Psychowissenschaftliche Grenzgebiete
 
Thema: Der Einfluss der Trauer auf Verstorbene (4)


   

17. Eine verstorbene Mutter sorgt für ihre zurückgelassenen Kinder

Einen gleichartigen Fall berichtet der in Deutschland geborenen Arzt Dr. Bernhard Cyriax, der in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts Professor an einer medizinischen Hochschule in Cleveland (Ohio, U.S.A.) war. Er schildert in seinem Buch "Wie ich ein Spiritualist geworden bin" folgendes Geschehnis (1, S. 24):

"In Boston werden in dem Lokal des 'Banner of Light' (eine spiritistische Zeitschrift) dreimal wöchentlich Sitzungen gehalten, um irgendwelchen Geistern, die den Wunsch hegen, sich den Hinterbliebenen mitzuteilen, Gelegenheit dazu zu geben, indem sie durch das 'personifizierende Medium' ihre Wünsche mündlich mitteilen. Dieselben werden stenographisch niedergeschrieben und dann im 'Banner' veröffentlicht. Es war im Jahre 1864, als an einem Freitag nachmittag durch das Medium (damals noch Mrs. Conant) sich der Geist einer an Schwindsucht gestorbenen Irländerin manifestierte und mitteilte, daß sie sich so furchtbar unglücklich fühle, da ihre beiden hinterlassenen Kinder, acht bzw. zehn Jahre alt, schrecklich zu leiden hätten. Sie gab an, daß sie in einer elenden Wohnung, in einer Sackgasse in Albany, im Staate New York, gestorben sei und daß von den Behörden das eine der Kinder an eine Familie in der Stadt Albany, das andere aber an einen Farmer in der Nähe der Stadt in Pflege gegeben worden sei. Das eine Kind werde zum Betteln angehalten und müsse fast verhungern, das andere aber werde tyrannisch behandelt und wegen der geringsten Kleinigkeit grausam geschlagen. Die Frau gab Daten und Wohnungen ganz genau an, und unter herzzerreißendem Wehklagen ersuchte sie den Vorsitzenden, an einen gewissen Dr. Andrews in Albany zu schreiben, der sie in den letzten Wochen ihrer Krankheit behandelt habe und sehr menschenfreundlich sei, um ihn zu bitten, sich der Kinder anzunehmen.

Diesem Wunsche gemäß wurde am Sonnabend ein Brief, alle Einzelheiten enthaltend, an Dr. Andrews, dessen Adresse vom Geiste angegeben war, gesandt. In der Sitzung am Dienstag nachmittag manifestierte sich die Irländerin wieder, ganz glücklich, und teilte mit, daß sie sich jetzt ruhig und glücklich fühle, da der Doktor ihrem Wunsche nachgekommen sei und ihre Kinder aus den Händen ihrer Peiniger befreit hätte. Sie wußte gar nicht, wie sie ihren Dank für die bereitwillige Hilfe aussprechen sollte und flehte die Gnade des Himmels an, die Vermittler zu segnen. Am Donnerstag kam ein Brief von Dr. Andrews an, in welchem dieser mitteilte, daß er, so sonderbar ihm auch die Sache vorgekommen sei (er war damals kein Spiritualist), sich doch sofort mit Hilfe der Polizei auf die Suche begeben habe, da die Tatsachen richtig angegeben gewesen wären. Er habe auch die Kinder gefunden, und es seien alle Angaben der verstorbenen Mutter richtig gewesen. Für die Kinder habe er gesorgt, bitte aber um Aufklärung, wie der Redakteur des Banner alle diese Einzelheiten, die sich doch alle als wahr herausgestellt hätten, habe in Erfahrung bringen können.

Man teilte dem Doktor nun alle Einzelheiten mit und forderte ihn auf, sich mit dem Spiritualismus zu beschäftigen, die Tatsachen zu untersuchen und die Philosophie desselben zu studieren. Diese Tatsachen wurden natürlich im 'Banner of Light' veröffentlicht; Dr. Andrews aber beschrieb noch in dem 'Albany Argus' die ganzen Vorgänge genau und sagte am Schluß seiner Abhandlung, daß er nach solchen Tatsachen nicht länger daran zweifeln könne, daß wirklich Geister der Verstorbenen sich mitteilen und ihre Wünsche kundgeben könnten. Er war von da an ein überzeugter Spiritualist.

Und Dr. Andrews hatte recht. Wer nach solchen Tatsachen nicht von der Wirklichkeit einer persönlichen Fortdauer nach dem Tode und der Interkommunikation beider Daseinsstufen überzeugt wird, der wird nie ein Spiritualist werden. Man bedenke, daß von Boston nach Albany es zur damaligen Zeit 14 bis 15 Stunden auf der Eisenbahn zu fahren war und daß also ein Brief, der von Boston am Sonnabend abgeschickt wurde, erst am Sonntag in die Hände des Doktors kommen konnte. Nach eigener Angabe des Doktors machte es viel Mühe, die Wohnung der Leute aufzufinden, die das eine Kind übernommen hatten, und da dasselbe außer dem Hause war, so konnte er es erst Montag abend zu sich nehmen. Am Dienstag früh fuhr er auf die Farm und holte sich das andere Kind, und nachmittags schrieb er den Brief, welcher am Donnerstag in die Hände des Redakteurs Luther Colby gelangte.

