Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Giganten im All - II - (3)

       

 

6.0 Ein außerirdischer Computer

Auf dem Gang wandte sich SHINUN an Martin:

"Selbstverständlich haben auch wir unsere geschichtlichen Aufzeichnungen über die Vergangenheit. Wir wissen sehr genau, was früher geschehen ist. Auch das 'Logbuch' des Raumschiffes, welches über den Dschebel Musa flog, ist noch vorhanden. Die Eintragungen sind sehr aufschlußreich."     "Unsere irdischen Astronauten benötigen einen Computer, der für sie die schwierigen Berechnungen erledigt", sagte Martin. "Ohne diesen Computer wäre eine Reise zum Mond unmöglich. Hatte das Raumschiff vom Dschebel Musa ähnliche Geräte an Bord?" "Gewiß, auch wir haben solche Rechenmaschinen", antwortete SHINUN. "Schon vor mehreren tausend Jahren benutzten wir sehr komplizierte Rechenmaschinen. Heute benutzen wir einen "Konsequenzenrechner". Dieser Apparat ist überhaupt das Beste für Berechnungen. Seine Resultate sind unfehlbar und geben Auskunft über Möglichkeiten, die noch in der Zukunft liegen. Gäbe es diesen Apparat nicht, so hätten wir die Existenz der Terra bereits liquidiert. Doch dieser Apparat hatte noch eine Möglichkeit offen gelassen, die wir jetzt nutzen."
"Das Ganze klingt so utopisch, daß es von meinen mißtrauischen Zeitgenossen nicht geglaubt wird oder nicht begriffen werden kann. Darf ich diesen Rechner einmal sehen?" fragte Martin. "Ja, das ist möglich", antwortete SHINUN, "aber äußerlich ist nicht viel zu sehen. Auf die Leistung kommt es an."
SHINUN führte seinen Gast in einen Raum, der nicht besonders groß war, doch das Erstaunliche daran war: Der ganze Raum bestand aus einer einzigen Maschine! Es gab keine flimmernden Kontrollanzeigen, wie bei einem irdischen Rechner, dafür hatte diese Maschine viele Displays mit Symbolen, die sich ständig veränderten. In der Mitte des Apparates war eine größere optische Datenanzeige, auf der farbige Linien wechselten. SHINUN zeigte auf diese Apparatur, die von wenigen Männern und einer Frau bedient wurde und sagte: "Unser Konsequenzenrechner." - Einer der Männer entnahm dem Apparat eine geprägte Folie und kam mit dieser auf SHINUN zu: "Hier ist die Antwort auf die Frage des Kommandanten, nach den Folgen der unterirdischen Atomexplosionen auf der Terra. Zu erwarten sind: Schwere Beben unter Wasser im Gebiet des Pazifik, in Tiefen von über 3.000 m. Schwere Erdbeben in der Türkei, mit hohen Menschenverlusten und Zerstörungen. Es gibt viel Mitgefühl unter den Völkern; aber Ignoranz bei den Verursachern."
Der Außerirdische legte die Folie ab, grüßte SHINUN und Martin und wandte sich wieder dieser unglaublichen Anlage zu. "Da haben Sie die Antwort", sagte SHINUN. "Sind Sie davon überzeugt, daß dieser Apparat die Wahrheit spricht? - Doch fragen Sie ihn einmal selbst. Genieren Sie sich nicht."  
Martin war überrascht. Es war nicht so einfach, aus dem Stehgreif heraus, eine sinnvolle und vor allem wichtige Frage zu stellen. - "Welche Notwendigkeiten gibt es für eine Kriegführung?", fragte Martin gespannt. Die farbigen Linien auf der optischen Datenanzeige veränderten sich und bildeten ein Knäuel. Das Display wurde dunkel und der SANTINER entnahm dem Apparat eine Art "Schablone". Er kam zu SHINUN und Martin und sagte:

SHINUN wandte sich an Martin und fragte:

"Nun, was sagen Sie, Herr Berger? Sind Sie zufrieden?"
"Darf ich noch eine weitere Frage stellen?" erkundigte sich Martin, der sehr verblüfft dreinschaute. "Ja, gern", antwortete SHINUN. "Bitte stellen Sie Ihre Frage."
Martin schaute in Richtung des großen Displays der Maschine und fragte: "Worin besteht die Unfähigkeit der irdischen Politiker, daß es so häufig zu blutigen Auseinandersetzungen kommt?" - Das Lichtbündel auf dem Display dieser unglaublichen Maschine erschien und der Mann, der den Rechner bediente, wandte sich an die beiden Wartenden und übersetzte: SHINUN schaute seinen irdischen Begleiter fragend an. Martin war blaß geworden. "Diese Antwort muß ich erst durchdenken", sagte er. "An Ihrer Stelle würde ich mit ASHTAR SHERAN darüber sprechen", sagte SHINUN. "Ich kann ihm ja sagen, daß er das nächste Mal darüber sprechen soll."  
Martin nickte und schaute sichtlich verwirrt: "Es wundert mich, daß dieser Computer Fragen beantwortet, die sich auf irdische Situationen beziehen. Wie ist das möglich? Diese Anlage muß doch irgendwie programmiert werden. "Da haben Sie recht", antwortete SHINUN. "Wir erhalten natürlich sämtliche Informationen, die die Terra betreffen. Mit diesen Daten wird der Rechner versorgt. Folglich kann er auch zu irdischen Problemen antworten."
"Ich verstehe", sagte Martin. "Es reizt mich sehr, noch weitere Fragen an diesen 'Propheten' zu richten, möchte aber keinesfalls Ihre Zeit zu sehr beanspruchen." "Fragen Sie nur", antwortete SHINUN. "Da Sie schon einmal hier sind, sollten Sie diese Möglichkeit nutzen. Auf der Terra werden Sie keine Gelegenheit mehr dazu bekommen."
Martin bedankte sich und wandte sich in Richtung Maschine. "Welcher Fehler steckt in dem Denken unserer westlichen Intellektuellen?" SHINUN machte eine anerkennende Geste und sagte: "Das ist eine gescheite Frage. Auf die Antwort bin auch ich gespannt."
Wieder erschien das farbige Symbol und die Antwort wurde übersetzt. Mit einer solchen Antwort hatte Martin nicht gerechnet, schon deshalb nicht, weil er sich selbst zum westlichen Denken bekannte. "Und welcher Fehler steckt im Denken der östlich orientierten Intellektuellen?", fragte er gespannt weiter.
 
 

Die Antwort kam prompt:

SHINUN fügte hinzu: "Ich nehme an, daß beide Ideologien gewisse positive Gedanken besitzen. Diese positiven Fragmente beider Ideologien könnten - unter Streichung der fanatischen Irrlehren und Dogmen - etwas gemeinsames Gutes ergeben. Es bedarf einer großzügigen Reformierung. Beide Ideologien, sowohl die kommunistische als auch die westlich demokratische Ideologie können zusammen ein positives Bild ergeben, wenn sie sich der Reformation fügen. Zuviel Demokratie ist ebenso wenig gut, wie zuviel Diktatur."
 
"Ja, das glaube ich auch", sagte Martin, bedankte sich und verließ mit SHINUN das Rechenzentrum, das ihm weitere neue Erkenntnisse vermittelt hatte. So ein hochtechnisierter Ratgeber ist wirklich eine tolle Sache, dachte Martin. Ein solcher Computer fehlt auf der Erde. Er arbeitet besser als das Hirn der Philosophen und Besserwisser. "Eigentlich hätte ich noch etwas zur irdischen Kunst fragen sollen", sagte Martin zu seinem Begleiter, als sie beide den Gang entlang schritten. "Über die irdische Kunst weiß unsere Freundin NAMO gut Bescheid. Wenden Sie sich an diese Frau, Herr Berger. Sie bekommen von ihr eine ebenso wertvolle Antwort, wie von dem Konsequenzenrechner", antwortete SHINUN. "Doch vorher müssen wir noch einmal zum Arzt. Sie müssen eine Injektion erhalten, sonst bekommen Sie die Raumkrankheit.  

Martin nickte. Es blieb ihm auch gar nichts anderes übrig. Er hatte sich zu fügen, dann würde alles glatt verlaufen.

 

 

7.0 Die Kunst ist sakral

Martin wunderte sich, daß es im Raumschiff so viel Bequemlichkeit gab. Ein Raum war schöner als der andere. Besonders jene Räume, die der Erholung und der Unterhaltung dienten. Mit 18 Stockwerken war dieses außerirdische Mutterschiff, nach irdischen Begriffen, ein wahres "Luxushotel".

