit wird sichtbar. Die Heiler sind dabei der Auffassung und legen das auch ihren Patienten nahe, daß es sich bei den entfernten Gewebeteilen um Tumore oder krankmachende oder schädliche Stoffe aus ihrem eigenen Körper handelt. Dadurch, daß sie diese für den Kranken sichtbar werden lassen, üben sie auf ihn, neben einer paranormalen Heilwirkung, einen starken zusätzlichen psychischen Reiz zur Gesundung aus. Taschenspielerische Tricks sind nicht erkennbar und lassen sich weitgehend ausschließen. Dafür ist aber die Frage nach der naturwissenschaftlichen, medizinischen und parapsychologischen Natur der Vorgänge um so wichtiger.

Zu untersuchen ist auch die Art der in Erscheinung tretenden Gewebeteile und in welchem Zusammenhang sie mit den zu behandelnden Krankheiten stehen. In welchen Fällen wird der Körper der Heilungssuchenden im Sinne der Schulmedizin wirklich eröffnet?

Die Filme zeigen, daß die Hände der Heiler die Haut und die Bauchdecken der Patienten oft nicht wirklich durchstoßen. Das unter den Händen der Heiler zutage tretende Gewebe und die blutige Flüssigkeit müssen daher nicht notwendigerweise dem Körper des Patienten entstammen. Es kann paranormal, also unsichtbar, von irgendwoher durch unbekannte Kräfte herangebracht worden sein. Man spricht in diesem Zusammenhang von sog. Materialisationen und meint damit das in der Parapsychologie auch sonst bekannte Phänomen, daß vorher nicht wahrnehmbare Materie durch einen paranormalen Vorgang vorübergehend oder dauernd sichtbar und fühlbar wird. Man nennt so etwas auch Apport.

Diese so beschriebene sog. paranormale Chirurgie hat mit der üblichen schulmedizinischen Chirurgie nur eine äußere Ähnlichkeit. Der Wirkungsmechanismus zur Heilung der Krankheiten ist aber wahrscheinlich meist ein anderer. Die medizinische Chirurgie beseitigt mechanisch Krankheitsursachen und stellt dadurch die normale Körperfunktion wieder her. Die paranormale Chirurgie der sog. Geistigen Chirurgen beseitigt dagegen nicht immer mechanisch eine Krankheitsursache, sondern setzt meist einen uns noch unbekannten Heilungsprozeß in Gang, der oft in sehr kurzer Zeit zur teilweisen oder völligen Gesundung führt. Das paranormale chirurgische Geschehen erscheint dabei vom Standpunkt des Schulmediziners aus gesehen, als begleitendes Beiwerk.

Wenn z. B. ein Heiler (Marcelo Jainar) mit den bloßen Händen stark sichtbare Krampfadern mit entsprechenden Beschwerden an den Unterschenkeln einer Frau entfernt, diese nach dem Eingriff nicht mehr sichtbar sind, keine Wunde zurückbleibt und auch keine Beschwerden mehr bestehen, dann muß man hier eine gewisse Parallele zu den chirurgischen Maßnahmen eines Arztes sehen, der mechanisch eine Krankheitsursache beseitigt hat. Das gleiche gilt, wenn ein anderer Heiler (Juan Blance) mit der bloßen Hand Fibrome und Atherome unter der Haut entfernt, wie es im Film gezeigt wird. Auch das Ziehen von Zähnen durch leichten Fingerdruck gehört zur Alltagstätigkeit eines philippinischen Heilers und bietet Parallelen zur ärztlichen Tätigkeit in der Beseitigung der Krankheitsursachen. Wenn dagegen eine Zuckerkrankheit durch einen quasichirurgischen Eigriff ein indifferentes Gewebeteil aus dem Leib entfernt wird oder bei einer Entzündung des Gallengangssystems in der Leber (Cholangitis) ein daumengroßes Stück Leber entfernt wird (Agpaoa) und darauf in beiden Fällen sofortige und dauernde subjektive und objektive Heilung der Beschwerden eintritt, wird der Schulmediziner verständnislos daneben stehen. Für ihn erscheinen derartige Eingriffe chirurgisch als sinnlos. Er wird sie höchstens als eindrucksvolle Psychotherapie werten, was sie möglicherweise zur Unterstützung der Behandlung auch sein können.

