Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema:

Der Einfluss der Trauer auf Verstorbene (3)



   

12. Der verstorbene Mann erscheint seiner Frau

Auch das folgende Beispiel wurde mir von der Betroffenen, in diesem Fall einer Witwe, persönlich erzählt. Am 23. September 1990 rief mich eine Frau Gertrud Reisch aus Bogen bei Straubing an und berichtete mir zunächst telefonisch und später auch schriftlich ihre Erlebnisse und schrieb dazu:

"Hier mein Erlebnis. So wahr ich lebe, es hat sich so zugetragen. Sie dürfen sogar meinen Namen angeben, wenn Sie darüber schreiben. Ich bin viel ruhiger geworden, seit ich mit Ihnen gesprochen habe (sie hat mich in Weingarten aufgesucht). Und ich würde doch noch so vieles von Ihnen hören wollen. Es ist schade, daß ich so weit von Weingarten entfernt wohne."
 

Folgendes hat sich zugetragen:

Am 1. Juni 1990 starb der Ehemann von Frau Reisch im Alter von 65 Jahren an einer Lungenembolie als Spätfolge einer Kriegsverletzung. Herr Reisch war schon mehrere Jahre wegen seiner Kriegsbeschädigung arbeitsunfähig gewesen und war von seiner Frau aufopfernd gepflegt worden. Er war ihr ganzer Lebensinhalt gewesen. Kinder hatte das Ehepaar nicht. Daher war der Schmerz und die Einsamkeit von Frau Reisch riesengroß. Sie konnte sich mit seinem Tod nicht abfinden. Ihr regelmäßiger Gang war zum Friedhof.

Als sie Ende Juli wieder einmal weinend vom Friedhof nach Hause ging, trieb es sie mit großer Kraft in ein Spielwarengeschäft, in dem sie vorher noch nie gewesen war, und von dem sie annahm, daß es nur Geschenkartikel führe. Tatsächlich wurden dort aber auch Zeitschriften angeboten. Frau Reisch wurde innerlich gedrängt, an die Zeitschriftenauslage zu gehen und dort eine einzige Zeitschrift zu kaufen: "Die Astro-Woche". Frau Reisch kannte diese Zeitschrift überhaupt nicht und hatte sich vorher nie für Astrologie interessiert.

Zu Hause angekommen setzte sie sich an den Tisch und schlug die Zeitschrift auf. Ihr Blick fiel auf eine große Überschrift: "Trauer belastet Tote". Dazu muß ich sagen, daß auch mir die Astro-Woche als Zeitschrift völlig unbekannt ist und der Verfasser des nachfolgenden Artikels in gleicher Weise.

Der Aufsatz lautet:


Neueste Erkenntnisse aus der Jenseitsforschung zeigen:

Trauer belastet Tote

Prof. Schiebeler: Jeder Gedanke an sie wirkt wie ein Telefonanruf

Für einen Verstorbenen können der Schmerz und die Verzweiflung seiner Angehörigen "jenseits" zur schweren Last werden. So das Ergebnis der Untersuchung des deutschen Psi-Forschers Prof. Dr. Werner Schiebeler aus Torkenweiler. In Botschaften aus dem Jenseits stieß er immer wieder auf dieselbe Klage: Eine tiefe, anhaltende Trauer von Hinterbliebenen behindere die Seele noch lange, nachdem sie ihren Körper verlassen hat.


Und dann folgt eine längere Abhandlung mit wörtlichen Zitaten aus einer schon früher veröffentlichten Broschüre, und alles ungemein geschickt zusammengestellt. Ich hätte es selber auch nicht besser machen können. Unterzeichnet ist sie von einem Dr. Wilhelm John, der mir völlig unbekannt ist. Nach dem Durchlesen dieses Aufsatzes berichtet Frau Reisch:

"Ich kann es nicht beschreiben, was in mir vorging, als ich diesen Artikel las. Ich bemühte mich, weniger zu weinen. - Etwa 10 bis 14 Tage später, es war August, das Datum weiß ich nicht mehr, kommt mein Mann selbst zu mir.