Wenn also die ganze Geschichte nicht vorher zwischen Herrn Colby und Dr. Andrews abgekartet war, um Humbug zu treiben (was schon dadurch widerlegt wird, daß der Doktor kein Spiritualist war), so bleibt keine andere Erklärung übrig als die, daß wirklich der Geist der Irländerin sich in Boston durch das Medium manifestierte. Wenn man im Stande wäre, mit einem Schwamme alle bisher bekannten Facta des Spiritualismus aus dem Gedächtnis der Menschen zu verwischen, so könnte man aus der oben geschilderten Manifestation ganz allein das Gebäude des Spiritualismus wieder aufrichten."

 

 

18. Ein Ermordeter spürt Gedanken des Mitgefühls

In dem folgenden Beispiel geht es nicht um Trauer um einen Verstorbenen, sondern darum, daß dieser Gedanken des Interesses und einer gewissen Anteilnahme eines irdischen Menschen auffängt, und, weil dieser medial veranlagt ist, sich diesem dann mitteilt. Es handelt sich dabei um einen Mord aus politischen Gründen. Die Begebenheit spielt im Jahre 1934 und betrifft den damaligen Stabs-Chef der SA Ernst Röhm. Dieser war ein besonders unangenehmer und gewalttätiger Vertreter der nationalsozialistischen Führungsschicht. Er war einer der wenigen Duzfreunde von Adolf Hitler.

Röhm war im Ersten Weltkrieg Hauptmann im Generalstab gewesen und durch eine Verwundung im Gesicht entstellt. Er hoffte, daß nach 1933 die SA (Abkürzung für Sturmabteilung), die damals drei Millionen Mann umfaßte und deren oberster Führer er war, zusammen mit der Reichswehr den Grundstock der neuen deutschen Wehrmacht bilden würde. Hitler entschied aber, die neue Wehrmacht nur aus der alten Reichswehr hervorgehen zu lassen. Er ließ Röhm, dem er Sylvester 1933 noch ein überschwengliches Dankesschreiben geschickt hatte, fallen. Röhm seinerseits bezeichnete Hitler am 28. Februar 1934 in einem vertraulichen Gespräch mit SA-Führern als lächerlichen Gefreiten und sagte: "Wenn man sich nur von dieser Memme befreien könnte."

Hitler beschloß, angestachelt von Himmler und Göring, Röhm und alle höheren SA-Führer zu liquidieren. Dazu spielte er Röhms homosexuelle Veranlagung, die er schon lange vorher kannte, hoch und unterstellte ihm Putschabsichten. Zur angeblichen Verhinderung dieses Umsturzversuches wurden "Gegenmaßnahmen" konstruiert. Sie führten in der Zeit vom 30. Juni bis zum 2. Juli 1934 zur Verhaftung aller ergreifbaren höheren Führer der SA durch SS-Einheiten. Alle Verhafteten wurden ohne Gerichtsverfahren erschossen, ein großer Teil von ihnen im Gefängnis München Stadelheim. Dort wurde am 1. Juli 1934 in der Zelle 474 auch Röhm durch den SS-Sturmbannführer Lippert mit drei Pistolenschüssen ermordet. Im Zusammenhang mit dieser Aktion ließ Hitler der Einfachheit halber auch gleich andere unbequeme Personen, mit denen er noch eine Rechnung zu begleichen hatte, mitermorden. Darunter waren z.B. der frühere Reichskanzler General von Schleicher, der Reichswehrgeneral von Bredow und der frühere bayerische Staatskommissar von Kahr. Es war die erste Untat Hitlers größeren Umfangs. Er ließ sie sich später durch Reichsgesetz vom 2. Juli 1934 als Staatsnotstand für rechtens erklären.

In einer Reichstagsrede vom 13. 7. 1934 gab Hitler an, daß insgesamt 77 Personen ihr Leben hätten lassen müssen. Tatsächlich ist aber, so schätzt man heute, die Zahl mindestens zehnmal so groß gewesen. Genaue Zahlen ließen sich nie ermitteln. Es wurde wahllos alles ermordet, was Hitler und anderen Machthabern gerade unbequem war, mochten sie mit Röhm Verbindung haben oder nicht, mochte es sich um Namensverwechslungen handeln oder um unbeteiligte Familienangehörige. Wer an den Verhaftungstagen zufällig gerade nicht greifbar war, weil z.B. verreist, blieb hinterher unbehelligt.