Martin traf sich mit NAMO in einem dieser Erholungsstätten. SHINUN hatte NAMO informiert und geschickt. Nachdem sie sich begrüßt und einen Platz zum Sitzen ausgesucht hatten, sagte Martin: "Über die Kunst läßt sich nur reden, man sollte aber nicht darüber streiten." NAMO sah ihn ernst an und antwortete:

"Wir streiten uns prinzipiell überhaupt nicht. Wir stellen nur fest und vergleichen unsere Anschauungen. Auf der Terra streitet man dagegen über jede Kleinigkeit! Das ist etwas, was uns kränkt - und Euch krankmacht."
"Sie müssen viel Geduld mit mir haben", sagte Martin, sich entschuldigend. "Auch ich bin mit all den Fehlern behaftet, die es bei Erdenmenschen gibt. Die Kunst interessiert mich persönlich sehr. Auf der Erde ist man derzeit in eine Art von Kunst hineingesteuert, die viele Menschen nicht mehr verstehen. Trotzdem wird sie als 'moderne Kunst' angepriesen. Was halten Sie beispielsweise von Bildern, die nur aus Klecksen und Strichen bestehen? Unsere Kunstsachverständigen behaupten, daß der Durchschnittsmensch keine Ahnung von Kunst habe und daher auch nicht darüber urteilen könne." NAMO verzog ihr Gesicht und sagte: "Auf alle Fälle ist der Ursprung der Kunst sakral. Das hat man leider auf der Terra vergessen. Ich will es Ihnen erklären: Die Kunst ist eine Art Gebet; sie verlangt vom Menschen eine Meditation, eine Versenkung und Umschaltung in die höchsten Lebensempfindungen und eine Fühlungnahme mit dem SCHÖPFER. Deshalb haben die wirklichen Künstler auf der Terra mit Vorliebe religiöse Themen gewählt.

Es gibt zwei Arten der Kunst, weil es nämlich auch zwei SUPERMÄCHTE gibt, die man als 'Himmel' und 'Hölle' bezeichnet. Man kann auch 'Gut' und 'Böse' dazu sagen. Nun kommt es darauf an, was die Sprache der Kunst ausdrücken soll. Will der Künstler die Dämonie zeigen oder will er den Betrachter mit der göttlichen SCHÖPFUNG bekanntmachen. Auf der Terra ist man immer mehr dazu bereit, die Dämonie auszudrücken, nämlich das Chaos, die Aufspaltung, die Zerstörung und Zerrissenheit, weil alles darauf hinzielt. Dies ist dann eben zeitgemäß. Das kann auch unbewußt geschehen! Hinter jedem Künstler stehen unsichtbare INTELLIGENZEN, die sich an der Sache beteiligen. Der Künstler ist oft nur Instrument, eine Marionette, ohne es zu wissen."

Das ist ja hochinteressant", sagte Martin. "Erzählen Sie bitte weiter. Mich interessiert das sehr!" "Gern", sagte NAMO. "Jeder wirkliche Künstler ist hochgradig sensitiv, d. h. medial veranlagt. Er wird zwischen sichtbaren Intelligenzen und unsichtbaren INTELLIGENZEN als Mittler benutzt. Die Kunst ist also eine Sprache, um etwas auszudrücken, wofür es nicht die passenden Worte gibt. Was da zu sagen ist, muß erfühlt werden."  
"Ein irdischer Philosoph, ich glaube es war Benedetto Croce (-2-), soll gesagt haben: 'Schönheit ist angemessener Ausdruck'", bemerkte Martin. "Aber Häßlichkeit ist doch auch angemessener Ausdruck. Wo liegt die Grenze zwischen beiden Begriffen?"

NAMO lächelte fein und sagte:

"Die Wirkung ist bei Schönheit und Häßlichkeit verschieden, sie ist relativ. Der Ausdruck, der vom Objekt ausgeht, ist der Seele angemessen und nicht der Materie! Schönheit ist das, was anzieht. Häßlichkeit ist das, was abstößt. Wenn es anders ist, so ist es nicht normal, d. h. krankhaft. Sie sehen, Herr Berger, daß es eine krankhafte Erscheinung ist, wenn man auf der Terra behauptet, daß die Häßlichkeit anziehend sei. Die Schönheit erzeugt Harmonie. - Die Häßlichkeit erzeugt Disharmonie. Aber an der Disharmonie sind niemals positive KRÄFTE interessiert, höchstens die Dämonie, auch wenn sie unerkannt bleibt.     Aus diesem Grund können wir den eintönigen Jammergesang vieler Kirchenlieder nicht verstehen. Doch was man heute mit der Musik macht ist keine Kunst, sondern ein dämonischer Radau. Ich will es Ihnen genauer erklären: Ein Verrückter behauptet meistens, daß er nicht verrückt sei, sondern nur die anderen. Ebenso verfährt man mit der Kunst. Wer behauptet, daß ein Künstler verrückt sei, bekommt zur Antwort: Nicht der Künstler sei verrückt, sondern der Zuhörer oder Betrachter, weil er keine Ahnung davon habe.   Wir brauchen aber keine negative Kunst, weil alles Negative dem gesunden Menschenverstand und dem vernünftigen WELTENPLAN entgegengesetzt ist. Eine schlechte Seele kann selbstverständlich durch das Disharmonische und Häßliche angezogen werden. Wenn das auf der Terra so sehr der Fall ist, so erkennen Sie daran, daß die meisten Seelen nicht mehr in Ordnung sind, sie habe sich demoralisiert und ihre Ethik eingebüßt.     Auch das ist ein Naturgesetz!

Das Negative kann zwar sehr interessant sein, aber es ist trotzdem sehr gefährlich. Der Mensch gleitet sehr leicht ab. Die Kunst ist ein universelles Verständigungsmittel, nämlich Ausdruck höchster seelischer Gefühle. Doch die Kunst braucht dazu Anregung und Mittel."

"Aus welchen Quellen fließen denn die Anregung und die Mittel?" wollte Martin wissen. "Der SCHÖPFER hat die Materie geschaffen. Der Mensch kann die göttliche SCHÖPFUNG formen und kopieren. Der Künstler kann seine Werke so gestalten, daß sie den Betrachter auf die Schönheit der SCHÖPFUNG hinweisen, wo er sie nicht ohne die Kunst sieht. So wird die Kunst zum Sprecher. Ein fertiggestelltes Kunstwerk muß daher eine Offenbarung sein, sonst handelt es sich nicht um Kunst, sondern um Machwerk.     Die negative Kunst dagegen erzeugt Verachtung und Lästerung und sie fördert den Atheismus. Aus diesem Grunde ist es unverzeihlich dumm und blasphemisch zugleich, wenn die Kirchenverantwortlichen die negative Kunst in ihre Kirchen hineinlassen, nur um als 'modern' zu gelten. Das heißt jedoch, den Teufel ins Gotteshaus zu bitten", lautete die Antwort von NAMO.
Martin nickte zustimmend. Er selbst hatte miterlebt, daß man das Sakrale entwürdigte, ja, oft genug auch schändete. "Persönlich halte ich die Kunst für ebenso wichtig, wie die Naturwissenschaften. Die Kunst gehört zur Bildung eines Menschen. Meinen Sie nicht auch?", fragte er. "Ja, das ist wahr", sagte NAMO. "Aber die Kunst gehört vor allem zur Läuterung des Menschen!"
"Gibt es bei den SANTINERN keine negative Kunst?", wollte Martin wissen. "Ja, auch wir besitzen negative Kunst", antwortete NAMO, "doch nur in sehr geringem Ausmaß. Unsere negative Kunst wird auch als 'negative Kunst' bezeichnet. Sie ist Ausdruck der Dämonie und dient nur zur vergleichenden Belehrung.   Es genügt nicht, sich nur von einer Form oder von gewissen Tönen schlechthin beeindrucken zu lassen; man muß das GROSSE RINGEN zwischen Gut und Böse in Betracht ziehen. Die Kunst hat immer ihre Existenzberechtigung nachzuweisen und muß ein Ziel vor Augen haben.     Es darf nicht sein - wie es auf der Terra der Fall ist - daß man ein paar verschlungene Leberwürste darstellt, die man als Ausdruck der Liebe bezeichnet - und dafür einen Preis erhält."
Martin mußte lächeln, so ernst dieses Thema auch war. NAMO nahm jedenfalls kein Blatt vor den Mund, um ihren irdischen Gast den Spiegel vorzuhalten. Für Martin war diese Unterhaltung äußerst interessant. Er bedauerte sehr, daß kein irdischer Kunstsachverständiger an dieser Unterhaltung teilnehmen konnte. "Bitte erzählen Sie weiter", sagte er zu NAMO. "Ihre Kunstansichten interessieren mich sehr." NAMO nickte und sprach: "Die Kunst muß eine Sprache sein. Ist sie es nicht, so ist es auch keine Kunst. Man kann auch in einer Sprache völligen Blödsinn reden. Die Kunst kann es auch! - Die meisten Künstler auf der Terra haben keine Ahnung, wie die Kunst überhaupt entstanden ist. Ich will es Ihnen sagen, Herr Berger, dann werden Sie erkennen, wie weit man auf der Terra von der eigentlichen Aufgabe, die die Kunst zu erfüllen hat, abgekommen ist.