Es war etwa 04.00 Uhr nachts. Ich höre die Türe aufgehen, wache auf und denke, ich hätte das geträumt, denn ich wohne allein im Hause. In demselben Augenblick setzt sich jemand auf mein Bett, nimmt mich in die Arme, drückt mich ganz fest und küßt mich, so, wie es mein Mann jeden Abend tat, bevor er ins Bett ging, als er noch lebte. Ich schreie auf. 'Liebling, du bist bei mir! - Aber nein, du bist ja tot.' - Im selben Augenblick sehe ich sein Gesicht, obwohl es dunkel war. Ich greife mit beiden Händen nach ihm und fasse auch seine Wangen. Doch er weicht immer weiter von mir weg bis zum Fußende des Bettes. Ich sehe dabei, wie sich sein Fleisch vom Gesicht ziehen läßt, je mehr es sich von mir entfernt. Aber in meinen Händen ist nichts. Plötzlich ist er fort, und ich sitze mit ausgestreckten Armen in meinem Bett. Er sprach kein Wort.

In dieser Nacht fand ich keinen Schlaf mehr. Ich konnte mich nicht beruhigen und weinte und fragte immer wieder meinen Mann: 'Warum hast du mich nicht mitgenommen?' Wir hatten es uns immer versprochen, wenn einer von uns stirbt, holt er den anderen bald nach, wenn es geht. Es war mir auch so, als ob er mich so fest drückte, daß er mich gar nicht loslassen wollte und als ob er sehr traurig war. Aber das war nur so ein Gefühl in mir. Gesagt hat er nichts."  
 

Trotz dieses Erlebnisses und trotz des neu gewonnenen Wissens ist es Frau Reisch noch längere Zeit sehr schwer gefallen, ihre Trauer zu überwinden und ihren Mann loszulassen.
 
 


Im Leid darfst niemals du verzagen

Elisabeth Clüver
1844 - 1884

Im Leid darfst niemals du verzagen,
die Hand hilft allen Kummer tragen,
die dir die Prüfungszeit gesandt
und oft das Leid in Freud gewandt.

Ja, wenn du stets im Glücke wärst,
du weißt nicht, wieviel du entbehrst, -
hätt'st niemals Schmerzen du empfunden,
du kenntest nicht die sel'gen Stunden,
die uns das Leid, die Trübsal gibt,
erst da erkennt man, wer uns liebt.
Erst in des Lebens dunklen Tagen
weiß man von Freundeswert zu sagen.

Und oh, die Träne kennst du nicht,
die aus umflortem Auge bricht,
die lindert unsers Herzens Qualen
und es erwärmt wie Sonnenstrahlen?

Drum trag geduldig du dein Leid,
der liebe Gott kennt seine Zeit.
Er weiß, warum Er's dir gesandt,
warum dich schlug die Vaterhand.

Er wird auch, wann es Zeit Ihm scheint,
das Auge trocknen, welches weint;
und was dir Kummer schien zuvor,
ruft dann Ergebenheit hervor.

 

 

13. Der verunglückte Sohn umarmt seine Mutter

Der folgende Bericht wurde mir von einer Dame mitgeteilt, die ich seit vielen Jahren kenne. Sie hatte zusammen mit ihrem Mann drei Söhne, von denen der jüngste bereits im Alter von sieben Monaten starb. Der älteste Sohn wiederum kam am 5. April 1971 durch einen Unfall ums Leben. Die Dame schreibt:

"Wir waren mit unseren beiden Söhnen eine sehr glückliche Familie. Alles lief wunschgemäß und harmonisch, bis eines Tages unser ältester Sohn mit 20 Jahren in den Bergen durch ein abstürzendes Schneebrett ums Leben kam. Mein ganzes Lebensbild war plötzlich zusammengebrochen. Daß unser Sohn nicht mehr weiterleben durfte, bereitete mir einen unsagbaren Schmerz. Ich wollte diese Tatsache nicht annehmen und konnte ihn nicht loslassen. In dieser Zeit meiner tiefen Trauer und Verzweiflung stand ich eines Tages, es war etwa zwei Monate nach dem Tode meines Sohnes, und ich war allein im Haus, vor dem Treppenaufgang in der Diele unseres Hauses. Da sah ich meinen verstorbenen Sohn die Treppe herunterkommen. Er umarmte mich und sagte: 'Mutti, ich bin so glücklich, ich bin ja so glücklich!' Dann sah ich ihn nicht mehr.

