Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Giganten im All - III - (4)

       

10.0 Gut und Böse

Die Konferenz hatte Martin viel abverlangt. Er suchte deshalb den gemütlichen Gesellschaftsraum auf, um sich zu entspannen. Wie bestellt traf er dort mit NAMO zusammen, die schon an einem kleinen Tisch saß und ihn beobachtete. Der Journalist grüßte und die Außerirdische bot ihm einen Platz an ihrem Tisch an. Sofort legte Martin los: "Was wissen Sie über die Pädagogik?"

NAMO lächelte und sagte: "Ihr Aufenthalt in unserem Raumschiff, Herr Berger, ist nichts anderes als praktische Pädagogik. Wir schulen Sie hier zu einem wirklichen Menschen. In Ihren Betrachtungen und Beurteilungen setzten Sie bereits andere Maßstäbe als vorher. Meine Meinung ist, daß die vermittelten Maßstäbe auf Erden nicht stimmen. Dabei ist es völlig belanglos, welchen Namen die Schulungsstätte trägt. Wichtig ist, was gelehrt wird." "Sie meinen, daß der Unterricht in unseren Schulen falsch ist?", fragte Martin. "Der irdische Unterricht ist unvollkommen", sagte NAMO. "Zur Heranbildung eines Menschen gehört mehr! Ein Mensch kann eine Menge Wissen in sich aufgenommen haben, deshalb ist er aber noch lange kein entwickelter Mensch, d. h. er hat sich durch das Wissen charakterlich nicht geändert." "Können Sie mir das näher erklären?", fragte Martin. "Gewiß. Leider sind Sie aber noch mit Vorurteilen behaftet, Herr Berger, die das Verständnis beeinträchtigen werden. Doch ich will es gern versuchen: Der Intelligenzmangel und die niedere Moral zeigen deutlich das irdische Niveau, für das wir keine passenden Worte finden. Das hat nichts mit einer wirklich notwendigen Aufklärung zu tun. Meine persönliche Meinung dazu ist, daß ich diese Fehlentwicklung für Freude an der Schweinerei halte. Was meinen Sie, Herr Berger, warum unsere Vorfahren Sodom und Gomorrha vernichtet haben?

Die Bezeichnung 'Aufklärung' ist nur ein Deckmantel für das Obszöne. Das irdische Land Dänemark hatte die Pornographie als erstes erlaubt. Die dortige Regierung hatte nichts dagegen einzuwenden!

Diese Entgleisung ist nur ein Teil der allgemeinen Zerrüttung des menschlichen Geistes. Den Menschen auf der schönen Terra sind die wahren Hintergründe dieser Fehlentwicklung nicht bekannt, weil sie dabei sofort an Aberglauben denken."

NAMO hatte sich sehr deutlich ausgedrückt und zeigte echte Empörung. Unmißverständlich distanzierte sie sich von der irdischen Schule. Neben ihrem enormen Wissen hatte sie aber auch etwas Vornehmes in ihrem Wesen, was Martin deutlich auffiel. "Was hat denn Aberglaube damit zu tun?", wollte Martin wissen. "Sehr viel", antwortete die Außerirdische, "aber das ist nicht so einfach zu erklären. Es ist eine Tatsache, daß die Begriffe 'Gut' und 'Böse' nicht nur aus Worten bestehen. Ein Mensch ist nicht nur gut oder böse, sondern dahinter stehen zwei unvorstellbare geistige ORGANISATIONEN. Auch wir gehören einer dieser geistigen ORGANISATIONEN an, nämlich der ORGANISATION des GROSSEN PLANERS. Das menschliche Gehirn besteht aus zwei Teilen, von denen beide ganz verschiedene Funktionen besitzen. Auf der Terra nimmt man an, daß die eine Gehirnhälfte fast völlig lahm liegt. Doch das ist ein Irrtum! Dieser Gehirnteil wird zwar nicht zum persönlichen Denken benutzt, aber er ist hochempfindlich für den Empfang transzendenter INSPIRATIONEN.