Das ist der geschichtliche Hintergrund (der in dem Buch (2) "Der Schwarze Freitag der SA" nachgelesen werden kann) des nun folgenden Berichtes. Er stammt von Dr. Gerda Walther (1897-1977). Diese hatte auf dem Gebiet der Philosophie promoviert, war später im Bereich der Parapsychologie tätig und 1928/29 bis zu seinem Tode Sekretärin des bekannten parapsychologischen Forschers und Arztes Dr. von Schrenck-Notzing gewesen. Ursprünglich Marxistin und Atheistin hatte sie den Weg zum Christentum gefunden. Sie war medial veranlagt, wie ihr folgender Bericht zeigt (19, S. 509-515):

"Es war Ende Juni 1934, eine unheilschwangere Spannung lag über München. Man konnte sich ihre Ursache nicht recht erklären, aber sie war deutlich fühlbar. Als ich am Samstag, dem 30. Juni 1934, die 'Basler Nachrichten' in dem kleinen Kiosk an der Straßenbahnhaltestelle 'Danziger Freiheit' kaufen wollte, fragte die Inhaberin, ob ich etwas von einem Aufstand erfahren hätte? Ein SA-Mann sei in aller Frühe zu ihr gekommen und habe gesagt, der Führer sei gegen seine eigenen Leute vorgegangen und habe einen großen Teil von ihnen verhaften lassen. 'Der Mann war ganz ratlos und verwirrt', schloß die Frau ihre Erzählung.

Ich hatte noch nichts davon gehört, doch als ich weiterging, vernahm ich überall die verschiedensten Gerüchte: Hitler habe in Bad Wiessee die oberste SA-Leitung verhaftet, warum wußte man nicht recht. Sie hätten einen monarchistischen Putsch beabsichtigt, sagten die einen. Das sei Unsinn, meinten die anderen, im Gegenteil, sie hätten die Revolution weiter nach links treiben wollen. Die berühmte Marburger Rede v. Papens, mit der deutlichen Absage und Drohung nach links, sei gegen diese Männer gerichtet gewesen.

Was waren das für Menschen? Ich hatte mich bisher kaum um sie gekümmert, wie alle Naziführer lehnte ich auch diese ab, wenn ich nur die Namen hörte. Vor einiger Zeit war ich die Theatinerstraße zum Odeonsplatz herunter gegangen., als ich plötzlich auf das lebensgroße Bildnis Ernst Röhms stieß. Er war früher Offizier gewesen, ein energisches Gesicht voller Narben blickte herrisch auf die Vorübergehenden. Ich blieb davor stehen und dachte bei der Betrachtung der Photographie, wie unsympathisch mir alle diese Leute doch seien. Da war es, als tadle mich eine innere Empfindung, als spürte ich eine gewisse geistige Helle von dem Bild ausgehen. Bei näherem Zusehen lag neben aller Herbheit und Unerbittlichkeit auch Güte in den Augen des durch die Narben entstellten Antlitzes.

'Wenn diese geistige Ausstrahlung wirklich die von Ernst Röhm sein sollte, wäre er ja gar nicht so schlimm', sagte ich mir. Aber dann schob ich diesen Gedanken wieder beiseite: 'Ach was, alle diese Naziführer sind im Grunde die gleiche widerliche Gesellschaft.' Und ich setzte meinen Weg fort, ohne weiter über die Sache nachzudenken.

Ernst Röhm war einer der Verhafteten. Die Zeitungen feierten das energische Vorgehen des Führers, der sein Volk wieder einmal im letzten Augenblick durch sein 'blitzschnelles Handeln vom Abgrund zurückgerissen' hatte. Die erst vor kurzem noch gefeierten SA-Führer, denen gegenüber eine abfällige Bemerkung jeden Unvorsichtigen in die Hände der Gestapo geliefert hätte, wurden nun auf einmal mit dem Ausdrucke des Abscheus als 'Schufte', 'Hochverräter' und ähnlich bezeichnet. Ich war trotz aller Gegnerschaft tief erschüttert. Was war geschehen? Hatte die Presse recht? Was wollten jene Männer? Daß mit ihnen so verfahren wurde, ließ vermuten, daß tiefe Differenzen zwischen ihnen und Hitler bestanden, - aber weshalb? Worüber?

Der folgende Tag war ein Sonntag. Ich nahm am Nachmittag an einem Ausflug der Christengemeinschaft (der religiöse Zweig der Anthroposophischen Gesellschaft) teil. Wir gingen das Isartal hinauf und lagerten uns im Gras einer Waldlichtung. Die anderen plauderten, als sei nichts geschehen. Doch in mir zitterte die Erregung über das Vorgefallene nach. Wie erging es jetzt den Verhafteten? Ich fragte einen jungen Arbeiter, mit dem ich mich bei solchen Ausflügen oft unterhielt, nach seiner Meinung über das Geschehene: 'Diese SA-Führer waren die Schlechtesten nicht', sagte er, 'sie waren immerhin besser, als die anderen und haben es mit dem Volk ehrlich gemeint. Das hat denen wohl nicht gepaßt, und so haben sie daran glauben müssen!'

Am nächsten Morgen hieß es dann, die Haupträdelsführer seien kurzerhand erschossen worden. Warum? Weshalb hatte man sie nicht vor Gericht gestellt und ihnen Gelegenheit gegeben, sich zu verteidigen, - sie, die doch eben erst zu den vertrautesten, gepriesensten Freunden der Regierung gehört hatten? Niemand konnte mir eine Antwort auf diese Fragen geben.