Mich erfüllte plötzlich ein wunderbarer Trost. Das war es ja gerade, was ich wollte, sein Glück und sein Wohlergehen. Gleichzeitig kam mir der Gedanke, daß unser Sohn hier in seinem Leben vielleicht gar nicht glücklich geworden wäre, wie wir es uns gewünscht und vorgestellt hatten. Ich fing nun an, ihn loszulassen und kam zu der Überzeugung, daß unser Schicksal von einer höheren Macht gelenkt wird und das für uns Unbegreifliche wohl erst nach unserem eigenen Tod offenbar werden wird. Der schmerzende Stachel steckt noch in meinem Herzen, obwohl mein Sohn nun schon 24 Jahre tot ist, aber ich glaube, daß Menschen, die hier in Liebe verbunden waren, sich mit Gottes Hilfe wieder finden werden. Diese Hoffnung erfüllt mich mit Trost und Freude."

Auf meine Nachfrage sagte mir die Dame noch, daß sie die Umarmung ihres Sohnes körperlich empfunden habe, so natürlich wie die Umarmung eines lebenden Menschen. Das Verschwinden des Sohnes sei ganz plötzlich erfolgt. Er löste sich also nicht langsam auf.
 
 
 
 

14. Tod beim Untergang der Titanic

Der nächste Bericht stammt von einem Mann, der bei einem Schiffsunglück ums Leben kam. Es handelt sich um den britischen Journalisten William T. Stead (1849-1912), der Mitarbeiter verschiedener englischer Zeitungen war und sich außerdem sehr für Parapsychologie interessierte. Er schrieb einige Bücher über das Gebiet (z. B. "Aus der Alten in die Neue Welt") und war selbst medial veranlagt. In dem Buch "Der Tod, die Brücke zu neuem Leben" (10) habe ich einen Bericht von ihm vorgetragen, in dem er schildert, wie er 1902 zu der paranormal entstandenen Photographie eines 1899 im Burenkrieg gefallenen Burenoffiziers Petrus Johannes Botha gekommen war.

Dieser Stead nahm als Reporter 1912 an der Jungfernfahrt des britischen Passagierdampfers "Titanic" teil, bei der auf der Reise nach Amerika das "Blaue Band" (eine Schiffstrophäe für die schnellste Überfahrt von Europa nach Nordamerika) errungen werden sollte. Infolge leichtsinniger Fahrweise kam es in der Nacht vom 14. zum 15. April im Nordatlantik zum Auffahren auf einen Eisberg. Dabei wurde das als unsinkbar geltende Schiff seitlich aufgeschlitzt und sank innerhalb einiger Stunden, wobei 1517 Menschen den Tod fanden. Darunter war auch William Stead.

Schon zwei Tage nach dem Unglück konnte er durch das Medium Mrs. Wriedt in Detroit genaue Angaben über den Untergang machen. Noch ausführlicher meldete er sich über seine paranormal veranlagte Tochter Estelle Stead. Medial schrieb sie den umfangreichen Bericht ihres Vaters nieder, dem die nachfolgenden Ausführungen entnommen sind (18, S. 15 f):

"Zu Anfang werde ich euch berichten, wo ein Mensch sich nach dem irdischen Tode bei seiner Ankunft in der jenseitigen Welt befindet. Doch vorher möchte ich noch einmal feststellen: Dieses Buch wird nur relativ wenige Menschen interessieren und noch weniger Menschen helfen. Diesen wenigen aber gilt all unser Bemühen, und unser höchster Lohn wird sein, ihnen ein Stückchen weiter vorangeholfen zu haben.