Der Mensch der Erde glaubt, daß er alle Gedanken selbst produzierte. Das ist nicht der Fall! Über den einen noch unbekannten Teil seines Gehirns empfängt der Mensch Gefühle, Anleitungen, Befehle und viele Gedankenimpulse, die sich der zweiten Hirnhälfte mitteilen und dort durch eine Kontrolle laufen. Wenn aber diese Kontrolle nicht in Ordnung ist, wenn sie schlecht beeinfluß, vergiftet oder ungeschult ist, so empfindet der Mensch keinen Unterschied in seinem Bewußtsein. Sobald aber der Mensch erkennt, daß der transzendente Teil seines Hirns in Tätigkeit ist, spricht er von 'Inspiration', 'Innerer Stimme', von 'Gewissen' oder von 'Höheren Eingebungen'. Doch die atheistischen Psychologen sprechen von etwas ganz anderem, nämlich einer 'Bewußtseinsspaltung', von einer Krankheit, von 'Schizophrenie'.

Die gute wie auch die böse geistige ORGANISATION hat ihre Führer. Die irdischen Religionen nennen die böse Führung: Teufel, Satan, Maru oder Scheitan. Überall in der Welt, auf allen Kontinenten sind diese Namen bekannt geworden. Völlig unabhängig voneinander sind die Menschen auf diese furchtbare geistige KRAFT gestoßen. Erst die Überbetonung des Materialismus hat diese gefährliche Geistesmacht etwas in den Hintergrund gedrängt. Aber damit ist sie nicht verschwunden! Aus dem Hinterhalt heraus wird mit Hilfe der Erdenmenschheit der titanische Kampf gegen GOTT vorbereitet und weitergeführt. Daher wundert es uns nicht, daß es auf der Terra zu derartigen chaotischen Situationen kommt."

"Aber das Universum ist doch unfaßbar groß", sagte Martin. "Warum wird ein derartiger superlativer KAMPF gerade auf der Erde geführt?" "Dieser KAMPF spielte sich zuvor schon seit vielen Jahrtausenden in den geistigen REGIONEN ab. Weil aber die Terra ein Läuterungsplanet ist, hat die negative ORGANISATION ihren Kampf auf die Terra ausgedehnt. Die Erdenmenschen sollen dadurch der GNADE GOTTES entzogen und um ihre Läuterung gebracht werden. Diese niederträchtige Absicht der bösen INTELLIGENZEN hat mit Unterstützung der Erdenmenschheit einen großen Erfolg zu verbuchen." "Das ist eine gute theoretische Erklärung", sagte Martin, der noch nicht ganz überzeugt war. Die Außerirdische schüttelte den Kopf und sagte: "Das ist keine Theorie, sondern absolute, reale Theologie und zugleich der Urgrund aller Kriege." "Woher wollen Sie das so genau wissen?", fragte Martin. "Zwischen den materiellen Welten und den geistigen REGIONEN gibt es keine undurchdringliche Wand", sagte NAMO. "Beide REGIONEN berühren und durchdringen sich, weil die Seele des Menschen, mit ihrem geistigen Bewußtsein, den geistigen REGIONEN sehr nahe steht.

Wir SANTINER korrespondieren mit der guten ORGANISATION. Auch JESUS machte davon Gebrauch. Aus dieser transzendenten WELT erhalten wir INFORMATIONEN, die uns ständig weitergebracht haben.

"Sie hatten den Sex angesprochen. Ist da noch etwas hinzuzufügen?", fragte Martin. "O ja!", sagte NAMO. "Sex ist für die Liebenden da, weil es sich um die Fortpflanzung handelt. Sex ist eine individuelle, rein persönliche Angelegenheit zwischen zwei Geschlechtern, bei denen ein Dritter nichts mehr zu suchen hat. Folglich darf die geschlechtliche Liebe nicht profaniert werden." "Auf der Erde ist man dafür, schon kleine Kinder damit zu konfrontieren", sagte Martin. "Wir wissen das", sagte die Außerirdische. "Auch wir sind für eine rechtzeitige, aber gesunde Aufklärung. Von diesen wenigen Worten war Martin sehr beeindruckt. Die Erde braucht in der Tat Vorbilder. NAMO war eines davon. "Der unheimliche, negative GEIST, der nur die Zerstörung im Auge hat, kennt genau die Angriffspunkte und Schwächen eines jeden Menschen. Der Widersacher GOTTES geht einen fast mühelosen, absolut sicheren Weg, der ihn von Erfolg zu Erfolg führt.

Eine dieser Schwächen, die der Mensch zeigt, ist das Gebiet der sexuellen Liebe. Von der Prostitution über alle Perversitäten bis zur öffentlichen Pornographie hat der Negative ein leichtes Spiel, um den Menschen herabzuziehen. Menschen, denen nichts heilig ist, die weder an GOTT noch an den Teufel glauben, die keine Ahnung vom Überleben ihrer Seele haben, machen mit der in den Schmutz gezogenen Liebe die infamsten und schmutzigsten Geschäfte.