Am folgenden Dienstag, dem 3. Juli, nahm ich morgens in der Privatwohnung des Priesters Dr. Heisler an der "Menschenweihehandlung" der Christengemeinschaft teil. Die Zeremonie hatte noch nicht begonnen, und ich mußte immer wieder an Röhm und die mit ihm Erschossenen denken. Wo mochten sie jetzt sein, und wie hatten sie sich wohl in ihren neuen Zustand gefunden, sie, die so gänzlich unerwartet in der Blüte ihres Lebens plötzlich hinweggerissen worden waren, ohne sich vorbereiten zu können?

Da, plötzlich, spürte ich in meiner Nähe jene starke, geistige Ausstrahlung, die ich damals vor dem Bild Ernst Röhms empfunden hatte. Und ebenso, wie ich bei der inneren Verbindung mit mir Nahestehenden deren Gedanken zuweilen auffing, vernahm ich nun plötzlich innerlich die empörten Worte: 'Ich bin kein Schuft, ich bin kein Schuft! Ich habe das Beste gewollt. Vielleicht habe ich geirrt. Irren ist menschlich, aber ein Schuft bin ich nicht.'

Ernst Röhm?! War er es, hatte er meine Gedanken gefühlt und war dadurch angezogen worden? Ich versicherte ihm innerlich, daß ich gerne glauben wollte, was er sagte, daß ich mich weiter erkundigen wollte, was er eigentlich erstrebt habe. Aber, fügte ich hinzu, er werde verstehen, daß ich mir aus den Zeitungen kein klares Bild verschaffen konnte, und daß es jetzt, bei der allgemeinen Empörung gegen ihn, auch nicht leicht sei, dies zu tun. Aber ich versprach ihm, daß ich mich bemühen wolle, mir ein objektives Urteil zu bilden.

Der Priester trat ein, und ich bat Röhm in Gedanken, nun mit mir auf das zu achten, was dieser sagte und tat. Zugleich rief ich alle geistigen Lichtmächte und mir nahestehenden Verstorbenen auf, Röhm und seinen Kameraden zu helfen, sich drüben zurechtzufinden.

Nach dem Gottesdienst spürte ich wieder die starke Ausstrahlung Röhms. Voller Ungestüm schien er zu mir zu kommen, fast als wolle er geistig ganz von mir Besitz ergreifen. Er drängte mich, in die Stadt zu gehen, um zu erfahren, was sich weiter zugetragen, wie sich alles entwickelt hatte. Wieder versprach ich ihm, nach Möglichkeit alle seine Wünsche zu erfüllen. Doch bat ich ihn, mich nicht gar so ungestüm zu bedrängen. Ich fürchtete, dadurch in Trance zu fallen und das Bewußtsein zu verlieren und erklärte ihm, daß ich ihm dann ja nicht mehr von Nutzen sein könne. Da hielt er sich etwas zurück. Er schien wissen zu wollen, ob irgendwo in der Stadt noch Kämpfe stattfänden. Dann suchte er mich zum 'Braunen Haus' (die Parteizentrale in jeder Stadt) zu drängen. Ich hatte den Eindruck, als schaue er dort nach Drahtverhauen, Barrikaden und Maschinengewehren aus, und immer wieder mußte ich ihm versichern, daß alles ruhig, alles beendet sei!

Nun wollte er mit mir geradewegs in das 'Braune Haus' hineingehen, um nachzuforschen, was alles weiter geschehen war. Aber ich weigerte mich. Ich ging so weit, daß er das Gebäude durch meine Augen gut von außen zu sehen vermochte, nachdem er offenbar aufnehmen konnte, was ich ihm durch mein Bewußtsein übermittelte. Dann erklärte ich ihm, daß ich in diesem Haus völlig unbekannt sei, und man mich zweifellos in die nächste Irrenanstalt bringen lassen werde, wenn ich seinem Wunsch gemäß hineinginge und womöglich sagte, daß ich in seinem, des 'Verstorbenen' Auftrag komme, um mich nach dem weiteren Fortgang der Ereignisse zu erkundigen.

Noch drei Tage lang war ich fast wie besessen von seiner starken Gegenwart. Ihm zu lieb durchsuchte ich im 'Café Stephanie' täglich viele in- und ausländischen Zeitungen, um zu sehen, ob ich darin irgendwelche Mitteilungen über die wahren Ziele der Erschossenen und das Schicksal der Erhebung entdecken könne, - doch fand ich dort auch nicht mehr, als ich schon wußte, so wenig es war.