Anfangs gab es im Volk keine Kunst. Es war nur ein Aufzeichnen von Tieren, Göttern und Geschehnissen, wie z. B. die Jagd oder auch Naturkatastrophen. Später, als die Religiosität in den Kulturen anstieg, übernahmen die Priester diese Aufzeichnungen. Der priesterliche Kult entwickelte diese Gaben weiter. Er erfand den Tanz, die Musik und die bildhafte und formenhafte Gestaltung. Damit erhielt die Kunst eine Ausdrucksmöglichkeit, die durch keine Sprache ersetzt werden konnte. Immer mehr entwickelte sich die Kunst in die sakrale Richtung. Sie wurde zur höchsten Mitteilung und Offenbarung, was Worte nicht mehr auszudrücken vermochten. Die Geheimnisse der großen SCHÖPFUNG sind so gewaltig, daß es eine Unmenge darüber zu sagen gibt, was sich aber nicht in Worte fassen läßt.  

Die Möglichkeiten der Kunst waren jeder sprachlich, verbalen Verständigung deutlich überlegen. Und das ist es, was die meisten irdischen Künstler heute nicht begriffen haben.

Meister der Kunst, wie Raffael, Michelangelo Buonarroti oder Rubens, sowie Leonardo da Vinci und in der Musik Beethoven, Bach und viele andere, haben den Sinn und den Zweck der hinter der Kunst steht richtig erkannt. Sie wußten, daß wirkliche Kunst nur eine theistische Anbetung der wirklichen GRÖSSE sein kann, und sie konnten deshalb auch wirklich Großes schaffen."    

"Man spricht von einer 'Inspiration' des Künstlers. Was verstehen Sie unter einer künstlerischen Inspiration?", fragte Martin. NAMO zog die Stirn kraus. Diese Frage schien ihr Probleme zu bereiten. Sie fing sich aber schnell und antwortete: "Sie müssen bedenken, Herr Berger, daß ich alle meine Antworten immer ins Deutsche übersetzen muß. Das ist nicht einfach, wenn es sich um komplizierte Themen handelt. Wenn Sie von 'Inspiration' sprechen, so muß ich mich auf das einstellen, was man auf der Terra unter Inspiration versteht. Wir haben von diesen Dingen eine völlig andere Auffassung."     "Sagen Sie mir bitte, was Sie darunter verstehen", beharrte Martin auf die Frage. "Gut, ich will es versuchen", sagte NAMO. "Soviel ich weiß, ist bei Ihnen auf der Erde 'Inspiration' gleichbedeutend mit 'Einsprechung' oder 'Zusprechung'. Etwas, das von außen kommt und nicht vom Künstler selbst stammt, sonst wäre es keine Inspiration, sondern ein eigener Einfall. - Wir SANTINER verstehen darunter nicht nur eine Einsprechung von fremder SEITE, auch wenn sie unsichtbar ist, sondern wir gehen noch einen Schritt weiter. Für uns ist das soviel wie MITHILFE einer übergeordneten MACHT, also eine KOPRODUKTION zwischen diesseitigen und jenseitigen Gedankenträgern. Das ist auch auf der Terra so. Daran gibt es gar keinen Zweifel."  
 

Anmerkung: Auch diese drei Bände, mit dem Titel "Giganten im All", sind eine KOPRODUKTION zwischen außerirdischen und jenseitigen Gedankenträgern, die sich mit uns zusammengeschlossen hatten. (MFK-Berlin)


"Können Sie mir das an einem Beispiel erklären?", fragte Martin die Außerirdische.