Wir SANTINER haben nichts gegen eine Natürlichkeit, auch wenn sie sexuellen Charakter hat. Aber die Pornographie hat nichts mit dieser Natürlichkeit zu tun. Die Pornographie ist eine beabsichtigte Verunreinigung der menschlichen Seele, der Moral und des gesunden Empfindens."

"Handelt es sich dabei um ein vom Staat geduldetes Verbrechen?", fragte Martin. "Der Staat hat die Verantwortung für die Bildung und Erziehung seines Volkes", sagte NAMO. "Was tun die Regierungen in dieser Angelegenheit? - Aufgrund unserer Ermittlungen weiß ich, daß die Führer auf der Erde auf der Seite des NEGATIVEN stehen, also im anderen Lager.

Ein Mensch, der sich für solch eine Entstellung der LIEBE interessiert, verliert seinen guten Geschmack und erkrankt unweigerlich an dieser Teufelei. Diese Krankheit ist kaum heilbar. Sie kann bis zur völligen Impotenz führen!"

"Würden Sie sagen, daß die gegenwärtige Pornographie ein Rückschritt in die Unterentwicklung ist?", fragte Martin. "Nein. Pornographie hat nichts mit Unterentwicklung zu tun", antwortete die Außerirdische. "Es ist eine wohlüberlegte Geschäftemacherei mit dem Triebleben des Menschen. Jede andere Bezeichnung soll nur von der wahren Absicht ablenken. Primitive Völker distanzieren sich von dieser Art der geschlechtlichen Bloßstellung. Für diese Menschen ist die sexuelle Liebe ein göttlicher Akt, ein Anruf an die SCHÖPFUNG, der sogar in Tempeln seinen Platz findet. Doch was tut der angeblich zivilisierte Mensch, der sich anmaßt, besser zu sein als die sogenannten unterentwickelten Wilden? Eine pornographische Verhaltensweise ist das Widerwärtigste, was der Mensch mit Hilfe seiner fehlgeleiteten Intelligenz zeigen kann. Wir empfinden für diese Menschen kein Mitleid, denn sie verderben die Jugend und darüber hinaus Millionen anderer Menschen. Man bringt diese Menschen um die Läuterung, so daß sie vergeblich auf dieser schönen Terra gelebt haben.

Die Zeugung ist heilig! Sie wird aber entheiligt. Um all dieses zu verhindern und die Menschen aufzuklären, unternehmen wir lange und gefährliche Reisen. Ich kann nicht verstehen, daß man so dumm sein kann, die menschliche Zeugung derart in den Schmutz zu ziehen. Es ist ein absolutes Zeichen für die unglaubliche Verwahrlosung des menschlichen Geistes, der seinen guten Geschmack restlos eingebüßt hat. Wir SANTINER warten auf den geistigen Durchbruch auf der Terra. Es muß zu einer Neuordnung kommen. Unsere Bemühungen müssen zum Nachdenken bewegen."