Ich bat deshalb Röhm innerlich, nun seinerseits zu versuchen, mich mehr erfahren zu lassen, wozu er vielleicht von 'drüben' eher die Möglichkeit hatte. Seltsamerweise erfüllte sich das nach nicht allzu langer Zeit, denn zu meiner Überraschung kam mit geheimnisvoller Miene eines Tages mein Bekannter, Herr Georg Hausmann, unerwartet zu mir mit einer dünnen Broschüre von Otto Strasser, die einige Einzelheiten über die Geschehnisse des 30. Juni und ihre Hintergründe enthielt. 'Wo haben Sie das her, wieso bringen Sie es gerade mir?' fragte ich erstaunt. Er erinnerte mich daran, daß ich auf seine, nach jener Weihehandlung am 3. Juli gestellte Frage, ob ich ein Stück mit ihm gehen wollte, erwiderte, ich hätte keine Zeit, sondern müßte sofort in die Stadt, um Näheres über den angeblichen Putsch zu erfahren. Er war sehr verblüfft, denn ihn interessierte es nicht im geringsten. Nun aber hatte ihm eine Bekannte diese Blätter aus der Schweiz mitgebracht, und da bat er, sie mir geben zu dürfen.

Dr. Hermann Heisler, Priester der Christengemeinschaft, hatte mich einmal aufgefordert, an einer Weihehandlung für den Schulfreund eines Studenten teilzunehmen, die dieser erbeten hatte, weil der Mitschüler als Jude Selbstmord begangen hatte. Dr. Heisler meinte, ich könnte wohl eine Verbindung zu Toten herstellen. Tatsächlich spürte ich auch die Gedanken des Selbstmörders, der sehr erstaunt schien, daß man sich in dieser Weise um ihn bemühte und wohl wenig darauf gab, da er zu Lebzeiten kaum von der Christengemeinschaft wußte. Ich sagte ihm innerlich, es sei doch immerhin gut gemeint, daß der Student ihm helfen wollte, und er möge es wenigstens als Zeichen seiner Sympathie annehmen. Daran erinnerte ich mich jetzt, und ich bat meinerseits um eine Weihehandlung für Röhm und die anderen Erschossenen.

Der Priester schien zunächst nicht abgeneigt zu sein, erklärte dann aber, es sei dies 'ein unerlaubter Eingriff in ihr Karma', den Ablauf ihres geistigen Schicksals, außerdem könnte man 'an so plötzlich und unvorbereitet gestorbene Seelen doch nicht herankommen'. Sowohl Rittelmeyer als andere Priester gaben mir später auf Befragen zu, daß dies kein stichhaltiger Grund sei. Ich war aufs Tiefste enttäuscht, mir schienen das nur Vorwände zu sein. Wahrscheinlich fürchtete dieser Priester sich, eine Handlung zu halten für Verstorbenen, die öffentlich als Verräter und Schufte gebrandmarkt worden waren. Aber es handelte sich doch hier nur darum, Seelen zu helfen, die sich in Not befanden, nicht um eine Beurteilung ihres Vorgehens.

So ging ich in die katholische Frauenkirche und bestellte dort eine Seelenmesse für die Verstorbenen. Ich erklärte dem Mesner ganz aufrichtig, um wen es sich handelte, doch sagte er, das sei gleich, man könne für jeden Seelenmessen bestellen. Der damalige Dompfarrer bestätigte es.

Dann glitt Ernst Röhm mehr in den Hintergrund meines Lebens.

Es vergingen viele Wochen und Monate.

Allerheiligen kam. Gleich am Morgen beim Aufwachen hatte ich wieder das Gefühl der mächtigen Nähe von Ernst Röhm. Er schien einen Wunsch zu haben, sich aber nicht mehr so leicht in innerlich vernehmbaren Worten mit mir verständigen zu können, wie in den ersten Tagen nach seinem Tode. Was wollte er nur? Nun verstand ich es plötzlich: Eine Kerze! Es war doch Allerheiligen, da pflegten die Katholiken ja Kerzen für ihre Toten anzuzünden. War er denn katholisch gewesen? Ich wußte es nicht, und auch nicht, was bei diesen Gebräuchen alles zu beachten war. Ich ging zur Weihehandlung in die Christengemeinschaft und fragte eine übergetretene Katholikin, wie das eigentlich sei mit der katholischen Sitte, Kerzen für Verstorbene zu verbrennen. 'Ja', sagte diese, 'man muß eine geweihte Kerze nehmen und diese entweder am Grab oder in der Kirche oder auch zu Hause mit Gebeten für den Verstorbenen anzünden.'

Ich wußte jedoch damals noch nicht, wo sich das Grab von Ernst Röhm befand, und ihm zu Hause eine Kerze zu weihen schien mir ebenfalls nicht das Richtige zu sein. Also war es wohl das Beste, in einer Kirche eine Kerze für ihn zu stiften. Hier in der Christengemeinschaft kannte man solche Gebräuche nicht. Also beschloß ich, anschließend in die Frauenkirche zu gehen. Sie dünkte mich die schönste Kirche Münchens, das würde ihm wohl recht sein!

Ein Priester der Christengemeinschaft hielt eine Totengedenkhandlung ab. Er erzählte viel Erbauliches von verstorbenen Gemeindemitgliedern. - Röhm war offenbar enttäuscht, daß er mit keinem Wort der Opfer des Blutbades - wenn auch nur indirekt - gedachte, das erst vier Monate vorher stattgefunden hatte. Er schien mich fast verwundert zu fragen, warum 'wir' eigentlich hier teilnehmen.