Eines aber möchte ich allen, die dieses Büchlein lesen werden, vor allem anderen besonders nachdrücklich ans Herz legen - den Interessierten wie den Desinteressierten, den Gläubigen wie den Skeptikern: Vergeßt nie, daß ihr noch auf Erden seid und euren irdischen Pflichten in jedem Fall vor allem anderen Aufmerksamkeit zu schenken habt. Das irdische Leben ist schnell vorbei. Jedes Werk, das ihr einmal begonnen habt, sollt ihr zu Ende führen - und es soll wohlgetan sein. Niemals darf man die Gegenwart vernachlässigen zugunsten einer Zukunft, die alle unsere Wünsche zu erfüllen verheißt. Verrichte aus ganzem Herzen, was immer du auch gerade beginnst. Nur in einem stillen Winkel deines Herzens denke an das verheißungsvolle Morgen."

Stead äußerte sich auch über die Schwierigkeiten bei der Durchgabe seiner ersten Botschaften. Er spürte den Kummer seiner Angehörigen, fühlte sich durch ihre Trauer behindert und war froh, sich zunächst bei fremden Menschen kundgeben zu können. Er sagt (18, S. 48):

"Ich kam, wie gesagt, sehr häufig und versuchte, auf verschiedenen Wegen meine Botschaften nach Hause zu senden. Teils gelang es mir, teils nicht. Man ist hier drüben für den Erfolg oder Mißerfolg der Verständigung mitverantwortlich. Es hängt sehr viel von der Arbeit der Jenseitigen ab. So oft ich Erfolg hatte, half ich auch anderen. Ging es mir fehl, bat ich selbst um Hilfe und erhielt sie, vor allem auch deshalb, weil ich schon auf Erden sehr viel Zeit dem Studium der Jenseitswissenschaft geopfert hatte.

Ich möchte nun erzählen, wie ich meine ersten Botschaften durchbekam und woran ich feststellen konnte, daß ich erfolgreich war. Wir hatten alles Notwendige gelernt, das zum engeren Kontaktschluß mit der Erde erforderlich war. Natürlich war ich allein dazu nicht in der Lage und hatte deshalb einen Helfer, den ich hier 'Beamten' nenne. Er begleitete mich bei meinem ersten Versuch. Wir begaben uns also zur Erde. In dem Zimmer, das wir aufsuchten, befanden sich noch zwei oder drei Leute, die sich erregt über das schreckliche Unglück des Unterganges der 'Titanic' und die unwahrscheinlich anmutende Tatsache unterhielten, daß eine Anzahl Menschen gerettet worden war.

Dann hielten sie eine spiritistische Sitzung ab, und der Beamte zeigte mir, wie ich mich bemerkbar machen könne. Die dazu notwendige Macht ist der konzentrierte Gedanke. Ich mußte also versuchen, mich in die Anwesenden 'hineinzudenken'. Ich stellte mich mir noch im Fleische befindlich vor, in der Mitte des Zimmers stehend, während ein starker Lichtstrahl auf mich fällt. Dieses Bild mußte ich in mir festhalten und mich intensiv darauf konzentrieren: Ich war da, und die irdischen Anwesenden hatten sich dessen bewußt zu werden!

Anfangs gelang mir das selbstredend noch nicht, aber nach einigen vergeblichen Versuchen wurde mein eifriges Bemühen vom Erfolg gekrönt: Die sensitiven Sitzungsteilnehmer sahen mich tatsächlich! Vorerst allerdings nur mein Gesicht. Aber das lag an mir, da ich mir bei dem Bild, das ich imaginativ von mir erschuf, nur mein Gesicht geistig vor Augen hielt. Ich konzentrierte mich einfach auf das, was sie am ehesten von mir erkennen würden.

Auf die gleiche Weise sandte ich dann eine geistige Botschaft. Ich stellte mich neben das Medium und konzentrierte mich auf einen kurzen Satz, den ich wiederholt langsam und betont vor mich hin sprach. Das praktizierte ich unter ständiger intensiver Konzentration so lange, bis das Medium den Satz teilweise aussprach. Daran konnte ich also erkennen, daß ich endlich Erfolg hatte, und ich muß bekennen, daß es mir relativ leicht fiel. Nun, ich kannte ja genau die Eigenarten der an der Sitzung beteiligten Menschen und die Bedingungen im Séanceraum. Viele jedoch, die kein so umfangreiches 'Fachwissen' von ihrem Erdenleben mitbrachten, konnten beim ersten Versuch keinerlei Eindruck bei den Séanceteilnehmern hinterlassen.