"Meinen Sie nicht auch, daß diese negative Erscheinung von selbst verschwinden wird?", fragte Martin. "Es kann sein, daß das Unzüchtige und Gemeine zu einem Ekel führt", meinte NAMO. "Ich bin davon überzeugt, daß diese Beispiele auf die anderen Völker wirken werden. Man wird um so schneller dahinter kommen, daß die Erdenmenschheit durch solche Entgleisungen nicht vorwärtskommen kann. Es wird in Zukunft keinen Puritanismus mehr geben, denn dazu ist die Masse sexuell zu weit aufgeklärt; aber dennoch wird man unbedingt neue Grenzen ziehen müssen. Man wird besser unterscheiden müssen, was zur notwendigen Aufklärung gehört oder was unsittlich ist. Auch die Pornographie macht keine Ausnahme, denn sie untersteht ebenfalls den GESETZEN von Ursache und Wirkung." "Wissen Sie, was eine Koedukation ist?", fragte Martin. "Meinen Sie damit die Erziehung beider Geschlechter in einem gemeinsamen Unterricht?", fragte NAMO. "Ja, ganz recht. Was halten Sie davon?", fragte Martin. "Die Pornographie ist ein Teil dieser Koedukation", sagte die Außerirdische. "Die Geschlechter kommen außerhalb des Schulunterrichts genug zusammen. Im gemeinschaftlichen Unterricht benehmen sie sich verkrampft und unnatürlich und machen sich gegenseitig etwas vor. Die Ungehorsamkeit mit ihrem antiautoritären Verhalten, verbunden mit einem mächtigen Radau in den Klassen, ist darauf zurückzuführen. Jedes Geschlecht will zeigen, was es kann. Die völlige Abwertung des Menschen geschieht allein schon dadurch, daß der gegenseitige Respekt verloren geht. Es wird die Intimsphäre verletzt, wodurch das natürliche Schamgefühl schwindet. Doch das Schamgefühl ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die der Mensch unbedingt für ein normales und gesundes Zusammenleben braucht. Ihr Menschen von der Terra habt keine Ahnung, wie wichtig dieses Schamgefühl ist. Es hängt direkt mit der gegenseitigen Achtung zusammen. Eine Frau ohne Schamgefühl kann man nicht lieben; so ist es auch umgekehrt. Wie wichtig aber die Liebe im Zusammenleben der Menschen ist, müßtet Ihr eigentlich längst wissen." "Sprechen Sie bitte weiter, diese Aspekte sind sehr interessant", sagte Martin. "Die Wissenschaftler wissen, welche ungeheuren Vorgänge sich in einem weiblichen Körper abspielen", sagte NAMO "Aber wo bleibt die Ehrfurcht vor diesem grandiosen Geschehen? Meinen Sie nicht auch, daß der Zeugungsakt dazugehört? Die Wissenschaft wäre wenigstens dazu verpflichtet, auf die Heiligkeit der Zeugung hinzuweisen. Ist Ihre Wissenschaft auf der Terra schon so unglaublich verroht und abgestumpft?" "Was kann man tun?", fragte der Journalist. "Nur ein normales, gesundes Zusammenleben zwischen den Geschlechtern kann die Terra vor dem Untergang retten", sagte NAMO sehr ernst. "Wenn es sich um moralische Aufrüstung handelt, reicht das Geld nicht aus", sagte Martin bitter. "Das ist ein bedauerlicher Irrtum", sagte NAMO. "Man hat mir erzählt, daß allein in Ihrem Heimatland viele Milliarden für die Verteidigung bereitgestellt wurden. Was glauben sie, wieviel man für die geistige Verteidigung der Terra zur Verfügung stellen wird?" "Was meinen Sie mit 'geistiger' Verteidigung", fragte Martin. "Sehr einfach. Ich meine damit unsere Bemühungen hinsichtlich der Aufklärung und Belehrung. Die Erkenntnisse, die wir Ihnen vermitteln, sind ungeheuer viel wert, weil sie zu einem Frieden und zur Läuterung des Menschen beitragen sollen. Man spricht immer nur von einer 'Aufrüstung der Waffen', aber niemals von einer Aufrüstung der WAHRHEIT." "Was halten Sie von der Emanzipation?", fragte Martin neugierig. "Diesen Ausdruck kenne ich nicht", sagte die Außerirdische. "Würden Sie ihn mir bitte erklären?" "Ich meine damit die Gleichberechtigung der Frau", erklärte Martin. "Durch die Emanzipation wird die Frau in vieler Hinsicht dem Manne gleichgestellt. Diese Gleichberechtigung wird aber in den verschiedenen Ländern der Erde unterschiedlich gehandhabt." "Ich verstehe. Das Wort 'Gleichberechtigung' ist fehl am Platz. Ich bin dafür, daß die Frau nicht diskriminiert wird. Sie darf auf keinen Fall eine Sklavin des Mannes sein. Auch die Frau sollte beruflich reelle Aufstiegsmöglichkeiten bekommen. Das ist auch bei uns so. Was die Terra betrifft, so sollte sie auch ein Mitspracherecht in der Politik bekommen. Übersteigert sich die Frau, um den Mann zu übertrumpfen, so wird automatisch ihr gesamter Hormonablauf gestört. Doch der Hormonhaushalt der Frau ist das Wichtigste, was sie biologisch besitzt. Dekadenz führt immer zu negativen Erscheinungen, die nicht gleich sichtbar sind. Die Gleichsetzung der Frau verändert sie physisch derart, daß ihr Körper nicht mehr mit dem geistigen MODELL übereinstimmt. Wohin soll es führen, wenn die geschlechtlichen Unterschiede verwischt werden?" "Was meinten Sie mit 'geistigem Modell'?", fragte Martin. "Mein lieber Bruder von der Terra", sagte die Außerirdische, "Sie können doch auch kein Auto bauen, wenn Sie nicht Pläne und ein Modell besitzen. In der Natur ist es nicht anders. Für die gesamte SCHÖPFUNG gibt es PLÄNE und MODELLE, die zwar geistig vorliegen, aber nach denen die materielle Natur arbeitet. Das trifft auch für den Menschen zu. Diese geistigen MODELLE korrespondieren mit der DNS, d.h. mit den Erbfaktoren.