Sobald der Priester fertig war, eilte ich in die Frauenkirche - dort wurde über den Heldenmut der heiligen Märtyrer und das Blut, das sie für ihren Glauben vergossen hatten, gepredigt.

Ich fühlte, daß Röhm mit Begeisterung zuhörte. Das war wohl eher nach seinem Sinn. Nun wollte ich ihm aber auch die versprochene Kerze bringen. Aber woher sollte ich solche nehmen? Ich versuchte es in der Sakristei und bat den Mesner um eine geweihte Kerze für einen Verstorbenen, die ich auf einem Altar stiften wollte. Der Mesner holte sogleich eine Kerze und fragte, auf welchen Altar sie kommen sollte. Auf diese Frage war ich nicht vorbereitet. Ich wußte ja nicht Bescheid über die verschiedenen Altäre und ihre Bedeutung. Ich war ganz verwirrt. Da fragte der Mesner: 'Darf es nicht der Muttergottes-Altar sein?' - Muttergottes! Bei diesem Wort schien es wie ein Jubelruf von Röhm zu mir zu dringen, und ich sagte schnell: 'Ja, ja, auf den Muttergottes-Altar!' Dann ging ich heim, und am nächsten Tag war mir, als spüre ich Ernsts große Freude und Befriedigung."

Gerda Walther hatte in der Folgezeit eine Reihe weiterer Erlebnisse mit Ernst Röhm. Über diese berichtete sie auch in Vorträgen, wobei sie allerdings Röhms Namen verschwieg und ihn unter der Tarnbezeichnung eines verunglückten Bergführers vorstellte. Über solch einen Vortrag berichtet sie (19, S. 540):

"Im Jahre 1937 war ich in Holland zu Vorträgen eingeladen. Am 13. April befand ich mich nachmittags zum Tee bei einem Vorstandsmitglied der Abteilung Amsterdam der 'Studienverenigung voor Psychical Research', Dr. Hermann Wolf (Emigrant aus Köln). Auch Prof. W. H. C. Tenhaeff war anwesend. Man hatte ferner den niederländischen Hellseher Herrn E. Benedikt eingeladen, ohne ihm jedoch vorher zu sagen, daß ich, die am 17. und 18. sprechen sollte, auch geladen war. Ebenso wußte ich nichts von Herrn Benedikt. Aber selbst wenn er schon von mir gehört haben sollte, wäre er doch mit der wahren Geschichte des 'Bergführers' nicht vertraut gewesen. So war ich beim Eintritt für ihn irgendeine fremde Dame.

Obwohl mir beim Vorstellen der Namen 'Herr Benedikt' nicht das Geringste besagte, da ich ja nichts über ihn erfahren hatte, fühlte ich doch sogleich, wie eine starke seelische Strömung von diesem Mann ausging.

'Es ist jemand mit Ihnen gekommen', sagte er, 'ein dicker Mann mit einer Narbe quer über das Gesicht. .. Warten Sie, ich höre ein Wort: Rom, Rom. 'Aber nicht die Stadt', sagt er. Er deutet auf sich: 'Rom, das bin ich!' Und jetzt erhebt er eine Schußwaffe und zeigt sie mir. - Wissen Sie vielleicht, was das bedeutet?' 'Er ist erschossen worden', sagte ich, 'soviel ich weiß in seiner Gefängniszelle. Seine Henker waren zu feige, ihn herauszuholen und ordnungsgemäß hinzurichten.'

Im Vortrag erzählte ich dann die Geschichte des 'Bergführers'. Als ich geendet hatte, fragte Herr Benedikt, der sich unter den Zuhörern befand, ob der 'Bergführer' eine von innen aufgehellte, graue Ausstrahlung besitze? Ich bestätigte das. Worauf er erklärte: 'Dann möchte ich nur bemerken, daß der 'Bergführer' während des Vortrages zur Rechten der Rednerin gestanden hat."

Gerda Walther erörtert abschließend noch die Frage, ob es sich bei allem nicht nur um ein phantasiertes Wunschbild handeln könne, vielleicht um die Projektion eines Schattengeliebten im Sinne C.G. Jungs durch ihr Unterbewußtsein. Sie gibt darauf folgende Antwort (19, S. 542):

"Für mich ist die Sache über jeden Zweifel erhaben, aber für den Außenstehenden ist das natürlich schwieriger. Projektion?! Dazu habe ich alles zu real erlebt. Aber selbst abgesehen davon, glaube ich doch nicht, daß mein Unterbewußtsein gerade einen der mir so verhaßten Nazis projiziert hätte. Auch unter den Opfern jener Tage gab es ja viele Nichtnazis. Mein Unterbewußtsein hätte also, wenn überhaupt, gut einen solchen 'projizieren' können. Und wie wollen Sie die vielen mir unbekannten Einzelheiten erklären, die mir erst später von seinen Geschwistern bestätigt wurden? Und die Vision, die Herr Benedikt bei meinem Eintritt hatte?"