Bei dieser eben beschriebenen Sitzung war keiner meiner irdischen Familienangehörigen zugegen. Sie hätten mir zu jener Zeit auch wahrscheinlich jede Verbindung unmöglich gemacht, da ich ihren Kummer um meinen plötzlichen Tod sehr stark mitfühlte und deshalb nicht fähig gewesen wäre, mich ganz objektiv auf die Verbindung zu konzentrieren. Hier war mir das möglich - die ganze Atmosphäre war unpersönlich, und nichts wirkte ablenkend. Es war sehr vorteilhaft für die weitere Entwicklung, daß dieser erste Versuch nur eine Probe darstellte, um zu zeigen, ob es mir gelingen würde, bei mir zu Hause durchzudringen."

Stead läßt sich nun noch weiter über die Kraft der Gedanken aus und berichtet:

"Bei ihrem Bemühen, eine beweiskräftige Form der Verbindung zwischen Erde und Jenseits zu erreichen, haben die Menschen ihr Hauptaugenmerk immer auf die Möglichkeit der Wiederkehr bzw. Rematerialisation der verstorbenen Persönlichkeit gerichtet. Es fällt ihnen zumeist sehr schwer, jede andere, noch so zwingende Beweise vermittelnde Methode der Manifestation jenseitiger Intelligenzen zu akzeptieren. Diese vorgefaßte Meinung läßt sie sehr häufig den hervorragenden Wert direkter Gedankenverbindung - die sehr viel persönlicher und von äußeren Umständen unabhängiger ist, als andere Formen - verkennen oder gar geringschätzen. Diese spezifische Form der Jenseitsverbindung schaltet aber eine ganze Reihe wesentlicher Fehlerquellen von vornherein aus, wie zum Beispiel die Verfärbung der Botschaft durch das Bewußtsein eines fremden Mediums oder anderer Sitzungsteilnehmer mit all ihren geistigen Gegensätzen und persönlichen Vorurteilen.

Die persönliche Gedankenvermittlung oder -übertragung ist eine viel wirksamere, besonders unmittelbare und eindrucksvolle Art der Verbindung, als von der Mehrheit der gläubigen Spiritisten gemeinhin angenommen wird. Konzentrierst du dich auf den Geist irgendeiner abgeschiedenen Person, so entwickelst du eine lebendige aktive Kraft, die wie eine elektrische Schwingung den Raum durchstößt. Nie wird sie ihr Ziel verfehlen.

Alle im Jenseits Lebenden sind ungleich viel sensitiver als die Erdenmenschen. Wird also ein zielgerichteter Gedanke an uns abgesandt, wirkt er wie ein tatsächlicher Telefonanruf, und wir sind praktisch immer in der Lage, mit der sendenden Person in Kontakt zu treten.

Befinden wir uns räumlich in der Nähe einer irdischen Person, sind wir fähig, uns ihrem Zustand weitgehend anzupassen und sie dann mit unseren Gefühlen und Gedanken zu beeindrucken. Höchst selten allerdings wird die betreffende Person unseren Einfluß als solchen erkennen, sondern vielmehr die auf sie einströmenden Ideen und Vorstellungen als eigene Produktion oder vielleicht als Halluzinationen betrachten. Nichtsdestoweniger wird der Erkennende überrascht sein von der Fülle an Informationen und geistigen Hilfen, die man auf diesem Wege empfangen kann. Das ist nun nicht nur auf diejenigen, die an die Realität dieser Beeinflussung aus dem Jenseits glauben, anwendbar.