 

 

11.0 Negative Verklärung

SHINUN kam in den Raum. NAMO und Martin unterbrachen ihr Gespräch und schauten SHINUN erwartungsvoll entgegen, der auf ihren Tisch zusteuerte. SHINUN grüßte kurz und wandte sich dann an Martin und sagte:

"Ich bin gekommen, weil ich eine Vorwarnung bringe." "Ist etwas passiert?", fragte Martin besorgt und sprang auf. "Nein, nein, so schnell passiert nichts. Sie fliegen mit uns sehr sicher, Herr Berger. Aber es wird sich gleich etwas verändern. Erschrecken Sie bitte nicht. Es dauert nicht lange. Auf alle Fälle kommen Sie in ihren alten Zustand zurück. Wir schalten gleich auf Antimaterie um. Sobald die Umpolung des Schiffes erfolgt ist, erreicht unser Raumschiff eine vielfache Lichtgeschwindigkeit. Ja, Herr Berger, Sie sind sehr, sehr weit von Zuhause entfernt." "Unfaßbar!", rief Martin und stemmte seine Arme in die Hüfte. "So etwas gibt es doch nur in Science Fiction-Romanen." SHINUN lächele und sagte: "Die kühnste menschliche Phantasie ist stets überholt worden. Das ist auch bei uns nicht anders. Es ist nur eine Sache der Entwicklung. Das Wort 'unmöglich' bezieht sich immer nur auf die gegenwärtigen Erkenntnisse, Mittel und Erfahrungen." Martin spürte plötzlich, wie ihm heiß wurde. Für den Bruchteil einer Sekunde verlor er die Besinnung. Er blinzelte mit den Augen und schüttelte seinen Kopf. Er wollte nicht glauben was er mit eigenen Augen sah: NAMO und SHINUN erschienen doppelt. Völlig irritiert schaute er an sich herunter, um auch sich selbst zu betrachten. Auch sein eigener Körper war etwas von ihm abgerückt. Martin verschlug es die Sprache. Die Schwerkraft war völlig aufgehoben. Trotzdem schwebte Martin nicht. Langsam versuchte er seine Glieder zu bewegen und ein Stück zu gehen. Dies gelang ihm auch, aber er tat nur wenige Schritte. Es war ihm nicht geheuer und er hatte Angst, sich zu weit von seinem "Zwilling" zu entfernen. Nach kurzer Zeit rückten die beiden Körper wieder zu einer Einheit zusammen. Dasselbe geschah mit den beiden Außerirdischen. Das Hitzegefühl ließ rasant nach und Martin war wieder er selbst. Ein weihrauchartiger Geruch lag in der Luft. Martin wandte sich an SHINUN und sagte: "Das hat tatsächlich nicht lange gedauert. Aber es war unglaublich!" Martin setzte sich und auch SHINUN nahm Platz. "Was denken Sie, Herr Berger, welche Entfernung wir während eines Lidschlages zurückgelegt haben", fragte der Außerirdische. "Sie können es sich nicht vorstellen. Es ist eine Strecke die wesentlich größer ist, als die Entfernung zwischen der Terra und ihrem Mond. Das, was Sie soeben erlebt haben, war eine Art Entkörperung, die dem wirklichen Tode sehr ähnlich ist. Ihre Seele mit dem Geistkörper machte sich selbständig, aber sie blieb trotzdem mit dem physischen Körper verbunden. Etwas Ähnliches gibt es auch auf der Terra bei den sog. 'LSD-Trips', wie es dort heißt." "Bisher hatte ich nicht geglaubt, daß es so etwas wirklich gibt", sagte Martin. "Es war der bedeutendste Anschauungsunterricht, den ich je erlebt habe. Das müßten einige unserer Wissenschaftler erleben. Ich wäre neugierig, was sie dazu sagen würden." "Vermutlich würden sie auch dafür eine faule Erklärung finden, z. B. 'Halluzination des Unterbewußtseins'", sagte SHINUN. "Hier werde ich mit Gebieten vertraut gemacht, für die ich mich noch nie interessiert habe", sagte Martin, mehr zu sich selbst. "Das ist ein allgemeiner Fehler, den die meisten Erdenmenschen begehen", sagte SHINUN. "Die meisten Menschen zeigen ein absolutes Desinteresse für die wichtigsten Dinge des Lebens. Und weil sie so desinteressiert sind, haben sie auch keine Ahnung davon. So erspart man sich jedes tiefere Nachdenken und jede Diskussion." "Sie hatten die LSD-Trips erwähnt", sagte Martin. "Offenbar ist Ihnen bekannt, daß man auf der Erde Rauschgifte verwendet." "Gewiß", antwortete der Außerirdische. "Wir sind darüber informiert und entsetzt. Auch diese Sünde gehört zur dämonischen Unterwanderung der Menschheit. Wer nur etwas Ahnung von der universellen, göttlichen WIRKLICHKEIT hat, der läßt dies bleiben! Es ist der schnellste Weg, um in die REGIONEN DER HÖLLE zu kommen. Auch der Alkoholgenuß gehört dazu, wenn eine bestimmte Grenze überschritten wird. Das Unbekannte, was bei einem 'Trip' wie es auf der Terra genannt wird - in Erscheinung tritt, ist uns bekannt. Die Verknüpfung der Seele mit der Physis wird gelockert, ähnlich, wie Sie es eben hier erlebt haben. Die Seele steigt aus der Schädeldecke des physischen Körpers einfach aus. Man kann dann umherspazieren und sieht Teile einer SPHÄRE. Doch Sie können mir glauben, Herr Berger, daß solche Art SPHÄRE nicht empfehlenswert ist." "Ich hörte, daß die Eindrücke im LSD-Rausch sehr farbenprächtig sein sollen", sagte Martin. "Ja, das mag sein. Aber haben Sie noch nie etwas von negativer Verklärung gehört?", fragte SHINUN seinen irdischen Gast. Martin schüttelte langsam seinen Kopf. "Dann hören Sie einmal gut zu, Herr Berger, und berichten Sie es allen Menschen auf der Terra!", betonte der Außerirdische eindringlich seine Worte. "Der Widersacher des SCHÖPFERS hat mit guter Überlegung seine Werke verklärt. Seine Schöpfung ist bunt, interessant, grotesk und bizarr. Dadurch wird der Mensch getäuscht, damit er ihre gefährliche Negativität nicht gleich erkennt. Eine Orchidee z. B. kann wunderbar aussehen und berauschend duften, trotzdem kann sie tödlich wirken.