Man muß aber sagen, daß ein endgültiges Urteil beim heutigen Stande des Wissens nicht möglich ist. Jedoch sind alle Vorgänge, die in den Filmen zu sehen sind, nicht völlig neu und völlig isoliert, sondern sind von der Parapsychologie, der Wissenschaft, die diese Dinge untersucht, auch schon zu früheren Zeiten und an anderen Orten in ähnlichen oder anderen Zusammenhängen als Naturvorgänge beobachtet worden. Übrigens erfolgen die quasichirurgischen Eingriffe der philippinischen Heiler nicht immer nur mit den bloßen Händen, sondern oftmals werden nach Eröffnung des Leibes Pinzetten, Kornzangen, Scheren und Löffel zur weiteren Arbeit zur Hilfe genommen. Alle Geräte sind aber unsterilisiert, und eine Anästhesierung (Schmerzbetäubung) oder Narkotisierung der Patienten erfolgt nie. Weiter fiel mir bei der visuellen und filmischen Beobachtung einer Reihe von Eingriffen auf, daß das entfernte Gewebestück von dem Heiler nicht aus der Tiefe herausgeholt wurde, sondern, allem Anschein nach, von allein aus dem Leib heraus an die Oberfläche des Körpers kam, quasi herauswuchs, und dort entfernt wurde.

 

 

4. Die Anfänge der paranormalen Chirurgie auf den Philippinen

Die philippinischen Heiler verfügen nicht über nennenswerte schulmedizinische Kenntnisse. Sie fühlen sich selbst auch nicht als die eigentlich Handelnden, sondern sind der Auffassung, daß sie Werkzeuge und Mittler jenseitiger Mächte und Wesenheiten sind. Sie sprechen dabei von holy spirits. Diese sind diejenigen, die sie während ihrer Eingriffe und Heilungsprozeduren leiten, lenken und ihre Hände ansteuern.

Man denke aber nicht, daß auf diese Weise jeder Kranke gesund gemacht werden kann. Wie in der normalen Medizin gibt es auch bei der Geistigen Heilung und der paranormalen Chirurgie zahlreiche Versager. Jedoch zeigt die Geistige Heilung so bedeutsam noch unerforschte Vorgänge, daß diese nach ihrer genauen Erforschung unser naturwissenschaftliches Weltbild in erheblichem Maße erweitern werden.

Die ältesten Heiler, von denen blutige Eingriffe berichtet werden, sind Francisco Sarmiento und Eleuterio Terte. Beide sind inzwischen verstorben. Sarmiento lebte in San Manuel bei Tarlac in der Provinz Pangasinan auf Luzon. Er ist nach eigenen Angaben am 19.10.1901 geboren, war Spiritist seit 1922 und führte quasichirurgische Eingriffe seit 1945 durch. Terte lebte zuletzt in San Fabian in der Provinz Pangasinan auf Luzon. Er ist am 25.02.1905 geboren. 1925 heiratete er eine Spiritistin, war selbst zunächst jedoch kein Spiritist. Im Jahre seiner Heirat wurde er sehr krank, konnte aber durch Ärzte keine Hilfe erfahren. Eines Nachts betete er innig um göttliche Hilfe. Darauf hatte er die Vision zweier Engel, die ihm sagten: "Bruder Terte, wenn du die Kraft zu Heilung annimmst und du willens bist, anderen Menschen aus Nächstenliebe zu helfen, wirst du am nächsten Morgen gesund sein." Terte leistete dieses Versprechen und gesundete darauf. Er schloß sich dann der spiritistischen Gemeinde seiner Frau an und begann alsbald seine Tätigkeit als faith healer. Man beachte bei diesem von Terte selbst berichteten Berufungserlebnis die Ähnlichkeit zu Berufungserlebnissen von Schamanen, Religionsstiftern (Mohammed und Zarathustra) und Propheten.

Terte übte seine Heilertätigkeit bis zum zweiten Weltkrieg aus. Die Unterbrechung erfolgte, weil er Soldat wurde. Nach dem Krieg erkrankte er erneut sehr schwer, hatte wiederum die Vision von Engeln, die ihn erneut zur Heilertätigkeit aufforderten. Danach führte Terte seinen ersten blutigen Eingriff in St. Fabian in der Provinz Pangasinan aus. Die Öffnung des Leibes war ihm zunächst nur mit einem Messer möglich. Es erfolgte alsbald eine Anzeige und Anklage wegen ungesetzlicher Ausübung der Heilkunde, denn auf den Philippinen ist, wie bei uns, die Ausübung der Heilkunde nur den approbierten Ärzten vorbehalten. Doch drückt man im allgemeinen ein Auge zu, da mangels gesetzlicher Krankenkasse ein großer Teil der Bevölkerung sich keinen Arzt leisten kann und auf Heiler geradezu angewiesen ist. Die Heiler erfüllen daher, da sie ja meist unentgeltlich arbeiten oder nur ganz geringe freiwillige Gaben von 20 bis 50 Pfennig erhalten, eine gewichtige soziale Aufgabe. Daher wurde auch Terte vor Gericht freigesprochen. Danach entwickelte sich aber bei ihm die Fähigkeit den Körper der Patienten mit den bloßen Händen öffnen zu können, wobei sich nach jedem Eingriff der Körper wieder narbenlos schloß.

Terte übte seine Heilertätigkeit bis zu seinem Tod aus, wobei allerdings die blutigen Eingriffe gegenüber unblutigen Behandlungsformen stark zurückgetreten sind. Er war auch der Lehrmeister einiger jüngerer Heiler.

 


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