Wären sich die Erdenmenschen über die Wirkungen ihrer auf eine bestimmte jenseitige Person gerichteten Gedanken im klaren, würden sie diese weit mehr als bisher unter strenger Kontrolle halten. Es gibt sehr viele Möglichkeiten der Gedankenhaltung, und jeder einzelne Gedanke, gleich welcher Tendenz, wird hier genauestens registriert.

Wenn ich hier behaupte, daß alle Gedanken registriert werden, dürfte das für euch unverständlich oder sogar unglaublich erscheinen. Ich möchte deshalb die Bezeichnung 'alle Gedanken', die nicht ganz zutreffend ist, präziser definieren. An Stelle 'alle Gedanken' müßte man richtiger sagen: 'alle bewußten Gedanken'. Darunter sind alle aktiven - positiven oder negativen - Gedanken, aber nicht die trivialen Gewohnheitsgedanken des Alltages zu verstehen. Die rein persönlichen Gedanken sind dabei, wie schon gesagt, solange bedeutungslos, als sie sich nicht zu einer behindernden und damit zerstörenden Breite auswachsen. Da es viele Menschen einfach für unmöglich halten, daß alle ihre bewußten oder 'direkten' Gedanken registriert werden und bei der angesprochenen Person oder Sache konkrete Wirkungen auslösen können, um schließlich auf den Auslösenden selbst zurückzufallen, möchte ich noch einmal mit Nachdruck feststellen: Glauben Sie mir, es ist eine Tatsache!

Ihr spürt doch selbst ganz deutlich den Einfluß der Ausstrahlung einer Person, die extrem unglücklicher oder glücklicher und zufrieden heiterer Stimmung ist. Diese Wirkung wird durch eine entsprechend der geistigen Verfassung verlangsamte oder erhöhte Schwingungskraft der betreffenden Persönlichkeit verursacht. Ihr empfindet also die besonders starken Ströme der Niedergeschlagenheit oder Freude. In sich sind die beiden genannten Extreme von gleich großer Strömungs- oder Strahlkraft. Auf die Menschen aber, die ihrer Wirkung ausgesetzt werden, wirken sie individuell verschieden. Die Außenstehenden selbst werden sich der Rückwirkung ihrer Gedankenkräfte auf ihr eigenes Ich meist nicht bewußt. Trotzdem ist sie in jedem Falle mehr oder weniger stark vorhanden und bleibt dem Gemüt der Betreffenden noch lange nachher stark eingeprägt.

Hier im Jenseits angelangt, müssen die ganzen 'seelischen Aufzeichnungen' noch einmal bewußt von ihrem Träger selbst erfaßt und einzeln durchgearbeitet werden. Kein Richter in Robe und Perücke veranlaßt und überwacht diesen Vorgang, sondern das eigene individuelle Ich. Wir bringen also ein deutliches, vollkommenes oder absolutes Erinnerungsvermögen an unser irdisches Leben ins Jenseits mit.

Hier beginnt ein Verlangen in uns sich zu verbreiten, alles auf Erden durch uns verursachte Unrecht und Leid gutzumachen und auszugleichen, was wir auf Erden durch unbewußte oder bewußte falsche Gedankenhaltung verschuldet haben.

Es ist sehr vorteilhaft in Hinsicht auf die zukünftige Entwicklung eines jeden Menschen, sich diesen Rat zu Herzen zu nehmen und danach zu handeln, auch wenn man im Erdenleben die Tragweite dieser Dinge noch nicht zu erfassen vermag."
 
 

Hier muß ich etwas einfügen. Das von Stead angesprochene "deutliche, vollkommene oder absolute Erinnerungsvermögen" kann sich nur auf Menschen bzw. Verstorbene einer bestimmten Entwicklungsstufe beziehen, der auch Stead angehört und für die er seine Erfahrungen hat, denn wir haben zahlreiche Berichte von Verstorbenen, die nach ihrem Tod mehr oder weniger lange Zeit geistig weitgehend umnachtet waren und oft nicht einmal mehr ihren irdischen Familiennamen und ihr Geburtsdatum wissen.