"Gewiß", sagte NAMO. "Nehmen wir einmal einen genialen Künstler wie Michelangelo. 'Genial' bedeutet: Verbindung mit GENIEN, also mit jenseitigen GEDANKENTRÄGERN. Michelangelo bekam den großen Auftrag, die Decke einer Kapelle auszumalen. Doch das ging über die Kraft des Künstlers. Allein konnte er das in dem vorgegebenen Zeitraum niemals schaffen. Michelangelo war aber gläubig und so bat er GOTT um HILFE. Diese HILFE wurde ihm gewährt. Große jenseitige KÜNSTLER halfen Michelangelo bei der Arbeit. So kam es, daß sein Arm gestützt wurde, als er im Liegen malte. Die Perspektiven wurden errechnet und gekennzeichnet. Alles wurde so gestaltet, wie es die jenseitigen KÜNSTLER sehen konnten. Nicht Michelangelo! Er war nur das ausführende Instrument.

Ähnliche Beispiele finden Sie bei vielen anderen Künstlern. In der irdischen Musik bei Mozart, Schubert, Haydn und anderen. Auch Leonardo da Vinci ist ein gutes Beispiel für eine jenseitige HILFE. Er schrieb in Spiegelschrift, obgleich es gar keine Veranlassung dazu gab. Oder denken Sie an Sokrates, der einen Dauerkontakt zu einem genialen GEIST besaß, der ihn belehrte. Was glauben Sie, Herr Berger, auf welche Weise der berühmte Romanschriftsteller Karl May seine Kenntnisse erhielt? Er selbst war nie bei den Indianern! - Nun, er wurde von einem jenseitigen INDIANER inspiriert, der ihm seine Erlebnisse zusprach, die Karl May später in seinen Büchern verarbeitete."  

"Woher wollen Sie das alles wissen?" fragte Martin. "Es hört sich an, als ob Sie selbst auf Erden gelebt hätten." "Wenn man sich seit Tausenden von Jahren für die Terra so stark interessiert wie wir, dann erhält man auch viele Kenntnisse darüber", erklärte NAMO.   Martin war sichtlich verwirrt und sagte: "Keinesfalls werde ich über das alles berichten, was ich hier erleben darf. Ich werde alle meine Aufzeichnungen einem guten Freund übergeben und ihn über alles unterrichten. Er wird diese Mission für mich erledigen." "Ich habe nichts dagegen einzuwenden", sagte NAMO. "Sie können tun, was Sie wollen, Herr Berger. Es zwingt Sie niemand. Aber sprechen Sie vorher mit ASHTAR SHERAN darüber."
"Sie sprachen von 'jenseitigen GEDANKENTRÄGERN'. Meinen sie damit jenseitige Seelen?", fragte Martin. "Ja, das stimmt", bestätigte NAMO. "Wir SANTINER verwenden keine Begriffe wie "Geister" oder "Gespenster", denn das wäre Blasphemie! Wir können überhaupt nicht begreifen, daß man jenseitige Seelen, auf der Terra so lächerlich macht und sie obendrein noch verspottet. Wie können die irdischen Kirchen nur so etwas dulden?"
"Glauben Sie denn allen ernstes, daß es ein Weiterleben nach dem Tode gibt?", fragte Martin. "Ihre Frage ist typisch für die gesamte Terra", sagte die Außerirdische. "Selbstverständlich gibt es ein Weiterleben nach der Entkörperung, sogar in unendlicher Folge. Ein Mensch stirbt nicht nur einmal, sondern viele, viele Male, in immer wiederkehrenden Perioden. Das Ganze ist eine Präexistenz, die erst den wahren Menschen allmählich entwickelt. - Aber zurück zur Kunst. Ich hatte das Thema noch nicht beendet. Die Verantwortung, die ein Künstler trägt, ist viel größer als er ahnt. Er ist ein Führer der Menschheit. Er kann aber auch ein Verführer der Menschheit sein!   Unmerklich programmiert der Künstler seine Mitmenschen. Er bringt sie dem Chaos näher oder führt sie zum göttlichen DENKEN. Das kommt ganz auf die Art seiner Werke an, die sein eigenes Seelenleben ausdrücken.

Und nun zu einer anderen Kunst, nämlich zur Schriftstellerei oder zum Journalismus, dem Sie ja auch angehören. Die Sprache ist ein Verständigungsmittel, das auf die Menschheit einwirkt. Sie wissen selbst, welche Macht in dieser Verständigung von Mensch zu Mensch, von Volk zu Volk liegt. Dabei ist es unerheblich, ob dies akustisch oder telepathisch geschieht. Die Sprache ist göttlich!