So weit die Äußerungen von Dr. Gerda Walther. Sie zeigen, daß ein Verstorbener die Gedanken eines irdischen Menschen aufnehmen und sich in diesem Fall sogar mit ihm in Verbindung setzen kann.




Es lebt niemand auf Erden

Elisabeth Clüver
1842 - 1884

Es lebt niemand auf Erden,
den der Schmerz vergißt und die Pein;
viel Kummer und Beschwerden
sind oftmals im Leben dein.

Stehst du in der Jugend Blüte,
wankst du am Stabe dahin,
oft leis wird durch dein Gemüte
der Schmerz seine Furchen ziehn.

Doch blüht auch manches Blümlein
am Wege so lieblich dir auf,
die Freude zieht in dein Herz ein
und dankend blickest du auf.

So gehen wohl Leid und Freude
im Leben stets auf und ab,
begleiten dich alle beide
bis an dein einsames Grab.





19. Verstorbene trösten den auf der Erde zurückgebliebenen Ehemann

Eine englische Krankenschwester Joy Snell, die um die letzte Jahrhundertwende lebte, hat in einem Buch "The Ministry of Angels Here and Beyond", London 1918 (17), berichtet, was sie vom Dienst der Engel auf Erden und vom Leben in anderen Daseinssphären jenseits der Erdenwelt erfahren hat. Geschrieben hat sie das Buch, weil Engel ihr gesagt haben, daß ihr seltene psychische Kräfte verliehen worden seien und daß ihr zu sehen gestattet worden sei, was den weitaus meisten Menschen bis nach dem Tode verborgen ist. Darum solle sie anderen manches von dem erzählen, was ihr enthüllt wurde. Sie erlangte von einem bestimmten Zeitpunkt an die Gabe der Hellsichtigkeit, d. h. daß sie Wesenheiten einer anderen Daseinsebene wahrnehmen konnte. Dadurch war es ihr möglich, sich Kenntnisse anzueignen, die anderen Menschen ohne paranormale Gabe nicht zugänglich sind. Doch meint Joy Snell, daß man auch ohne diese außerordentlichen psychischen Fähigkeiten Hilfe von Engeln aus der jenseitigen Welt empfangen kann. Als Beispiel für diese Erfahrung berichtet sie folgende Begebenheit (17, S.75):

"Einer meiner Freunde, der abstreitet, irgendwelche ungewöhnlichen psychischen Kräfte zu besitzen, hat den überzeugendsten Beweis für den Dienst der Engel erhalten und ist dadurch befähigt worden, über die Trauer zu triumphieren, die ihn sonst überwältigt hätte. Weil es anderen in ähnlicher Lage helfen kann, solchen Trost und Beistand zu erhalten, habe ich Erlaubnis bekommen, seinen folgenden Erfahrungsbericht in dieses Buch einzufügen:

Nach langer Krankheit und vielem Leiden, das sie mit großer Geduld ertrug, war meine innig geliebte Frau gestorben, und ich blieb allein zurück. Sie war imstande gewesen, oft Engel zu sehen und mit ihnen zu sprechen, und sie haben ihr wunderbar geholfen. Da sie mir erzählt hatte, was jene ihr enthüllten, hatte auch ich die vollkommene Gewißheit erlangt, daß der Tod nur der Anfang eines anderen Seinszustandes ist, der für diejenigen, die sich bemühen, ein gutes Leben zu führen, weitaus glücklicher ist, als der auf der körperlichen Ebene. Ich war aber niemals imstande, selber Engel zu sehen oder mit ihnen zu sprechen, wie sie es getan hatte.

Als meine lieben Frau noch lebte, konnte sie ihre Mutter und andere geliebte Mitglieder ihrer Familie, die ihr in die bessere Welt vorangegangen waren, sehen und mit ihnen sprechen. Als sie mir genommen wurde, war es vergebliche Hoffnung, ich könnte imstande sein, sie zu sehen und mit ihr zu sprechen, da ich nicht ihre psychischen Fähigkeiten habe. Ich hatte aber das brennende Verlangen, ich möchte irgendwie in der Lage sein, ihre Gegenwart wahrzunehmen und auf irgendeine Weise Hilfe von Geistern erlangen.

Es war mir instinktiv klar, daß ich, wenn ich Gram und Trübsinn Raum gäbe, eine Schranke zwischen mir und den Geistern aufrichten würde, die mich von ihrem Einfluß abschlösse. Ich fühlte deshalb, daß ich als ersten Schritt mich von traurigen und düsteren Gedanken befreien mußte. Statt bei meinem großen Verlust und meiner verlassenen Lage zu verweilen, entschloß ich mich zu erwägen, was sie gewonnen hatte. Ich malte mir, so gut ich konnte, die herrliche Veränderung aus, die in ihren Lebensumständen stattgefunden hatte. Daraufhin war ich fähig zu würdigen, daß ihr alles das, was ich oftmals für sie erbeten hatte, nunmehr vergönnt war. Ihre Gesundheit war wiederhergestellt, und sie war frei von allem Schmerz. Und ihr war weit mehr verliehen worden, als ich für sie erbeten hatte, denn sie war in den Himmel aufgenommen worden.

