Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Der Einfluss der Trauer auf Verstorbene (7)


   

23. Folgerungen für Hinterbliebene

Welche Folgerungen kann man aus diesen Geschehnissen ziehen?

Man bedenke, daß der von unserer Erde abgeschiedene Norbert 1988 nach unseren irdischen Maßstäben bereits 22 Jahre alt gewesen wäre. Seine Äußerungen an jenem Abend aber deuten auf den Stand eines Dreizehnjährigen, wie er es bei seinem Tod war.

Diese verhängnisvolle Bindung erregte offensichtlich auch in der jenseitigen Welt Mitgefühl, so daß höhere Instanzen die eindrucksvolle Zusammenkunft am 26. August 1988 in die Wege leiteten. Wir Menschen hätten ein solch seltsames Zusammenspiel normalerweise als "Zufall" angesehen.

Natürlich kann nicht nur eine starke Mutter-Kind-Bindung den Verstorbenen an seinem weiteren Fortkommen in der jenseitigen Welt (wie auch auf dieser Erde) hindern, sondern jede andere übertriebe starke Bindung im Sinne einer Fesselung in gleicher Weise.

Wenn Sie daher einmal in die Lage kommen sollten, einen geliebten Menschen durch den Tod zu verlieren, handeln Sie bitte anders, als es in diesem Kapitel beschrieben wurde.    

 

 

24. Das hilfreiche Wirken einer Ärztin

Durch einen Brief von einer deutschen Ärztin erfuhr ich, daß sie Sterbenden und Trauernden hilfreich beisteht und letztere anregt, ihre verstorbenen Angehörigen in Frieden ziehen zu lassen. Sie schrieb mir am 28.8.1996:
 
 

"Sehr geehrter Herr Professor Schiebeler!

Mit großem Interesse las ich Ihren Artikel 'Der Einfluß der Trauer auf Verstorbene'. ("Die Andere Realität", Nr. 4) Als christliche Spiritualisten haben mein verstorbener Mann und ich in unseren beiden Praxen uns immer darum bemüht, Sterbenden auch spirituell beizustehen und dann die Hinterbliebenen darin zu unterstützen, die Vorausgegangenen in Liebe und Dankbarkeit gehen zu lassen. Wie haben dadurch ganz sicher so manch einem Vorausgegangenen den Ablösungsprozeß von der übertriebenen Trauer der Hinterbliebenen erleichtern können. Wir haben mit Trauernden viele Gespräche geführt und sie an ihre Verpflichtung erinnert, den Verstorbenen in eine bessere Jenseitswelt freizugeben. Schließlich waren sie ja auch im irdischen Leben stets besorgt um das Wohlbefinden des Partners gewesen. Aber das freiwillige Loslassen eines geliebten oder auch weniger geliebten Menschen füllt oftmals aus vielerlei Gründen sehr schwer.

Vor zehn Jahren wurde bei meinem Mann ein Pancreas-Carcinom diagnostiziert. Für uns Ärzte war damit klar, welche schwere Zeit vor uns liegen würde. Wir schöpften die Kraft aus unserem Glauben und lernten zu erkennen, wieviel geistige Hilfe uns zufloß, nachdem wir aus tiefster Überzeugung beten konnten 'Dein Wille geschehe!'

Wir haben in dieser schweren Zeit viel innere Bereicherung erfahren, und ich bin dankbar dafür, daß ich meinen Mann zu Hause zuende pflegen konnte. Ich hatte in den letzten vier Wochen die eigene Praxis geschlossen, so daß ich meinen Mann ungestört bis zur Schwelle der 'großen Reise' begleiten konnte. Mein Mann war innerlich bereit zu gehen, sein irdisches Leben loszulassen, um wieder in die geistige Welt zurückzukehren. Und er war sicher, daß ich ihn in Liebe begleiten, ihn aber nicht zurückhalten würde. Es ist ein letzter Liebesdienst für einen geliebten Menschen, ihn für seine geistige Weiterentwicklung loszulassen.