Stead berichtet dann weiter:

"Ich wünschte, daß ein jeder sich die möglichen Resultate seiner gedanklichen und materiellen Handlungen klar vor Augen hielte - das Unglück, das er anderen bereitet und vor allem die schwere Gewissensnot, die sein Handeln ihm selbst im Jenseits verursacht, wenn er die ganzen Zusammenhänge klar übersieht.

Vergeßt also nie, daß eurer Geist einer Vorratskammer gleicht, die alles Geschehene für euer jenseitiges Leben aufbewahrt. Alles, was euch im nachtodlichen Leben widerfährt, ist eine direkte Folge davon, inwieweit ihr eure Gedanken und niederen materiellen Triebe beherrschen lerntet. Notwendig für euer zukünftiges Glück ist es, Geist und Seele über den Körper und die Materie herrschen zu lassen. Es liegt bei euch, zu entscheiden, ob euch das möglich ist.

Wenn du bereit bist, für all deine Handlungen im Jenseits die Rechnung zu bezahlen, dann fahre ruhig in gewohnter Weise fort. Sei aber sicher, daß dir hier kein weiterer Kredit gegeben wird. Du mußt bezahlen! Wenn du aber nur halb so praktisch denkst, als jeder von euch zu denken glaubt, dann wirst du meinem Rat folgen und dein seelisch-geistiges Leben über das materielle Herr sein lassen. Es wird dich sicher und freudevoll geleiten, auch wenn du vielleicht der Meinung bist, daß das zu religiöser Askese führen müsse.

Diese Vorstellung ist aber falsch!

Die Entfaltung deines seelischen und geistigen Lebens erschließt dir ein Dasein köstlicher Freude schon auf Erden, aber es hält dich im Zaume und vermag dich zu bremsen, wo fleischlicher Trieb dich zu Handlungen treibt, die im Jenseits teuer und bitter zu bezahlen sind."
 
 
 
 

15. Die Trauer als Fessel im Jenseits

Der Engländer James Lees (1849-1931), der viele Jahrzehnte als Sprech- und Materialisationsmedium wirkte, berichtet in seinem Buch "Die Reise in die Unsterblichkeit" ein Gespräch zwischen zwei Verstorbenen. Der eine erzählt über den Zustand nach dem Tode (5, Bd. I, S.49):

"So werden beispielsweise viele, lange nachdem der Einfluß des Körpers überwunden ist, dadurch in seelischen Fesseln gehalten, daß ihre Lieben auf der Erde um sie trauern."

"Wie ist das möglich?"

"Ich sagte dir schon, daß Liebe die größte Kraft ist, die wir kennen. Die Seele unterliegt ihrem Einfluß, sobald sie den Körper verläßt. Der Kummer der Hinterbliebenen auf Erden hat daher einen starken Einfluß auf die vom Körper gelöste Seele, er ist wie ein Anker, der ihren Geist an die Erde fesselt. Es bereitet uns manchmal große Schwierigkeiten, diesen schädlichen Einflüssen entgegenzuwirken. Die Zurückgebliebenen würden sich ganz gewiß weniger haltlos dem Schmerz hingeben, könnten sie nur einmal Zeuge davon sein, welche Wirkung er auf den Hinübergegangenen ausübt."
   
 
 
 

16. Die Not der Hinterbliebenen zieht einen Verstorbenen zurück

Manchmal ist es auch tiefste Not der zurückgelassenen Angehörigen, die Verstorbene dazu bringt, wieder zur Erde zurückzukehren, sich medial mitzuteilen und Hilfe für die Angehörigen zu erbitten. Eine solche Begebenheit geschah in dem Kreis um die bereits erwähnte Grazerin Maria Silbert. Der Ingenieur Rudolf Sekanek schreibt in seinem Buch (16, S. 84):