'Würdest du, wenn du könntest', fragte ich mich selbst, 'sie vom Himmel in einen entkräfteten, schmerzgeplagten Körper zurückrufen, damit du glücklicher wärest?' 'Nein, unbedingt nein', antwortete ich auf meine Frage. Daraufhin, schien es mir, erhielt ich eine Botschaft vom Himmel, die mich aufforderte, auf die Knie zu fallen und Gott zu danken, daß meine Gebete so überreichlich erhört worden waren, und mich über den Beweis zu freuen, der mich Seiner Güte und Gnade versichert hatte.

Da überkam mich Friede, und meine Seele fand Ruhe. Und dann, o Wunder!, nahm ich wahr, daß sie bei mir war und zu mir - zu meiner Seele sprach. Es war nicht bloß ein Gefühl, es war absolute Gewißheit. Da ihre Gedanken so unmittelbar meiner Seele eingeprägt wurden, erfaßte ich ihre Bedeutung klarer und tiefer, als wenn sie mir in hörbarer Form mitgeteilt worden wären und mich durch meine leiblichen Ohren erreicht hätten. Auf diese Weise konnte meine Frau, die jetzt ein Engel ist, mich an der großen Freude teilnehmen lassen, die ihr zuteil geworden war.

Diese Erfahrung hat sich oft wiederholt. Um aber die freudige und absolute Gewißheit ihrer Gegenwart zu haben und ihre Gedanken zu empfangen, fand ich es immer nötig, zuerst jenen Gemütszustand zu erreichen, der einen veranlaßt, ein Dankgebet an Gott zu richten. Das war nicht immer einfach. Schwelgen in Selbstmitleid, Verstimmung über wirkliche oder eingebildete Übel, fruchtlose Trauer oder irgendwelche ähnlichen Schwächen verhinderten das. Daher versagte ich oft.

Ich bildete die Gewohnheit aus, diesem Umgang eine Stunde oder mehr zu widmen, bevor ich zu Bett ging. Ich bereitete mich darauf vor - oder versuchte es -, indem ich mir ins Gedächtnis rief, wie viele Beweise von Gottes liebender Güte ich im Laufe des Tages empfangen hatte. Wenn ich mich dann erfolgreich von selbstsüchtigen und unharmonischen Gefühlen befreit hatte, folgte das Dankgebet und die süße Verbindung mit der Geliebten.

Mit der Übung vergrößerte sich meine Aufnahmefähigkeit für ihren erhebenden Einfluß. Nach einer kleinen Weile war ich imstande wahrzunehmen, daß andere Geister, die ich hier gekannt und geliebt hatte, bevor der Tod sie abrief, ebenfalls um mich waren. Oft war ich imstande, den einen - und zwar sehr klar - zu identifizieren, von dem die Gedanken kamen, die mir gerade eingeflößt wurden. Ich fand, daß die Unterscheidung zwischen meinen Gedanken und den von ihnen eingegebenen mir sehr dabei half, die letzteren in hörbarer Form auszudrücken oder auszuschreiben.

Ich hatte mich noch nicht lange dieses seligen Trostes bedient, als ich gewahr wurde, daß der Geist von jemandem, den ich auf Erden gekannt hatte, zu mir gekommen war, um mir beizustehen. Dieser Geist machte auf mich den Eindruck, daß er im Besitze größerer Fähigkeiten war als die anderen Geister, die zu mir kamen. Die Gedanken, die von ihm kamen, wurden mir mit größerer Kraft und Direktheit eingegeben. Es waren immer die erhabensten, die ich empfangen und verstehen konnte. Ihr Zweck war, meine Kenntnis von Gott zu erweitern, mein Vertrauen in Ihn zu stärken und mir ein besseres Verständnis Seiner Liebe zu geben, als ich bis dahin erworben hatte.

Ich glaube, das Vermögen der Geister, spirituelle Wahrheiten mitzuteilen, ist viel größer als das der begabtesten menschlichen Seelenlehrer. Diejenigen, die ich hatte predigen hören - und unter ihnen befanden sich manche berühmte Geistliche - hatten mir niemals solche Hilfe gegeben, überhaupt angemessen die Liebe Gottes zu verstehen. Durch die Hilfe der Geister aber, und besonders des zuletzt Erwähnten, war ich bis zu einem gewissen Grade imstande zu begreifen, was diese Liebe ist. Ich habe erfahren: Ebenso, wie man in einem Zimmer mit dicker, erstickender Luft Erleichterung finden kann, indem man die Fenster öffnet und seine Lungen mit frischer Himmelsluft füllt, kann jemand, der sich vergegenwärtigt, was Gottes Liebe ist, seelische Erquickung finden, indem er sozusagen weit die Fenster seiner Seele öffnet und diese Liebe einläßt."

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