Ich bin sicher, daß meine geistige Begleitung meinem Mann geholfen hat, sich noch leichter 'drüben' zurechtzufinden. Dafür bin ich Gott sehr dankbar, daß ich mein Versprechen halten konnte, ihn innerlich für seinen Aufstieg loszulassen. In meiner Seele kehrte sehr schnell Harmonie und Frieden ein.

Ich habe nichts in meiner Wohnung verändert, schlafe im Bett meines verstorbenen Mannes und habe auch die bewährte Ordnung in seinem Schreibtisch beibehalten. Und wenn ich mal ein technisches Problem in meinem Haus habe, bin ich mir sicher, daß der richtige Impuls von 'drüben' kommt, wie man es am leichtesten machen könnte.

Die geistige Wesenheit, mit der ich das Glück hatte, 34 Jahre in dieser Inkarnation verbunden zu sein, ist in meinem Haus ein lieber, willkommener Gast, der niemals genötigt wird und der frei wirken kann - oder auch nicht. Soviel Respekt, wie wir in den sog. Lebzeiten für die Eigenständigkeit des anderen hatten, soviel Respekt haben wir auch jetzt füreinander. Auch jetzt, aus meinem Ruhestand heraus, versuche ich den Hinterbliebenen, z. B. alten Patientinnen, zu helfen, verantwortungsbewußt loszulassen, was uns von Gott nur als Leihgabe anvertraut worden ist. Und da ich das Schicksal selber durchgemacht habe, glaubt man mir auch. Somit kann ich auch gewisse Hilfe leisten, damit die Verstorbenen endlich losgelassen werden.

Leider haben wir modernen Menschen nur noch sehr selten eine echte Sterbekultur. Der Tod wird verdrängt, möglichst technisiert in der Klinik. Aber all die Untröstlichen und die Verdränger wollen für sich oftmals nicht wahrhaben, daß sie selber früher oder später die materielle Hülle ablegen werden und dann ganz sicher nicht begeistert sind, wenn sie selber festgehalten werden. Hoffen wir also auf ein langsames Umdenken. Für Ihre segensreiche Tätigkeit wünsche ich Ihnen alles Gute.

Mit herzlichen Grüßen

Ihre Dr. K. R."

 

Still ist meine Seele

Elisabeth Clüver,
1842 - 1884

Still ist meine Seele,
still zu Gott dem Herrn,
seinem Rat befehle
ich ja alles gern.
Wie mein Gott mich führet,
bin ich wohlgemut,
der die Welt regieret,
machet alles gut.

Soll ich länger leiden
hier in dieser Welt
will mich gern bescheiden
wie es Gott gefällt.
Scheint auch oftmals trübe,
dornig unser Pfad
Gott ist ja die Liebe,
segnet früh und spat.

Darum Ihm vertrauen
will ich immerfort,
Seine Sorge schauen
wir an jedem Ort.
Wie die Blumen blühen
nach des Winters Schnee,
kann auch bald entfliehen
unsers Lebens Weh.

Drang dir auch die Wunde
in das Herz hinein
still! die rechte Stunde
kennet Gott allein.
Still ist meine Seele,
still zu Gott dem Herrn,
seinem Rat befehle
alles ich so gern.


 


25. Literaturangaben

 

(1) B. Cyriax: "Wie ich ein Spiritualist geworden bin", Verlag Oswald Mutze, Leipzig 1893

(2) M. Gallo: "Der Schwarze Freitag der SA", Verlag Fritz Molden, Wien 1972

(3) J. Greber: "Der Verkehr mit der Geisterwelt Gottes, seine Gesetze und sein Zweck", Johannes Greber Memorial Foundation, Teaneck, U.S.A., 10. Aufl. 1987, beziehbar durch Oskar Bareuther, Blumenstr. 67, D 73033 Göppingen

(4) A. Kardec: "Der Himmel und die Hölle oder die göttliche Gerechtigkeit", Verlag Karl Siegismund, Berlin 1890

(5) R. Lees: "Reise in die Unsterblichkeit", 2 Bände, Drei Eichen-Verlag, München, 3. Aufl. 1964

(6) E. Mattiesen: "Das persönliche Überleben des Todes", 3 Bände, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 1936-39, Neuaufl. 1962 u.1987