Aber auch der sogenannte Teufel mit seinem Anhang bedient sich dieser Verständigung. Dies geschieht hauptsächlich auf der Terra. Nirgends im Universum gibt es derartig niedrige und gemeine Ausdrücke, wie auf diesem Stern. Aber dieses niedrige, menschenunwürdige Niveau wird von den Autoren und Verantwortlichen auch noch in die Kirchen, Theater, Kinos und in das Fernsehen hineingetragen und publik gemacht. Der Mensch auf der Terra schändet und verunreinigt die Gabe, die GOTT dem Menschen gegeben hat. - Wie finden Sie das?"    

Martin Berger kam sich sehr schäbig vor. So hatte noch niemand zu ihm gesprochen. "So, wie Sie es erklären und sehen, haben Sie selbstverständlich recht", sagte er zerknirscht. "Angesichts der vielen Mißstände, die Sie aufzählten, weiß ich aber keinen Ausweg, wie sich das jemals ändern soll." NAMO strich über Martins Hand und lächelte verstehend. "Nehmen Sie es sich nicht so zu Herzen", sagte die Außerirdische. "Sie sollten doch gelassen bleiben, nicht wahr?   Weil die Völker der Terra vorwiegend auf das Negative reagieren, wird ihnen auch Negatives geboten, um damit Geld zu machen. Das ist Heuchelei und Verrat an der Göttlichkeit der Sprache. Entweder man dient der Entwicklung - oder dem Untergang. Jeder Mensch hat sich zu entscheiden, auf welcher Seite er stehen will, für welche ORGANISATION er seine ganze Kraft und Intelligenz einsetzen will.

Der Mensch muß wissen, ob er GOTT verraten und verleugnen und SEINE Existenz abstreiten will; ob er mit Hilfe seiner besonderen Ausdrucksfähigkeit das Gute in den Morast ziehen will. Er kann sich auch für die HÖHERENTWICKLUNG der Menschheit entschließen. Das führt ihn dann zur Leistung, zur Zufriedenheit, zur Erkenntnis und zum friedvollen, positiven Leben auf vielen, vielen schönen Planeten.

Diese Entscheidung verlangt aber mehr Gewissen als Talent!

Die Theologie spielt deshalb in der Kunst eine so bedeutende Rolle. Sie wäre tausendmal wertvoller, wenn die begabten und talentierten Menschen auf der Terra wüßten, was es mit der Theologie wirklich für eine Bewandtnis hat.    

Noch nie in seinem Leben hatte Martin sich so geistreich unterhalten können, wie es in diesem Raumschiff möglich war. Er hatte das beglückende Gefühl, tatsächlich bei den "Göttern" zu sein und ihre Gunst zu genießen. - "Was halten Sie denn von der irdischen Musik, so wie sie heute ausgeübt wird?", fragte Martin. "Leider nicht viel", antwortete NAMO. "Aber in früheren Zeiten konnten die Menschen der Terra sehr gute Musik machen, die auch wir sehr zu schätzen wußten. Musik ist eine harmonische Seelensprache, wenn sie künstlerische Musik sein soll. Auf alle Fälle muß sie eine göttliche Richtung erkennen lassen.
Der langsame, ruhige Rhythmus, der wie ein Pulsschlag oder wie die Atmung eines gesunden Menschen im Einklang mit der unaufdringlichen Harmonie, wie ein Lebensstrom in die Seele fließt, ist das Merkmal wirklicher Kunst; sie darf nicht unangenehm empfunden werden, sondern muß sich dem eigenen Seelenrhythmus sympathisch anpassen und zu einem einheitlichen höheren Gefühl verschmelzen.

Kunst erfordert einen hohen Idealismus. Das soll aber nicht heißen, daß Kunst einen Idealismus zum Geldverdienen benötigt. Den Idealismus den die Kunst benötigt, legt auf materielle Anerkennung weniger Wert.  

Zur Kunst gehört ein unerschütterlicher Glaube. Aber dieser Glaube kann und darf nur ein Glaube an das Höhere und Gute, an das wahrhaft Göttliche und auch Menschliche sein. Ein Künstler, der vom Wege der wahren Aufgabe abgeirrt ist und sich dem Materialismus mit Ruhm und Ehre, weltlicher Anerkennung und vielem Geld verschrieben hat, wird schwerlich so viel Idealismus und so viel Glauben an seine Mission aufbringen, daß er sein Leben dafür in die Waagschale wirft.