"Dr. Gangl und Frau Felser-Schuller berichten uns folgenden Fall: In der Sitzung vom 15. Mai 1917 meldete sich der Geist eines gefallenen Soldaten und bat um Hilfe. Leutnant Rittmann (der am 12.7.1950 in Innsbruck verstorbene Arzt Professor Dr. Rudolf Rittmann) befragte diesen, und am Ende seines Interviews hatte er sich folgendes notiert: Johann Haas aus Rottenmann - Soldat - gefallen in Rußland - erfleht für seine hinterlassene Frau mit acht Kindern Hilfe - diese seien in größter Not, dem Verhungern nahe. Rittmann ging der Sache nach, und schließlich bescheinigte ihm das Gemeindeamt Rottenmann im Bezirk Murau die Identität seiner Angaben. Er schrieb am 19. Juni dorthin und erhielt von der Witwe folgende Antwort:
 
 

'Hedwig Haas in Rottenmann
Bezirk Murau, Obersteiermark
Rottenmann, am 25.6.1917

Hochgeehrtsamen Herrn Rittmann, Rudolf, Graz

Antwortlich Ihres lieben Schreibens von 19. d. M. teile den geehrten Herrn Rittmann folgendes mit. Ja bitter traf mich samt Kindern die Kunde vom Tode meines geliebten Mannes. Er fiel bei Rabarnaska in Rußland am 8. August 1916 durch eine Granate. Mit feuchtem Auge erinnere ich mich jeden Tag an den Armen. Er hinterließ eine Witwe mit 5 Kindern. Es waren 8, sind aber 3 gestorben. Mein Mann erhielt nach dem Tode die kleine silberne Medaille, und ich möchte bittend um Rat fragen, ob ich keinen Anspruch auf dessen Zulage hätte. Habe eine Keusche (kleines Bauernhaus) mit etwas Gemüse, muß halt trotzdem bereits alles kaufen, ja es ist wirklich bitter für mich, den Ernährer der Familie verloren zu haben. Aber alles Trauern ist umsonst, wenn ich nur die Kinder durchbringe, so gut es geht, aber hoffen können sie von mir nie etwas. Drei Kinder sind unversorgt, die zwei älteren stehen im Dienste meiner Verwandten. Sollte es vielleicht eine Möglichkeit geben, durch Ihre Mühe und Güte von irgendeiner Seite eine weitere Unterstützung zu erhalten. Ich wäre Ihnen freilich ewig dankbar. Ich bin halt für so etwas zu wenig, um den rechten Weg zu finden. Meine Bitte auf das untertänigste wiederholend, schließe ich mit aller Hochachtung ergebenst

Hedwig Haas.'

Es war ein eingeschriebener Brief mit der Aufgabenummer: Murau 754. Da Leutnant Rittmann wieder ins Feld mußte, übergab er die Angelegenheit dem Professor Walter. Dieser nahm sich nun der armen Witwe an, machte die nötigen Gesuche an die Behörden und hatte Erfolg. In einem Brief von 19.8.1917 bedankte sich die Witwe:
 
 

'Euer Wohlgeboren!

Teile untertänigst mit, daß Ihr wertes Ansuchen mit Erfolg begleitet war und spreche Ihnen und Herrn Leutnant Rittmann meinen tausendfachen Dank aus, in meinem Namen und im Namen meiner Kinder. 50 Kronen wurden mir vom Kuratorium des Steiermärkischen Witwen Kriegsschatz zuerkannt. Bitte vielmals um Bekanntgabe der Adresse des Herrn Lt. Rittmann, daß ich ihm den schuldigen Dank schreiben kann.

Hochachtungsvoll und freundlich grüßend

dankschuldige Witwe Hedwig Haas.'"
 
 


Wozu der Schmerz?

Elisabeth Clüver
1842 - 1884

Der liebste Wunsch des Herzens
der bleibt oft unerfüllt.
Was wir so heiß ersehnet,
wie oft bleibt's ungestillt!

Wovon wir Freude hofften,
wie oft ist's eitel Schein.
Wie legtest oft dein Glück du
in einen Sarg hinein.

Wie sollt es auch wohl werden,
wenns stets nach Wunsche ging?
wenn an den Lebensfreuden
dein ganzes Herze hing?

So weist die Hand des Vaters
dich auf den Himmel hin,
wo einst die reinsten Freuden
für deine Seele blüh'n.

So zieht er von der Erde
beizeiten schon dein Herz
läßt's einst in Frieden brechen
und führt es himmelwärts.



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