(7) R. Moody: "Leben nach dem Tod", Rowohlt Verlag, Reinbeck 1977

(8) M. Morse u. P. Perry: "Zum Licht, Was wir von Kindern lernen können, die dem Tod nahe waren", Goldmann Verlag, Frankfurt/M 1994

(9) W. Ohr u. G. Cooke: "White Eagle", Parapsychika, H 2/3, 1982, S. 12

(10) W. Schiebeler: "Der Tod, die Brücke zu neuem Leben", Verlag "Die Silberschnur", Melsbach/Neuwied 1988 und WerSch Verlag, Ravensburg 1998

(11) W. Schiebeler: "Zeugnis für die jenseitige Welt, eine Darstellung der Erfahrungsbeweise", Verlag "Die Silberschnur", Melsbach/Neuwied 1989

(12) W. Schiebeler: "Die Verbindung mit dem Jenseits, Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren", Aspekte der Paranormologie, S. 485 - 532, Resch Verlag, Innsbruck 1992

(13) W. Schiebeler: "Leben nach dem irdischen Tod, die Erfahrungen von Verstorbenen", Verlag "Die Silberschnur", Melsbach/Neuwied 1989

(14) W. Schiebeler: "Nachtodliche Schicksale", WerSch Verlag, Ravensburg 1993

(15) M. Schrimpf: "Eppur si muove. Eine Sammlung neuester authentischer Beweise des Weiterlebens nach dem Tode", Verlag Oswald Mutze, Leipzig 1912

(16) R. Sekanek: "Mutter Silbert", Otto Reichl Verlag, Remagen 1959

(17) J. Snell: "The Ministry of Angels Here and Beyond", London 1918, in der deutschen Übersetzung von Werner Frangen, Karlsruhe, Marie-Alexandra-Str. 45, 1996

(18) E. Stead: "Die blaue Insel. Mit der Titanic in die Ewigkeit", G. E. Schroeder-Verlag, Garmisch-Partenkirchen 1961 u. weitere Aufl., z. Zt. Samsara Verlag, Füssen/Allgäu, 7. Aufl. o. J.

(19) Gerda Walther: "Zum anderen Ufer", Otto Reichl Verlag, Remagen 1960

(20) Geistige Welt, Nr. 33/34, 1965, S. 263, Arthur Brunner Verlag, Zürich  
 
 
 
 

Das Buch der Weisheit
in den Apokryphen des Alten Testamentes

Kapitel 3, Verse 1 - 11

Die Seelen der Gerechten aber sind in Gottes Hand, und keine Qual berührt sie; sie scheinen tot zu sein nach der Meinung der Unverständigen, ihr Dahingang wird als ein Unglück angesehen und ihre Trennung von uns als eine Vernichtung; sie sind aber im Frieden. Denn wenn sie auch nach der Ansicht der Menschen gestraft wurden, so war doch ihre Hoffnung ganz vom Unsterblichkeitsglauben erfüllt; und nachdem sie eine kurze Leidenszeit überstanden haben, werden sie mit hohem Glück gesegnet werden, denn Gott hat sie nur geprüft und sie seiner würdig erfunden.

Wie Gold im Schmelzofen hat er sie erprobt und wie die Gabe eines Ganzopfers sie angenommen. So werden sie dann zur Zeit ihrer Gnadenheimsuchung hell glänzen und wie Funken durch dürres Schilfrohr fahren; sie werden die Heiden richten und über Völker herrschen, und der Herr wird ihr König sein ewiglich.

Die auf ihn vertraut haben, werden die Wahrheit erkennen, und die treu gewesen sind, werden in Liebe bei ihm verbleiben; denn Gnade und Erbarmen wird seinen Frommen zuteil und Schutz seinen Auserwählten.

Die Gottlosen aber werden ihrer Denkweise gemäß Strafe erleiden, sie, die den Gerechten verachtet haben und von dem Herrn abgefallen sind; denn wer Weisheit und Zucht mißachtet, ist elend; die Hoffnung solcher Menschen ist eitel, ihr Bemühen erfolglos und ihr ganzes Tun nutzlos.
 


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