Auch der Künstler muß über die Ekstase zum Propheten werden, der seine Visionen in seine Sprache der Kunst übersetzt und zwar so, daß sie jeder Mensch selbst deuten kann und daraus die Erkenntnis der reinen, philosophischen und religiösen WAHRHEIT gewinnt, die durch keine menschliche Überlegung ersetzt werden kann. Zu dieser Deutung bedarf es keines Kunstsachverständigen, der den Menschen etwas einreden oder aufzwingen will, damit er Geld verdient.    

Die schrecklichste und abwegigste Kunst kann neben der wahren Kunst ruhig bestehen, wenn ihr wahrer Charakter entschleiert wird. Diese Kunst muß als 'dämonische Kunst' bezeichnet werden. Es genügt nicht, sie als 'abstrakt' oder 'existentialistisch' usw. zu bezeichnen, denn unter diesen Bezeichnungen kann sich kein normaler Mensch das Pseudomachwerk dämonischer Einfälle vorstellen. - Sie werden heute noch eine Vorführung guter Kunst zu sehen bekommen, Herr Berger."     Martin schaute NAMO überrascht an und fragte: "Was wird das für eine Vorführung sein? Darauf bin ich sehr neugierig, nach diesem ausgezeichneten Vortrag von Ihnen. Sicher werde ich in Zukunft einen anderen Maßstab anlegen." "Schon möglich", sagte NAMO. "Bei der Vorführung handelt es sich um einen GOTTESDIENST. Wir haben heute unsere Meditationszeit. Kommen Sie mit, denn es ist bereits Zeit."     Sie erhoben sich von ihren Plätzen und verließen zusammen den lichten Raum. Jedesmal, wenn Martin den langen Gang durchschritt, hatte er Gelegenheit, die Auslagen in den Schaufenstern zu betrachten. Der breite Gang erinnerte ihn an die Ladenstrassen, wie er sie von großen Passagierschiffen auf den Weltmeeren der Erde her kannte. NAMO führte Martin in eine herrliche Halle. Wunderbare Gemälde waren an den Wänden zu sehen, die sich an der Decke fortsetzten. Martin war hingerissen von dieser Schönheit. Es waren Samariter-Themen, die in diesen Bildern ausgedrückt wurden, alles in allem von einer großen LIEBE und hohen Menschlichkeit zeugend. Auf der gegenüberliegenden Wand befand sich ein achtzackiger goldener Stern, der einen Punkt in seiner Mitte trug. Das Emblem der SANTINER! - Zusammen mit NAMO nahm Martin in den ergonomischen Sesseln Platz, die größte Bequemlichkeit boten. "Achten Sie jetzt nicht so sehr auf die Menschen, die hier zur Andacht versammelt sind", flüsterte NAMO ihm zu. "Unser GOTTESDIENST besteht aus einigen Minuten vollkommener Versenkung und Ruhe, der Sie sich auch hingeben sollten."     Die wunderbare Umgebung des großen Raumes, verbunden mit einer fast heiligen Stille, versetzte Martin in eine euphorische Stimmung. Er spürte eine hohe MACHT, die auch über ihn waltete. Noch nie in seinem ganzen Leben hatte er einen so harmonischen Augenblick erlebt, wie es in diesem Moment der Fall war. Martin fühlte sich glücklich und zufrieden. Er spürte deutlich, was für eine gewaltige KRAFTQUELLE die Zufriedenheit doch war. Die Zufriedenheit und die Ausgeglichenheit dieses Augenblicks waren wie der ATEM GOTTES, der Martin berührte. Vor dem Emblem der SANTINER befand sich ein niedriges Podium. Zwei Stufen führten hinauf. Ein wunderbares, mattes Licht fiel auf diese Stelle. Der Fußboden schimmerte wie mit Edelsteinen besetzt, war aber weich und elastisch. Nachdem die Meditation beendet war, wandte sich NAMO an Martin: "Sie werden jetzt einen religiösen Tanz miterleben. Es ist ein Tanz von wahrer Kunst, in einer Sprache, die man mit Worten nicht ausdrücken kann. Die Tänzerin heißt MUMTASEE. Sie werden sie gleich sehen."