Das sind Dinge, von denen der Erdenmensch kaum etwas weiß, und jene, die davon gehört haben, sind der Meinung, daß es sich nur um Phantastereien handelt. Aber jedes Theater hat seine Bühne und seine Kulissen. Nur der Erdenmensch dünkt sich so überaus klug, daß er es nicht mehr für nötig hält, hinter die Kulissen zu schauen. Die Weltbühnen bringen Dramen und Tragödien; aber hinter der Bühne wird vom Teufel Regie geführt. Der Teufel läßt sich vor dem Publikum nicht sehen, doch seine MACHT ist groß!

Das Negative wird verschönt. Der Teufel schmückt seine Kumpanen und Mordgefährten. Schauen sie einmal auf die Uniformen der Streitkräfte, auf die Orden. Schauen Sie auf die bunten Streifen an den Hosen und auf die Goldtressen auf den Mützen. Alles sieht wunderbar aus, aber was steckt wirklich dahinter? Schon immer haben sich die Führer und Diplomaten der Erdenmenschheit wie die Pfauen herausgeputzt. Noch heute tragen sie Schärpen und goldverbrämte Rockschöße. - Sehen Sie sich einmal unseren 'Kommandanten' an. Auch seine Uniform glänzt golden, aber da ist kein Orden, keine Schärpe, da gibt es keine Intarsien.

Besuchen Sie auf der Erde einmal ein Nachtlokal, in dem mit Rauschgift gehandelt wird. Sie werden von der Buntheit der Lampen und von den Scheinwerfern geblendet. Aber was dahinter steckt, darauf kommt es an! Alle diese Erscheinungen sind gelenkt, inspiriert und die Menschen sind die Marionetten, ohne es zu merken! Disharmonische Töne und rasante Paukerei untermalen die makabre Verklärung. - Wir SANTINER hoffen, daß dieser Teufelstanz bald ein Ende findet."

Im Aufenthaltsraum läutete ein Glockenspiel. "Wir werden gerufen", sagte SHINUN. "Es findet wieder eine Konferenz statt. Vielleicht wird es für Sie die letzte sein."